Darum gehts
- Im Flieger: Die Rücklehne nicht sofort zurückstellen
- Im Zug: Sitzplätze sind für Menschen da, nicht für Koffer oder Rucksäcke
- Am Pool: Liegestühle besetzen ist überall verhasst
Es ist zwar Jahre her, seit die Nacktwanderer den Alpstein unsicher machten – aus dem kollektiven Gedächtnis verschwunden sind die weltweiten Schlagzeilen bis heute aber nicht. Der neue Reiseführer von Lonely Planet widmet dem Thema sogar seinen Titel: «Don’t Hike Naked in Switzerland». Seit 2009 ist das Nacktwandern im Kanton Appenzell Innerrhoden offiziell verboten, später stellte sich auch das Bundesgericht mit einem Grundsatzentscheid gegen die Anhänger des unverhüllten Naturerlebnisses. Seither wurden – zumindest offiziell – keine Nackten mehr gesichtet.
Dass ahnungslose Touristen deshalb gleich glauben, in der Schweiz gehöre das Kleiderablegen zur Kultur wie Fondue oder Alphornblasen, dürfte zwar unwahrscheinlich sein. Doch wer reist, tappt schnell in kulturelle Fettnäpfchen. Genau dort setzt das Buch an: als Benimmratgeber und Reise-Überlebenshandbuch für alle, die andere Länder entdecken wollen, ohne dabei unangenehm aufzufallen. Gerade in Zeiten von Overtourism wird gutes Benehmen immer wichtiger. Ob im Flugzeug, im Zug, im Hotel oder am Pool: Reisen bedeutet heute mehr denn je, Rücksicht auf andere Kulturen und Mitreisende zu nehmen. Damit die Ferien nicht im peinlichen Fauxpas enden, hier ein paar Tipps für entspanntes und respektvolles Reisen.
1. Im Flieger: Die Rückenlehne ist kein Liegestuhl
Economy wird immer enger – umso wichtiger ist Rücksicht. Die Rückenlehne direkt nach dem Start komplett nach hinten zu knallen, gilt als Todsünde der Lüfte. Noch schlimmer: nach der Landung minutenlang im Gang stehen und Mitreisenden den Hintern ins Gesicht strecken. Auch Dauer-Knieboxen gegen den Vordersitz oder lautstarke Videos ohne Kopfhörer machen aus einem Flug schnell einen Höllentrip.
2. Im Zug: Der Sitz ist nicht fürs Gepäck reserviert
Ob Backpacker mit XXL-Rucksack oder Luxusreisender mit Monogramm-Koffer: Taschen gehören nicht auf freie Sitzplätze. Gerade in vollen Zügen wirkt es egoistisch, wenn Gepäck mehr Platz bekommt als Menschen. Und auch beim Snack gilt: Stark riechende Eier-Sandwiches oder tropfende Früchte sorgen selten für Begeisterung im Abteil.
3. In der U-Bahn: Andere Länder, andere Höflichkeit
Was höflich gemeint ist, kann anderswo beleidigend wirken. In Japan etwa gilt es teils als unhöflich, älteren Menschen ungefragt einen Sitz anzubieten – damit könnte man ihnen indirekt Altersschwäche unterstellen. Je dichter die Menschen zusammenrücken, desto wichtiger werden Distanz und Diskretion: In der Londoner Tube wird Augenkontakt traditionell eher vermieden.
4. Im Taxi: Vorne oder hinten?
Auch die Sitzordnung ist kulturell geprägt. In Australien gilt es als freundlich, sich vorne neben den Taxifahrer zu setzen. In England oder den USA dagegen wirkt das schnell seltsam oder aufdringlich. Wichtig überall: keine inoffiziellen Taxis, besonders an Flughäfen und Touristenorten.
5. Im Hotel: Bitte nicht alles einpacken
Shampoo-Fläschchen? Noch okay. Handtücher, Bademäntel oder Deko? Keine gute Idee. Manche Hotels arbeiten inzwischen sogar mit Chips in Textilien. Und in Ländern wie Japan oder Nigeria kann Hotelklau tatsächlich Ärger mit der Polizei geben.
6. Am Pool: Liegen reservieren ist überall verhasst
Das Badetuch morgens um sieben auf die Liege werfen und dann stundenlang verschwinden? Ein billiger Trick, weswegen insbesondere in Spanien Kriege eskalieren können. Wer dafür böse Blicke kassiert, hat es verdient.
7. Badebekleidung: Bitte mit Respekt
Oben ohne ist an der französischen Riviera gern gesehen, in den USA ist schon eine Speedo-Badehose zu knapp. Je religiöser das Land, desto mehr Stoff ist nötig. Das gilt nicht nur in streng muslimischen Ländern wie den Emiraten, auch Europas Ferienorte ziehen die Regeln an. In der Altstadt von Dubrovnik oder in Barcelona kann man für Bikini oder Badehose abseits des Strands gebüsst werden. Und auch im Hotel gilt: Mit nasser Badehose an die Rezeption oder ins Restaurant zu spazieren, gilt vielerorts als respektlos.
8. Trinkgeld: Nicht überall willkommen
In den USA oder Teilen Südamerikas gehört Trinkgeld praktisch zum Lohn dazu. In Japan dagegen kann ein Tip peinlich oder sogar beleidigend wirken. In Skandinavien wiederum ist Trinkgeld eher unüblich. Faustregel: Wer sich vorher informiert, erspart peinliche Momente.
9. Nacktwandern: Nicht im Appenzell
Während Nacktwandern hierzulande verboten ist, kommen FKK-Freunde in Deutschland auf ihre Kosten. Besonders in Ostdeutschland hat die Freikörperkultur eine lange Tradition. Darum gibt es Wanderwege im Harz oder an der Ostsee, wo nackte Wanderer keine Seltenheit sind.
10. Tierwohl: Keine Selfies auf Elefanten
Elefantenreiten, Straussensafaris oder Tigerstreicheln – hinter den Kulissen steckt grosses Tierleid. Attraktionen mit dressierten Wildtieren sollte man keinesfalls unterstützen. Auch bei Touren auf Pferden oder Eseln lohnt sich ein Blick darauf, wie die Tiere gehalten werden.
11. WC-Regeln: Nachts nicht spülen
In vielen Gebäuden der Schweiz gilt nächtliches Spülen nach 22 Uhr als Verstoss gegen die Hausordnung. In Ländern wie Griechenland, Brasilien oder Ägypten wiederum darf Toilettenpapier oft nicht in die Schüssel, sondern muss in den Abfalleimer.
12. Vorsicht mit Handzeichen
Nicht jedes Symbol ist weltweit harmlos. Selbst der Daumen hoch kann im Nahen Osten so beleidigend wirken wie hier der Mittelfinger. Heikel sind auch die Rock-’n’-Roll-Hörner. In Italien oder Spanien ist es das Signal für den gehörnten, also betrogenen Mann. Keine ideale Geste also für Ferienfotos.
13. Finger weg von Statuen
Auch wenn Millionen Touristen es tun: Statuen anfassen, streicheln oder für Selfies beklettern ist vielerorts verpönt. In Verona rieben Touristen jahrelang die Brust der Julia-Statue, weil das angeblich Glück in der Liebe bringen soll. Das dauernde Begrapschen beschädigte die Figur allerdings so stark, dass sie ersetzt werden musste. Darum: Finger weg!