Darum gehts
- 42 Prozent der Menschen in der Schweiz fahren jährlich durchschnittlich 40 Tage Velo
- Mit 0,8 Promille droht das Velofahrverbot und ein allfälliger Autoführerscheinentzug
- 2024 starben 25 Menschen bei Elektrovelounfällen, total sind es in diesem Bereich bisher 250 Verkehrstote
Die Schweiz ist ein Volk von Velofahrerinnen und Velofahrern. Laut dem Bundesamt für Strassen (Astra) sitzen rund 42 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer ab 15 Jahren im Schnitt gut 40 Tage pro Jahr im Sattel. Und stellen sich immer wieder mal Fragen wie: Schadet Radfahren meinem Intimbereich? Riskiere ich wirklich meinen Fahrausweis, wenn ich betrunken fahre? Fünf Mythen im Check.
Jedes Kind kann Velo fahren lernen
Stimmt. Sofern keine körperlichen oder neurologischen Einschränkungen vorliegen, kann theoretisch jedes Kind Rad fahren lernen. Ein ideales Alter gibt es dafür allerdings nicht, schreibt der TCS auf seiner Homepage. Voraussetzungen sind die entsprechende psychomotorische Entwicklung, eine gewisse Selbstsicherheit und Lust aufs Velofahren. Vor dem ersten Velo wird ein Laufrad zur Gleichgewichtsübung empfohlen. Auf der Strasse müssen Kinder bis 6 Jahre von jemandem im Alter von mindestens 16 Jahren begleitet werden. Der TCS empfiehlt alleiniges Radfahren auf der Strasse ab 12 Jahren.
Fahrradfahren schadet dem Intimbereich
Stimmt. Zahlreiche Umfragen weisen darauf hin, dass mehr als die Hälfte der Menschen, die regelmässig Velo fahren, Beschwerden wie Taubheitsgefühle zwischen den Beinen kennen. «Theoretisch ist Radfahren für Damm-, Hodensack- und Analbereich gefährdend», sagt der deutsche Urologe Stefan Staudte zum Rennvelomagazin «Tour». Das liege daran, dass beim Biken wenige Quadratzentimeter dieser sensiblen Bereiche einen Grossteil des Körpergewichts tragen. Mögliche Folgen seien Beschwerden beim Wasserlassen und beim Stuhlgang und auch sexuelle Funktionsstörungen, bei Männern und Frauen. Glücklicherweise lässt sich dem aber vorbeugen – mit dem richtigen Sattel und der richtigen Position beim Fahren.
Wer betrunken fährt, riskiert auch sein Autobillett
Stimmt. Auch Velofahrende müssen sich an die allgemeinen Verkehrsregeln halten. Das heisst, wer mit 0,8 Promille auf dem Drahtesel erwischt werde, müsse sofort absteigen und erhalte ein Velofahrverbot von mindestens einem Monat, so Jurist Daniel Leiser, Experte für Verkehrsrecht beim «Beobachter». In krassen Fällen, insbesondere beim Verdacht auf Alkohol- oder Drogensucht, kann das Verbot aufs Autofahren ausgeweitet werden, je nachdem sogar auf einen unbefristeten Entzug des Führerscheins! Und: Sogar wer zu Fuss auffällig heimtorkelt, riskiert unter Umständen das Autobillett. Dazu gibts sogar einen Bundesgerichtsentscheid von 2019.
Velofahren ist gefährlicher als Autofahren
Stimmt nicht. Zumindest nicht in absoluten Zahlen. Von den über 20’000 Verkehrstoten, die es jährlich in Europa gibt, sind nur gut zehn Prozent Radfahrende. Aber: Das Velo ist das einzige Verkehrsmittel, bei dem die Zahl der Unfalltoten seit 15 Jahren nicht gesunken ist. In der Schweiz machten Fahrradunfälle 2022 fast die Hälfte aller Strassenverkehrsunfälle aus. Die Zahl der Toten bei Unfällen mit Elektrovelos lag laut dem Bundesamt für Strassen (Astra) im Jahr 2024 bei 25 (bei insgesamt 250 Verkehrstoten in der Schweiz). Eine der häufigsten Unfallursachen bei allen Verkehrsteilnehmenden ist laut Suva Unaufmerksamkeit.
E-Bikes sind für Faule
Stimmt nicht. Darauf kamen Sportmediziner, die den Trainingseffekt von Pedelecs untersuchten, also von Elektrofahrrädern, die nur dann eine Motorunterstützung bieten, wenn der Radler in die Pedale tritt. «Entgegen vieler Vorurteile zeigen die Zahlen, dass Muskeln und das Herz-Kreislauf-System beim Pedelecfahren nahezu so gefordert werden wie beim herkömmlichen Radfahren», erklärt Studienautorin Hedwig Theda Boeck gegenüber dem Onlineportal Doc-Check. Zudem würden E-Bikerinnen und E-Biker öfter zugunsten des Bikes aufs Auto verzichten als Menschen mit herkömmlichen Velos, und die Motorenunterstützung erleichtert den Einstieg für ältere, übergewichtige und wenig trainierte Leute. Die Studie zeigt, dass E-Velofahrende im Schnitt 135 Minuten pro Woche auf dem Bike unterwegs sind, mit positiver Auswirkung auf ihre Gesundheit.