Dichtestress in der Badi
Plötzlich ist da ein Füdli

Ein fremdes Füdli vor der Nase, E-Zigaretten-Dampf im Gesicht und kaum Abstand: In der Sommerhitze werden kleine Ärgernisse schnell zu grossen Aufregern. Die wichtigsten Regeln für ein friedliches Miteinander in der Badi.
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Rentenwiese in der Stadt Zürich. Bei der Hitze sind alle draussen: Es wird eng.
Foto: Keystone

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Hitze macht reizbar: Warum wir schneller genervt und gestresst sind
  • Zu nah dran: Wann Nähe zum Problem wird
  • Der Badi-Knigge: Die wichtigsten Regeln für ein friedliches Miteinander
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Katja RichardRedaktorin Gesellschaft

Plötzlich verdunkelt ein Schatten mein Gesicht. Als ich den Kopf drehe, thront direkt vor meiner Nase ein Füdli. Es ist die letzte Abendstunde in der Seebadi. Eine Frau hat sich zwischen mich und den Sonnenuntergang gesetzt – gefühlte zehn Zentimeter von mir entfernt. Dazu hält sie eine E-Zigarette in der Hand, daneben ihr Kind mit einem Schwimmreifen, so gross wie ein Lastwagenreifen. Dabei hätte es rundherum noch genügend freien Platz. Ich bin zu baff, um etwas zu sagen. Stattdessen schnappe ich mein Badetuch und verziehe mich mit stummem Grummeln 20 Meter weiter weg.

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Enger, lauter, voller!

Wer kennt solche Situationen in diesen Hitzetagen nicht? Wenn die Temperaturen steigen, freuen wir uns zwar, dass endlich Sommer ist. Doch die Hitze hebt nicht unbedingt die Laune. Es wird enger, lauter und voller. Man fühlt sich schneller bedrängt, gereizt oder gestresst. Das ist keine Einbildung. «Hitze löst eine körperliche Stressreaktion aus, und das kann auf die Psyche schlagen», bestätigt die Umweltpsychologin Alice Hollenstein (44). Das Herz schlägt schneller, der Kreislauf reagiert empfindlicher, und die Stresshormone Cortisol, Adrenalin und Vasopressin werden ausgeschüttet – das Nervensystem schlägt Alarm. «Das kann die Reizbarkeit erhöhen, man wird ungeduldig und kann seine Impulse weniger gut kontrollieren», so Hollenstein. 

Zwischen Wut und Angst

Darum liegen bei Hitze die Nerven schneller blank. Bei manchen kommt Wut hoch, bei anderen kann es sogar Angstzustände auslösen – auch weil man der Situation nicht entkommen kann. «Hohe Temperaturen verstärken das subjektive Dichteempfinden – das sogenannte Crowding», erklärt Hollenstein. Dadurch nimmt auch der gefühlte Dichtestress zu. Laut der Psychologin beginnt das Gefühl einer «Invasion in den persönlichen Raum» etwa bei 60 Zentimetern. «Das ist aber keine fixe Zahl, sondern stark von der Person und der Situation abhängig», erklärt die Gründerin von Urban Psychology. «Wenn ich auf dem Land auf einem weiten Feld sitze, wo rundherum niemand ist, und jemand seine Picknickdecke zwei Meter neben mir ausbreitet, fühlt sich das anders an als in einer Badeanstalt voller Menschen.» Je nach Setting können zwei Meter plötzlich eng oder weit weg wirken.

Wichtig ist, sich bewusst zu machen, was hohe Temperaturen bei einem selbst und bei anderen auslösen können. «Man schläft oft auch schlechter und hat weniger Ressourcen. Darauf sollte man gegenseitig Rücksicht nehmen», empfiehlt die Psychologin. Wenn in der Badi die Stimmung hochzukochen droht, lieber einmal durchatmen und etwas Abstand nehmen.

In meinem Fall nützte das allerdings wenig. Die Frau mit der E-Zigarette, dem Kind und dem riesigen Schwimmreifen breitete innert drei Minuten wieder ihr Badetuch direkt neben mir aus – weil bei ihr drüben die Sonne schon weg war. Da hilft nur noch die Flucht ins Wasser.

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So geht Badi: Ein Knigge für heisse Tage:

Die Badewiese ist keine Disco

Musik nur für die eigenen Ohren: Nicht alle wollen Disco.
Foto: Getty Images

Musik gehört für viele zum Sommertag am Wasser. Doch was für die einen Feriengefühle weckt, nervt die anderen. Deshalb gilt: Wer Musik hören will, nutzt Kopfhörer oder dreht die Lautstärke so weit runter, dass niemand unfreiwillig mithören muss. Rücksicht ist keine Einbahnstrasse. Wer Ruhe sucht, legt sein Badetuch nicht mitten ins Geschehen, sondern wählt einen ruhigeren Platz. In Badeanstalten ist das Abspielen von Musik ohnehin oft verboten.

Ölteppich im Wasser verhindern

Rücksicht auf die Umwelt: Sonnencreme einwirken lassen, bevor man ins Wasser geht.
Foto: Getty Images

Ist Ihnen schon einmal dieser schillernde Fettfilm auf der Wasseroberfläche aufgefallen? Sonnencreme ist wichtig, aber bitte nicht direkt vor dem Schwimmen einreiben. Sie braucht rund 20 bis 30 Minuten, um einzuziehen und zu wirken. Wer sich rechtzeitig schützt, tut der Haut und der Umwelt einen Gefallen. Möglichst Produkte ohne Mikroplastik sowie ohne die UV-Filter Oxybenzon und Octinoxat wählen.

Bitte Rücksicht beim Rauchen

Zigi in der Badi? Bitte mit genügend Abstand.
Foto: Getty Images

Ob Glimmstängel oder E-Zigarette: Rauch und Dampf werden von vielen als störend empfunden. Darum vor dem Lospaffen kurz das Umfeld prüfen und genügend Abstand halten. Im Zweifel die Nachbarn fragen, ob es sie stört. Wer rauchen möchte, sucht sich am besten etwas abseits ein ruhiges Plätzchen. Das sorgt für mehr Rücksicht und weniger Ärger auf der Badewiese.

Abstand halten

Niemand hat Lust, Haut an Haut mit fremden, verschwitzten Körpern zu liegen. Auf der Badewiese gilt eine unausgesprochene Regel: Jeder nimmt so viel Raum ein, wie der Platz zulässt. Trotzdem wird manchmal erstaunlich dicht «angedockt». Wer sich eingeengt fühlt, darf das freundlich ansprechen – oder selbst weiterziehen.

Vorsicht vor dieser Raupe beim Badi-Besuch
2:05
Ausbreitung im Mittelland:Vorsicht vor dieser Raupe beim Badi-Besuch

Kein Anspruch auf Stammplatz

Es gibt sie, diese Eifrigen, die schon vor der Türöffnung warten, um sich ihren Lieblingsplatz zu sichern. Dagegen ist nichts einzuwenden, aber bitte dabei weder Ellbogen noch Schwimmflügeli ausfahren. Stammplätze gehören niemandem: Wenn er mal besetzt ist, sollte man das sportlich nehmen, statt sich wie ein Grossgrundbesitzer aufzuspielen. Bitte keine grossen Flächen mit Tüchern, Taschen oder Schwimmhilfen für Leute blockieren, die erst Stunden später kommen. An heissen Tagen zählt jeder freie Quadratmeter.

Die Badi ist kein Badezimmer

Pedicure in der Badi: Das wird nicht gerne gesehen.
Foto: Getty Images

Ob Hornhaut raspeln, Fussnägel schneiden oder unerwünschte Härchen entfernen: Die Badi ist nicht der richtige Ort für die persönliche Schönheitspflege. Zwischen Badetüchern und Picknickdecken möchten die wenigsten unfreiwillig Zeugen fremder Pflegerituale werden. Was im eigenen Bad völlig normal ist, wirkt auf der Liegewiese schnell befremdlich. 

Intimitäten und Nacktheit

Ein Kuss für den Schatz stört niemanden. Bei allzu intensiven Zärtlichkeiten ist jedoch etwas Zurückhaltung gefragt. Die Badewiese ist ein öffentlicher Ort, an dem sich Menschen jeden Alters und jeder Herkunft aufhalten. Die ausgedehnte Paarmassage verlegt man besser an einen privateren Ort. Und auch beim Umziehen gilt: Diskretion kommt besser an als demonstratives Entblössen. 

Glotzen und Fotografieren

Vorsicht mit dem Handy in der Badi: Fotos machen ist tabu!
Foto: Getty Images

Die Badewiese ist kein Kino. Insbesondere wenn man so eng beieinander ist, unterlässt man es, andere anzustarren. Genauso wie Kommentare über die Figur oder das Badeoutfit, selbst wenn es nett gemeint ist. Absolut tabu: Fotografieren! In Badis ist das ohnehin verboten.

Gerüche und Genuss

Je höher die Temperatur, desto intensiver die Düfte. Auf Parfums verzichtet man ohnehin besser, in Kombination mit Sonnenlicht können davon Pigmentflecken entstehen. Auch starke Essensdüfte vom Take-away können auf engem Raum stören. Wer picknickt, nimmt Rücksicht auf die Nachbarn und entsorgt Abfälle korrekt. Wer verschwitzt in der Badi ankommt, benutzt bitte die Dusche, bevor er ins kühlende Nass springt. Frische Luft teilt man sich hier mit vielen.

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