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Blick-Sexexpertin Sandra Casalini über die Chance ihres Lebens:«Ich bereue, dass ich den Dreier abgelehnt habe»

So datet die Schweiz
Es braucht 291 Matches für die Liebe

Die Schweiz datete jahrzehntelang gleich: Man lernte sich im Freundeskreis, im Ausgang oder bei der Arbeit kennen. Dann kam das Internet. Und alles wurde anders.
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Wunschvorstellung von vielen: Aus dem Kribbeln beim ersten Date ...
Foto: Getty Images

Darum gehts

  • Bis in die 2000er blieben Freundeskreis, Ausgang und Beruf die stabilen Kennenlernorte für Paare
  • 2026 gibt es hier über 500 Dating-Portale; fast ein Drittel neuer Paare lernt sich online kennen
  • Dating-Apps sollen Liebe vermitteln, ihr Algorithmus zielt aber auf lange Verweildauer der Nutzenden
Familienbloggerin Sandra C.
Sandra CasaliniRedaktorin

Vor 50 Jahren lernte sich ein gutes Drittel der Paare im Freundeskreis kennen, ein Viertel im Ausgang, ein weiteres Viertel bei der Arbeit oder in der Ausbildung. Diese Zahlen blieben stabil bis in die 2000er-Jahre. Was sich änderte, war die Art des Ausgehens – von Dorffesten hin zu Bars und Clubs – und die Benennung der romantischen Treffen nach dem Kennenlernen: Begab man sich in den 70er- und 80er-Jahren auf Rendez-vous, waren die 90er pragmatisch: Man traf sich oder machte ab. Gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts trat das Wort, das die heutige Kennenlern-Szene prägt, bereits als Teil eines Begriffs auf: Blind Date. Man wurde verkuppelt und traf sich mit romantischer Intention, ohne einander zuvor persönlich getroffen zu haben.

Dating für Gamer, Farmer oder Unverträglichkeiten

Dann kam das Jahr 1996, das als Start für den Zugang zum Internet für die Schweizer Bevölkerung gilt. Zwei Jahre später gingen mit swissflirt.ch und singles.ch bereits die ersten Partnersuch-Portale online. Ab 2005 drängten grosse internationale Plattformen wie Parship auf den Schweizer Markt, mit dem weltweiten Start von Tinder im Jahr 2012 verlegte sich ein grosser Teil des Online-Datings auf Smartphone-Apps. Im Jahr 2026 gibt es hierzulande über 500 aktive Dating-Portale und gut zwei Millionen Nutzerinnen und Nutzer. Die Angebote reichen von den grossen internationalen Playern bis zu Nischenangeboten für Gamerinnen und Gamer (Kippo, Heartshot, Date a Gamer), gewisse Berufsgruppen (Farmers Only) oder Gesundheitszustände (Glutenfree Singles). Fast ein Drittel aller Paare, die ihre Partnerschaft in den vergangenen Jahren eingegangen sind, haben sich online kennengelernt. Im Freundeskreis bandeln derzeit noch gut 20 Prozent an, bei Arbeit oder Ausbildung etwa 15 Prozent. Im Ausgang sinds nur noch gut 10 Prozent.

Das «Swipe-Prinzip» der Dating-Apps basierte am Anfang vor allem auf dem Visuellen, biografische Details oder Absichten in den Profilen spielten kaum eine Rolle. So wurden Tinder und Co. in der Popkultur und den Schweizer Medien rasch als reine Sex- oder Hook-up-Apps abgestempelt. Apps wie Hinge (die mit dem Slogan «Die Dating-App, die entwickelt wurde, um gelöscht zu werden» wirbt) haben den Markt verändert. Sie verlangen detailliertere Profile und drängen das Thema Sex zugunsten von Beziehungsabsichten in den Hintergrund.

«Stell dir vor, die App sei eine Bar …»

Das Problem: Zwischen Anbietenden und Nutzenden von Dating-Plattformen herrscht der ultimative Interessenskonflikt. Suchende möchten so schnell wie möglich die Liebe finden, der Algorithmus ist an einer längstmöglichen Verweildauer interessiert. Das kann mühsam sein: Laut einer vom Fachjournal «Evolutionary Psychological Science» veröffentlichten norwegischen Studie braucht es im Schnitt 291 Tinder-Matches, um eine feste Beziehung zu finden! Kein Wunder, macht sich eine gewisse Datingmüdigkeit breit. Der grosse Vorteil der Apps ist auch ihr grösster Nachteil: ihre Effizienz.

«Man stelle sich vor, so eine Dating-App wäre eine Bar, da läuft man rein und bandelt mit 20 Leuten gleichzeitig an. Unvorstellbar, weil total überfordernd. Online normal, aber nicht weniger überfordernd», sagt Paartherapeutin Ramona Zenger (37) in einer Folge des Blick-Beziehungspodcasts «intim&laut» zum Thema Online-Dating. Warum sollte man viel Zeit und Energie in jemanden investieren, wenn die Auswahl scheinbar unendlich ist? «Ich nehme unter meiner Klientel derzeit einen grossen Datingfrust wahr, was viel mit Ablehnung und fehlendem Bindungswillen zu tun hat», sagt Zenger.

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Dazu kommen oft falsche Erwartungen: Liebe auf den ersten Klick gibts noch seltener als die auf den ersten Blick. «Wenn man sich wirklich eine funktionierende Partnerschaft wünscht, gibt es leider keine Abkürzung», sagt Philipp Schwarzenberg (38) von der Partnervermittlung Sympathica. Selbst wenn beim ersten Date der Funke springt. «Anziehung ist Chemie und hat nichts mit Partnerschaftstauglichkeit zu tun. Wir verwechseln das oft.» Ramona Zenger plädiert für Reflexion und Transparenz: «Man sollte sich vor der Partnersuche überlegen, ob man wirklich bereit ist für eine Beziehung, sonst verschwendet man Zeit und Energie von Menschen, die es sind.» Und danach darf man sich auch beim Online-Daten Zeit lassen, um jemanden kennenzulernen. Zenger: «Denn das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.»

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