«Ich habe mit 50 den besten Sex meines Lebens»
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Blick-Redaktorin Casalini:«Ich habe mit 50 den besten Sex meines Lebens»

Bestsellerautorin Sheila de Liz
«Guter Sex fragt nicht nach rasierten Beinen»

Sie klärt Frauen über deren Körper und Hormone auf: Sheila de Liz gilt als bekannteste Gynäkologin im deutschsprachigen Raum. In ihrem neuen Buch widmet sie sich der weiblichen Sexualität.
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Sex und die Lust darauf hören nicht mit der Reproduktionsfähigkeit der Frau auf.
Foto: Shutterstock

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Sheila de Liz veröffentlicht neues Buch «Light My Fire»
  • Testosteron entscheidend für weibliche Libido, oft jedoch missverstanden
  • Mindestens zweimal monatlich Sex stärkt Paarbeziehungen, so de Liz
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Sandra CasaliniRedaktorin

Ihr Buch «Woman on Fire – die fabelhaften Wechseljahre» landete vor sechs Jahren auf diversen Bestsellerlisten und machte Sheila de Liz zur bekanntesten Gynäkologin im deutschsprachigen Raum. Jetzt legt sie nach und nimmt sich mit «Light My Fire – für den Sex deines Lebens» der weiblichen Sexualität an. Sheila de Liz über Libidoverlust, Schamgefühle und warum Sexträume wichtig sind. 

Blick: Wie erklären Sie sich den Erfolg von «Woman on Fire»?
Sheila de Liz:
Ich denke, mir ist es gelungen, das Thema Wechseljahre in einer verständlichen Sprache darzulegen. Ausserdem merkt man wohl als Leserin, dass mir die Inhalte sehr am Herzen liegen.

Warum wissen Frauen eigentlich so wenig über ihren eigenen Körper?
Wenn nicht einmal Gynäkologinnen und Gynäkologen in der Ausbildung die vollständige Anatomie der Frau beigebracht wird – alles, was über die Funktion der Reproduktionsorgane hinausgeht, ist nicht Bestandteil der Facharztausbildung –, wie sollen dann normale Frauen Bescheid wissen? 

Im Jahr 2026 ist die Sexualität der Frau noch immer kein Thema für Gynäkologen, während jeder Urologe bis ins Detail alles über Erektionsstörungen weiss?
Bis ein Lehrprogramm sich ändert, muss einiges geschehen. Es gibt sicher einzelne Professorinnen oder Professoren an der Uni, denen es wichtig ist, auch die sexuelle Gesundheit von Frauen zu erwähnen. Aber die meisten unterrichten einfach nach Plan. 

Gegenüber der Sexualität von älteren Frauen gibt es viele Vorurteile. Wer nicht mehr fruchtbar ist, braucht keinen Sex mehr ...
Das ist ein grosser Trugschluss. Die Natur hat nicht vorgesehen, dass Sexualität ausschliesslich der Reproduktion dient. Sie ist bei Paaren zum Beispiel auch wichtig für die Bindung. Deshalb haben die meisten Frauen auch im mittleren Alter und danach ein Interesse daran, ihr Sexleben zu erhalten. 

Fachfrau für Hormone

Dr. med. Sheila de Liz, geboren 1969 in New Jersey (USA), hat in Mainz (D) Medizin studiert. Bis 2025 arbeitete sie in ihrer eigenen Praxis für Gynäkologie und Geburtshilfe in Wiesbaden. 2022 gründete sie die Hormone Online Clinic. Sie ist eine gefragte Expertin zu allen Themen rund um weibliche Gesundheit.

«Light My Fire» ist ihr fünftes Buch. De Liz erklärt mit Witz, Offenheit und klaren Worten, wie Lust wirklich funktioniert, warum sie manchmal verschwindet und wie man sie – auch in Langzeitbeziehungen – wieder zurückholt.

«Light My Fire» ist ab sofort im Buchhandel erhältlich.
Gaby Gerster

Dr. med. Sheila de Liz, geboren 1969 in New Jersey (USA), hat in Mainz (D) Medizin studiert. Bis 2025 arbeitete sie in ihrer eigenen Praxis für Gynäkologie und Geburtshilfe in Wiesbaden. 2022 gründete sie die Hormone Online Clinic. Sie ist eine gefragte Expertin zu allen Themen rund um weibliche Gesundheit.

«Light My Fire» ist ihr fünftes Buch. De Liz erklärt mit Witz, Offenheit und klaren Worten, wie Lust wirklich funktioniert, warum sie manchmal verschwindet und wie man sie – auch in Langzeitbeziehungen – wieder zurückholt.

Aber Libidoverlust ist für sehr viele Frauen in diesem Alter eine Realität.
Das stimmt. Gerade in der Perimenopause kommen viele Faktoren zusammen. Viele Frauen schlafen schlecht, haben depressive Verstimmungen oder auch Wutanfälle, ganz zu schweigen von den körperlichen Symptomen der Wechseljahre.

Immer mehr Frauen bekommen mit Ende 30, Anfang 40 noch Kinder. Was hat das für einen Einfluss auf die Sexualität?
Denselben wie mit 30 oder 35. Kleine Kinder im Haus sind Sexkiller.

Und kaum sind die Kinder grösser, stören die Hormone. Was haben diese mit Sex zu tun?
Sehr viel. Wir brauchen Testosteron, um eine gesunde Libido zu entwickeln, und zwar auch die Frauen. Die Klitoris braucht dieses Hormon, um sexuell erregbar zu bleiben. Nicht nur die Orgasmusqualität, sondern der komplette sexuelle Vorgang ist auf Testosteron angewiesen. Lange wusste man nicht, dass Testosteron, das als männliches Sexualhormon gilt, auch für die weibliche Sexualität entscheidend ist. 

Ist das der Grund, dass Ärztinnen und Ärzte so davor zurückschrecken, Frauen Testosteron zu verschreiben?
Die meisten kennen sich halt nicht damit aus. Gäbe es ein Präparat für Frauen auf dem Markt – und ein paar Grundregeln dazu –, wären viele Ärzte sicher eher dazu bereit.

Vielleicht haben Frauen Angst, dass ihnen Haare am Körper wachsen und die Stimme tiefer wird.
Das ist ein Märchen. Transmänner, die diese Effekte wünschen, wissen, dass man unglaublich hohe Mengen Testosteron nehmen muss, um sie zu erzielen. 

Auch bei Männern sinkt der Testosteronspiegel ab 40 oder sogar früher. Was ist der Unterschied zum Mangel bei Frauen?
Es sinkt langsamer. Viele Frauen bemerken mit der Zeit, dass ihre Männer träge oder gar ein bisschen depressiv werden. Auch bei ihnen nehmen Libido und Erektionsqualität ab. 

Frauen bekommen bei Libidoverlust oft zu hören, das sei psychisch.
Das ist nicht immer ganz falsch. Ein physischer Auslöser hat oft psychische Auswirkungen.

Woran erkenne ich, dass der Auslöser Testosteronmangel ist?
Frauen mit Testosteronmangel berichten oft, dass sie keine Sexträume mehr haben. Diese komischen Sequenzen, in denen man zum Beispiel Sex hat mit jemandem, den man aus der Schule kennt, aber jahrelang nicht mehr gesehen hat. Die sind normal. Und sie sind ein ganz guter Gradmesser, um einzuordnen, ob man tatsächlich ein Hormon- oder vielleicht doch ein Partnerschaftsproblem hat. 

Gilt das auch für Männer?
Für sie ist es noch einfacher: Wer regelmässig keine Erektion mehr hat beim Aufwachen, also keine Morgenlatte, sollte mal sein Testosteron checken lassen.

Bei Frauen beeinflusst gerade in der Perimenopause auch ein negatives Körperbild die Libido, dazu kommt Scham. Wofür?
Es gibt unglaublich viele Glaubenssätze, die wir mit uns herumschleppen. Wir schämen uns für laute Geräusche beim Sex oder dafür, als Frau Sex einzufordern, das macht man nicht. 

Die Bezeichnung unserer Geschlechtsteile impliziert ja, dass Scham weiblich ist.
Das stimmt überhaupt nicht. Auch viele Männer haben ein Schamproblem. Sie schämen sich für ihren Penis, ihren Bauchansatz, ihren Haarverlust. Sie verstecken ihre Scham halt oft besser als Frauen. 

In Ihrem neuen Buch schreiben Sie den Satz: «Guter Sex ist einfach.» Machen wir Sex kompliziert?
Ja. Wir schalten den Kopf zu sehr ein. Wir wollen etwas steuern, was von allein gehen kann. Damit gehen wir unserer sexuellen Seele aus dem Weg, die von Natur aus weiss, was zu tun ist. Guter Sex fragt nicht nach Vorbereitung, nach rasierten Beinen und nach frisch gewaschenen Haaren. 

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Was ist die sexuelle Seele?
Das ist ein Konzept aus der Sexualtherapie, das einen Teil in uns beschreibt, der existiert, seit wir Babys sind. Wir möchten angefasst, geknuddelt, gestreichelt werden. Die sexuelle Seele ist ein egoistisches Kleinkind und kennt nur zwei Worte: ja und nein. Nur wenn sie will, macht der Körper mit. 

Sie sagen, wenn zwischen einem Paar alles in Ordnung sei, sollte es mindestens alle 14 Tage Sex haben. Das ist etwas provokant.
Das sind zweimal im Monat, das sollte man doch hinkriegen – wenn man seiner Beziehung eine gewisse Priorität verleiht. Nur einmal im Quartal Sex zu haben, ist nicht gut für eine Partnerschaft. Wenn wir aufhören, Sex zu priorisieren, hören wir auf, einander zu priorisieren. 

Aber es ist doch normal, dass man in einer Langzeitbeziehung nicht dauernd scharf aufeinander ist.
Normal sind Ebbe und Flut. Wenn die Ebbe zum Dauerzustand wird, sollte man hinschauen. Man kann und sollte auch in Langzeitbeziehungen schauen, dass man die Sexualität aufrechterhält. 

Instandhaltungssex.
Das klingt so negativ. Es geht nicht einfach um ein halbwegs funktionales Sexleben, sondern um ein bereicherndes. 

Sie raten dazu, die sexuelle Temperatur aufrechtzuerhalten. Was meinen Sie damit?
Es bedeutet, dass man einander während des Tages in regelmässigen Abständen berührt. Und zwar nicht nur mit einem Schmatzer auf die Wange beim Vorbeigehen, sondern auch mal mit einem liebevollen, langen Kuss auf die Lippen oder einer langen Umarmung. Nicht als Vorspiel zum Sex, sondern einfach um zu zeigen, dass man einander mag. So fühlt sich auch Liebemachen natürlicher an, als wenn man einander den ganzen Tag ignoriert hat. 

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