Ernstes Problem
Eisenmangel bei Frauen: Libidoverlust, Müdigkeit, Depressionen

Erschöpfung, hartnäckige Gewichtsprobleme, fehlende Libido und Depressivität: Die Ursachen für diese Symptome sind vielfältig. Warum Frauen dabei auch immer ein Eisendefizit in Betracht ziehen sollten, erklärt ein Experte.
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Leitsymptome des Eisenmangels sind Müdigkeit, Abgeschlagenheit und nachlassende körperliche Leistungsfähigkeit.
Foto: Getty Images
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Schweizer Illustrierte

Ständige Müdigkeit, Stimmungsschwankungen, Gewichtszunahme trotz Disziplin – viele Frauen nehmen solche Beschwerden als «normal» hin oder schieben sie auf Stress, Hormone oder das Älterwerden. Doch oft steckt etwas anderes dahinter: ein Eisenmangel. Warum gerade Frauen besonders gefährdet sind, welche Warnzeichen ernst genommen werden sollten und weshalb ein einfacher Bluttest Klarheit schaffen kann, erklärt ein Experte. 

1

Frühe Regelblutungen

Frauen sind besonders stark von Eisenmangel betroffen. Frühe und verstärkte Regelblutungen erhöhen das Risiko. Besonders hoch ist der Eisenbedarf in der Schwangerschaft. Selbst bei optimaler Ernährung kommt es zu einer negativen Eisenbilanz. Auch Frauen in und nach den Wechseljahren leiden häufig an Eisenmangel. Oft haben sie vor der Menopause starke Blutungen, die mit einem hohen Eisenverlust einhergehen. Die Symptome des Eisenmangels ähneln stark den Wechseljahrbeschwerden und werden deshalb häufig verkannt.

2

Leere Eisenspeicher

Es lohnt sich, im Verdachtsfall das Eisenspeicherprotein Ferritin im Blut zu bestimmen. Das gilt besonders bei Menschen, die sich vegetarisch ernähren, bei Frauen nach einer Geburt, vor und nach der Menopause. Das Ferritin widerspiegelt sehr zuverlässig das Gesamtkörpereisen. Eine tiefe Ferritin-Konzentration im Blut beweist stets einen Eisenmangel. Umgekehrt schliesst ein scheinbar normales Ferritin einen Eisenmangel jedoch nicht in jedem Fall aus.

3

Verzicht auf Fleisch

Der Trend zur fleischlosen Ernährung führt bei vielen Frauen zu Eisendefiziten. Lebensmittel tierischer Herkunft, speziell Fleisch, haben in weiten Kreisen einen schlechten Ruf. So ernährt sich jede dritte Frau zwischen 15 und 18 Jahren vegetarisch oder sogar vegan. Stark im Trend sind die Teilzeitvegetarier. 40 Prozent geben an, bewusst kein Fleisch zu essen. Vegetarierinnen haben generell ein erhöhtes Risiko für Eisenmangel, weil das gut resorbierbare tierische Eisen aufgrund ihrer Ernährung nicht vorkommt. Zudem kann sich das häufig als Proteinquelle verwendete Sojaeiweiss negativ auf die Eisenresorption auswirken. 

4

Hartnäckiges Übergewicht

Eisenmangel macht dick. Einer der häufigsten Gründe, dass trotz aller Anstrengungen die Kilos nicht purzeln, ist ein versteckter Eisenmangel. Wenn es eine Frau trotz viel Bewegung und einer ausgewogenen Ernährung nicht schafft, das Gewicht zu reduzieren, sollte sie an Eisenmangel denken.

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Totale Erschöpfung

Leitsymptome des Eisenmangels sind Müdigkeit, Abgeschlagenheit und nachlassende körperliche Leistungsfähigkeit. Der Antrieb kann vermindert sein wie auch die Lust, etwas zu unternehmen oder sich mehr zu bewegen. Oft kommen depressive Gedanken auf, und die sexuelle Energie lässt nach. Meistens entwickeln sich die Beschwerden langsam, so dass sie lange Zeit übersehen oder dem Älterwerden zugeschrieben werden. Hände weg von einer vorschnellen Verschreibung von Beruhigungsmitteln und Antidepressiva!

Auch die Lust leidet, wenn eine Frau zu an Eisenmangel leidet.
Foto: Getty Images/EyeEm

Ab wann ist der Wert zu tief?

Ist der Ferritin-Wert tiefer als 15, besteht sicher ein Eisenmangel. Liegt er zwischen 15 und 30, ist ein Eisenmangel wahrscheinlich. Beträgt er zwischen 30 und 100, ist ein Eisenmangel möglich. Erst ab einem Ferritin-Wert von 100 ist ein Eisenmangel ausgeschlossen. Absolute Werte erlauben oft keine schlüssigen Aussagen. Entscheidend ist der Vergleich von Laborwerten mit den klinischen Symptomen und dem Verlauf. Bessern sich die Symptome mit dem ansteigenden Ferritin-Spiegel, ist die Diagnose klar.

Intensiver Sport

Sportlerinnen haben einen erhöhten Eisenverbrauch, besonders Mittel- und Langstreckenläuferinnen, aber auch viele Fussballerinnen und Skifahrerinnen. Blutverluste über den Magen-Darm-Trakt ereignen sich im Übrigen nicht nur unter Wettkampfbedingungen, sondern auch während intensiver Trainingseinheiten.

Was wir lernen:

Eisenmangel ist bei Frauen keine Seltenheit, sondern ein häufig unterschätztes Gesundheitsproblem – vom Teenageralter bis nach den Wechseljahren. Müdigkeit, Gewichtszunahme, depressive Verstimmungen oder Libidoverlust sollten deshalb nicht vorschnell als «normal» abgetan werden. Ein Blick auf den Ferritin-Wert kann entscheidende Hinweise liefern. Wichtig ist jedoch, Laborwerte immer zusammen mit den Beschwerden zu beurteilen – und sowohl einen Mangel als auch ein Zuviel an Eisen ernst zu nehmen.

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