Darum gehts
- Für Whatsapp-Anrufe braucht es fortan nicht mehr zwingend ein eigenes Konto
- Gäste kommen per Link und Browser in den Call, der Gastgeber muss zustimmen
- Der Haken: Betrüger missbrauchen gefälschte Meeting-Links schon heute
Wer bei Whatsapp mitreden will, brauchte bisher die App und ein Konto. Künftig reicht dafür ein Link. Neu gibt es sogenannte «Gastanrufe», wie der Mutterkonzern Meta erklärt. Wer die Funktion nutzen will, kann im Tab Anrufe über das Plus-Symbol nun einen Link erstellen und diesen dann weiterschicken. Eingeladene Personen können den Link am Computer öffnen, ihren Namen eintippen und warten, bis der Gastgeber sie hereinlässt – ohne Konto.
Möglich sind laut Meta Einzel- und Gruppenanrufe mit bis zu 32 Personen. Gäste können dabei auch ihren Bildschirminhalt teilen, virtuell die Hand heben und im Call mit Daumen- oder Herz-Emojis reagieren. Die Telefonnummern der anderen Teilnehmer sehen sie nicht. Wer ohne Konto am Anruf teilnimmt, kann zudem keine Nachrichten schreiben und keine weiteren Leute einladen. Einen Link erstellen kann nur, wer selbst ein Whatsapp-Konto hat. Laut Meta ist die Funktion ab sofort verfügbar. Im Blick-Test war beim Anklicken des Links hingegen immer noch eine Anmeldung per Whatsapp-Web nötig. Gut möglich also, dass Meta die Funktion in Etappen freischaltet.
Angriff auf Zoom und Co.
Wieso macht Meta das? Die Whatsapp-Anrufe sind laut dem Anbieter kostenlos, Ende-zu-Ende-verschlüsselt und haben kein Zeitlimit. Bei der Konkurrenz ist das anders: Bei Zoom brechen die Gruppengespräche in der kostenlosen Version nach 40 Minuten ab, bei Google Meet und Microsoft Teams nach 60 Minuten. Bis spätestens Ende Jahr will Whatsapp per Plugin in die Kalender von Google und Outlook einziehen. Dann sind Anruflinks direkt in der Einladung zu sehen. Meta zielt damit klar auf die Büros ab. Mit maximal 32 Personen im Call eignet sich die kostenlosen Anrufe aber vor allem für kleinere Runden. Bei der Konkurrenz dürfen in der Gratisversion bis zu 100 Personen am Call teilnehmen.
Ist das sicher?
Die einzige echte Kontrolle bleibt der Warteraum. Gäste ohne Konto müssen immer vorab vom Gastgeber bestätigt werden. Ein Link lässt sich beliebig weiterleiten, und den Namen tippen Gäste selbst ein. Hinter einem Gast stehen weder Konto noch Telefonnummer. Wer jemanden hereinlässt, sollte also genau hinschauen.
Heikel sind auch gefälschte Einladungen. Im Juni warnte hierzulande das Bundesamt für Cybersicherheit (Bacs) vor falschen Zoom-Links. Opfer landeten auf einer täuschend echten Kopie der Zoom-Website und sollten da ein Update installieren, in Wahrheit luden sie sich damit Schadsoftware auf den eigenen Computer herunter.
Mit den Whatsapp-Gastlinks bekommen Betrüger jetzt einen weiteren bekannten Namen, hinter dem sie sich verstecken können. Auch die Bildschirmfreigabe ist bei Cyberkriminellen beliebt. Sie geben sich dabei als Support-Angestellte aus und schauen mit, wenn Bankdaten oder Bestätigungscodes eingetippt werden.
Das Bundesamt für Cybersicherheit rät, Einladungen zu Videocalls nur anzuklicken, wenn man sie erwartet und den Absender kennt. Wenn möglich, sollte man Meetings direkt im installierten Programm beitreten statt über einen zugeschickten Link, und Updates sollte man ausschliesslich über die App oder über die Herstellerseite installieren.