Spionage bei OpenAI
«Hoch entwickelte» Wanze in WC-Papier gibt es online für 14 Dollar

Ein Angestellter der KI-Firma OpenAI soll im Sitzungszimmer der Chefetage eine Wanze versteckt haben. Die Firma kam dem mutmasslichen Spitzel nach eigenen Angaben dank ihrer KI auf die Spur.
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Dieses Bild soll den OpenAI-Mitarbeiter zeigen, wie er hinter dem Fernseher nach der Wanze schaut. Es stammt von der US-Justizbehörde.
Foto: DOJ

Darum gehts

  • Saudischer Ingenieur (35) in San Francisco wegen Abhörens angeklagt
  • Der Mann soll so ein Sitzungszimmer der Chefetage abgehört haben
  • Die laut OpenAI «hoch entwickelte» Wanze gibt es online für 14 Dollar
Tobias Bolzern: Digital Redaktor bei Blick.
Tobias BolzernRedaktor Digital

Eingewickelt in WC-Papier und eingestöpselt hinten an einem Fernseher: So war eine Wanze im Sitzungszimmer der Geschäftsleitung der KI-Firma OpenAI in San Francisco versteckt. Entdeckt wurde sie am 30. September, wie Blick berichtete.

Dort platziert haben soll sie Abdulrahman A.* (35), ein saudischer Staatsbürger und seit Juli 2025 Ingenieur bei OpenAI. Zutritt zum Sitzungszimmer hatte er nicht. Kameras zeigen ihn trotzdem fast ein Dutzend Mal in der Nähe. Eine Überwachungskamera der Firma filmte ihn am 5. Oktober, wie er hinter den TV schaute. In seiner Tasche fanden Sicherheitsleute eine zweite Wanze. Am 9. Oktober nahm ihn das FBI fest, OpenAI hat ihn entlassen.

Bastel-Wanze statt 007

Nun sind weitere Details zum Fall bekannt geworden. OpenAI spricht auf x.com von einem «hoch entwickelten» Aufnahmegerät mit fortschrittlicher Verschlüsselung. Eine kurze Internetrecherche zeigt: Es handelt sich um ein Bastlermodul mit Mikrofon und Kamera, etwa so gross wie ein Daumennagel, das praktisch in jedem gut sortierten Elektronikfachgeschäft erhältlich ist. Laut gizmodo.com kostet es 13,99 Dollar – also knapp 12 Franken.

Für die US-Regierung ist der Fall trotzdem eine Frage der nationalen Sicherheit. FBI-Chef Kash Patel spricht von «sensiblen Gesprächen über die Superintelligenz-Technologie» der Firma. Der Schutz amerikanischer «SI-Innovation» sei für Wirtschaft und Sicherheit des Landes unerlässlich. SI steht für Super Intelligence. So heisst KI in der US-Regierung, seit Präsident Donald Trump (80) sie Ende September per Dekret kurzerhand umbenannt hat.

Rätselhafte KI-Ermittlung

Doch wie kam OpenAI dem Mitarbeiter auf die Schliche? Ganz klar ist das nicht. Offenbar wurde aber die Wanze zuvor entdeckt. «Wir haben unsere Modelle genutzt, um das Gerät zu verstehen und herauszufinden, woher es kam», schreibt OpenAI. Wie das funktioniert haben soll, bleibt offen. Gegenüber gizmodo.com hiess es nur, man habe Kopien des Speichers durch die Modelle laufen lassen. Laut US-Justiz waren die Daten darauf aber verschlüsselt.

Die Mitteilung der Justizbehörde erwähnt die KI mit keinem Wort. Dafür nennt sie andere Spuren, die in einem Chatbot-Konto der Ehefrau von A. gefunden wurden. Dort hat jemand gefragt, wie man einen Audiorekorder baut. Und am 27. und 28. September ging es um die Hardware genau dieser Wanze. Welcher Chatbot es war, steht nicht in der Mitteilung.

Was A. mit den Aufnahmen vorhatte, ist offen. Hinweise auf gestohlene Daten hat OpenAI keine. Am 19. Oktober steht er erneut vor Gericht. Wird er verurteilt, drohen ihm bis zu fünf Jahre Haft und eine Busse von bis zu 250'000 Dollar. Es gilt die Unschuldsvermutung.

* Name bekannt

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