Samsung an der Tech-Messe CES
Luxus-Gaffen: Ein TV so gross wie ein Tischtennis-Tisch

Samsung zeigt in Las Vegas einen Fernseher so gross wie ein Tischtennis-Tisch und einen Kühlschrank, der jede Salamischeibe zählt. Doch hinter der schönen neuen KI-Welt lauert ein Ablaufdatum.
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130-Zoll-TV als Statement: Die Micro-RGB-Technik verspricht hohe Kontraste und Helligkeit, die die Stube flutet.
Foto: Tobias Bolzern

Darum gehts

  • Samsung präsentiert an der CES 2026 seine neue KI-Strategie
  • 130-Zoll-TV mit KI optimiert WM-Bild, bleibt aber ein Luxusprodukt
  • 82 Prozent lehnen KI in Küchen ab, laut Studie der Uni Neapel
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Tobias BolzernRedaktor Digital

So stellt sich Samsung die Zukunft vor: Unsere Wohnungen sollen uns künftig verstehen. An der CES 2026 enthüllt der südkoreanische Tech-Riese seine neue Strategie. Sie heisst «Companion to AI Living». Also die Technik als Begleiter.

Am einstündigen Event im teuersten Hotel am Strip machte Samsung-Chef TM Roh deutlich, wohin die Reise geht: «Wir werden künstliche Intelligenz in jede Kategorie, jedes Produkt und jeden Dienst einbetten, um ein nahtloses, einheitliches KI-Erlebnis zu bieten.»

TV-Monster für die WM

Wer die Demo-Halle von Samsung betritt, bleibt erst mal stehen. Da steht er: ein 130-Zoll-Fernseher, grösser als eine Tischtennisplatte. Es ist der neue «Micro RGB» des Herstellers. Die Technik ist beeindruckend. Anders als bei normalen Geräten leuchten hier Millionen mikroskopisch kleine LEDs. Schwarz ist Schwarz, die Farben knallen wie im Comic.

Das ist kein Zufall. Samsung weiss, was dieses Jahr ansteht: Die Fussball-Weltmeisterschaft. Solche Events sind ein grosser Treiber für TV-Verkäufe. Und Samsung liefert. Eine neue KI erkennt das Spielgeschehen und optimiert Bild und Ton. Beim ersten Augenschein wirkt das Bild gewaltig, fast schon surreal. Der Rasen leuchtet in einem Neongrün, das es in der Natur so wohl nicht gibt. Der Clou: Wer das Geplapper des Kommentators leid ist, schaltet ihn per Knopfdruck stumm, lässt aber die Stadionatmosphäre unangetastet. Ob die KI auch einen emotionalen Sascha Ruefer muten kann, muss der Praxistest noch zeigen.

Der Haken? Es ist unklar, ob der Monster-TV überhaupt auf den Markt kommen wird. Letztes Jahr wurde ein Micro-RGB-TV mit 115 Zoll enthüllt, der später für 30'000 Franken verkauft wurde. Wer also mit dem Neuen liebäugelt, sollte also besser mal die Sofaspalten nach Tausendernötli absuchen, auch für die kleineren Modelle, die Samsung angekündigt hat. 

Für Normalsterbliche gibt es den «Freestyle+», einen Mini-Beamer, der das WM-Finale auch an die schräge Schlafzimmerdecke oder den Vorhang wirft. Dank KI wird das Bild automatisch angepasst, wie Samsung sagt. 

Der Freestyle+ passt das Bild an Oberflächen an, auch an gewellte Vorhänge.
Foto: Tobas Bolzern

Saugroboter als Bodyguard

Die KI macht auch vor dem Boden nicht halt. Der neue Saugroboter «Jet Bot Steam Ultra» erkennt fortan verschütteten Kaffee und wischt ihn automatisch weg. Wenn man selbst nicht da ist, wird er zur rollenden Überwachungskamera. Geht es dem Hund gut? Ist ein Einbrecher da? Der Roboter meldet es. Das klingt praktisch. Die Geräte vernetzen sich, die Waschmaschine meldet dem Trockner, was gleich kommt.

Doch hier bekommt die KI-Welt Risse. Samsung verspricht zwar sieben Jahre Softwareupdates für die neuen, smarten Haushaltsgeräte. Was beim Smartphone lobenswert wäre, ist bei den sogenannten Weisswaren aber ein Hohn. Meine eigene Waschmaschine zu Hause wäscht seit Ewigkeiten ohne Murren – und ohne Software-Update. Nacht sieben Jahren ist zwar mechanisch nicht einfach Schluss, aber digital. Dann wird das Gerät zu einem Sicherheitsrisiko oder verliert Funktionen.

Der Kühlschrank sieht alles

Der neue Family Hub ist die Kommandozentrale der Küche. Dank KI-Integration (Google Gemini) versteht das Gerät komplexe Sprachbefehle und steuert verbundene Geräte wie den Backofen. Eine «AI Vision»-Kamera erkennt Lebensmittel beim Einräumen zudem präziser als bisher, verspricht der Hersteller. Der Nutzen für den Alltag: Das System führt digital Buch über Vorräte, meldet Ablaufdaten und schlägt gleich noch die passenden Rezepte vor, um Resten zu verwerten und Verschwendung zu vermeiden. 

Etwas absurd wird es allerdings beim Blick auf die Funktion namens «FoodNotes». Damit führ der Kühlschrank Protokoll über das persönliche Essverhalten. Das Gerät drückt einem dann ein Label auf, z.b. «Heidelbeer-Enthusiast» wenn man den Kühlschrank besonders oft mit den blauen Beeren füllt und immer wieder davon snackt. Die Frage stellt sich: Braucht es wirklich eine digitale Buchhaltung für den Käsevorrat? Wenn der Kühlschrank beginnt, die Mitternachts-Snacks zu analysieren, fühlt sich das wohl für manche weniger nach Hilfe und mehr nach Überwachung durch die Salami-Polizei an.

Samsung plant hier möglicherweise am Kunden vorbei. Eine aktuelle Studie der Universität Neapel aus dem Jahr 2025 bestätigt das skeptische Bauchgefühl vieler Konsumenten. Die Forscher fanden heraus, dass 82 Prozent der Menschen sogenannte «Avoiders» sind. Sie lehnen KI in der Küche generell ab. Zwar akzeptieren wir technische Hilfe bei der Resteverwertung, also das Szenario, das Samsung mit den Rezeptvorschlägen bedient. Doch sobald es emotional wird, ist Schluss. Wenn Gäste kommen oder ein Familienessen ansteht, vertraut fast niemand den Algorithmen, so die Forscher.

Fussball ja, Erziehung nein

Samsung liefert in Las Vegas eine Show der Gegensätze: Der 30'000-Franken-Fernseher weckt Begierde, die Kurzlebigkeit der Waschmaschinen weckt Ärger. Wir nehmen gerne den Beamer für das WM-Finale und den Saugroboter für den Dreck. Aber wenn der Kühlschrank anfängt, unsere Salami-Sünden zu protokollieren, hört die Freundschaft auf.

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