Darum gehts
- Banker schildert ChatGPT-Mordpläne gegen seine Ex-Freundin
- OpenAI alarmiert die Behörden, Ende Mai wird der Mann verhaftet
- Auch Schweizer Polizeibeamte werten KI-Chats aus
«Wenn ich sie nicht haben kann, kann sie niemand haben.» Diesen Satz schrieb Darren Z.* im Frühling dem KI-Bot ChatGPT. Und gleich noch einen: «Ich werde sie bis Ende dieses Monats töten.»
Z. (25) arbeitete als Analyst bei Goldman Sachs und wohnte in South Palm Beach im US-Bundesstaat Florida, nur wenige Kilometer von Donald Trumps Anwesen Mar-a-Lago entfernt. Im März 2026 machte seine Freundin nach sechs Monaten Beziehung mit ihm Schluss. Per Telefon – weil sie seine Reaktion fürchtete, wie die 21-Jährige später den Ermittlern sagte. Sein Verhalten nannte sie «unberechenbar, eifersüchtig und kontrollierend».
Hobbys, Orte, Eifersucht
In ChatGPT fand Z. einen Zuhörer. Der Analyst erzählte dem Chatbot von ihren Hobbys, von den Orten, an denen sie regelmässig auftauchte, von seiner Eifersucht auf andere Männer. Innerhalb von Wochen kippten die Nachrichten. Aus Liebeskummer wurden Drohungen zu Vergewaltigung, Mord, danach Suizid. Laut der «Palm Beach Post» beschrieb Z. einen genauen Ablauf der geplanten Tat. Mit Blumen auf dem Parkplatz ihres Fitnessstudios warten. Um eine zweite Chance bitten. Bei einer Absage die Waffe ziehen, sie erschiessen, dann sich selbst.
Chatverlauf ans FBI
OpenAI schlug Alarm und meldete den Fall dem FBI. Im Mai übergaben Bundesagenten dem Sheriff's Office von Palm Beach County zwei Monate Gesprächsprotokoll. Darin standen nur die Sätze von Z., nicht die Antworten von ChatGPT. Inzwischen zielten seine Pläne auch auf die Familie der Frau. Das seien keine «vagen Gefühlsausbrüche» gewesen, hielt ein Beamter fest. Die Frau war da längst selbst betroffen. Über wechselnde App-Nummern erhielt sie beleidigende, sexualisierte und drohende Nachrichten von Z. Diese übergab sie ebenfalls der Polizei.
Am 29. Mai klickten schliesslich die Handschellen. Z. sass zwei Tage im Gefängnis, dann kam er gegen die Kaution von 100'000 Dollar frei. Goldman Sachs entliess ihn. Die Staatsanwaltschaft klagte ihn im Juni an unter anderem wegen Stalking und Todesdrohungen. Ihm drohen bis 25 Jahre Haft. Im August bekannte sich Z. in allen Punkten schuldig, nachdem er einen Deal abgeschlossen hatte, der ihm Gefängnis und Vorstrafe ersparte. Der Richter akzeptierte den Deal nach eigenen Worten nur, weil die Frau zustimmte.
Das Gericht verhängte acht Jahre Bewährung, zwei davon unter verschärften Auflagen mit Fussfessel, so «The Palm Beach Post». Dazu: Anti-Gewalt-Programm, Therapie, Kontaktverbot, Waffenverbot. Getötet hat Z. niemanden. Eine Waffe besass er laut seinem Anwalt nicht. Dem Chatbot hatte er etwas anderes erzählt: von einem AR-15-ähnlichen Gewehr, einer Glock und einer Schrotflinte. Seiner Ex schickte er Fotos von Waffen, Kabelbindern und Latexhandschuhen. «Er ist kein gewalttätiger Mensch, kein schlechter Mensch», sagt der Anwalt gegenüber der Zeitung. «Er hat eine sehr schwierige psychische Krise durchgemacht.»
Schweizer Ermittler lesen Prompts
Ob OpenAI auch verdächtige Chats von Schweizer Nutzerinnen und Nutzern meldet, liess die Firma auf Anfrage von Blick offen. Bei den Behörden hier ist das Thema trotzdem angekommen. Nach Angaben des Bundesamts für Polizei greifen die Polizeibehörden «immer mehr» auf KI-Plattformen zurück, etwa bei Cybercrime, wie Blick diesen Frühling berichtete. Die Kantonspolizei Aargau bestätigt erste Fälle bei Vermögens- und Gewaltdelikten, teils nach Meldung von Anbietern. St. Gallen wertet beschlagnahmte Geräte aus, erhielt bisher aber keine Hinweise von KI-Firmen. Bern und Luzern haben noch keine Erfahrung. Neue Gesetze braucht es laut einer Analyse für den Bundesrat nicht: KI-Chats werden rechtlich gleich wie E-Mails oder Sprachnotizen behandelt.
* Name bekannt