Darum gehts
- KI-Modell Apertus 1.5 kommt im Frühling – mit Bild- und Tonverarbeitung
- Schweizer Supercomputer am Limit, internationale Zusammenarbeit gefordert
- Europa nutzt ChatGPT massenhaft, vertraut Sam Altman aber nicht mit Daten
Die Schweiz rüstet ihre KI auf. ETH Zürich, EPFL und das Supercomputingzentrum CSCS kündigten an der KI-Konferenz Applied Machine Learning Days (AMLD) in Lausanne an: Im Frühling kommt Apertus 1.5. Die neue Version der Schweizer KI soll dann nicht nur Text verarbeiten, sondern auch Bilder und Ton verstehen. Zudem erhält sie erweiterte Denkfähigkeiten – sie arbeitet Probleme Schritt für Schritt ab, statt sofort zu antworten.
Apertus wurde vor fünf Monaten als erstes grosses, offenes KI-Modell der Schweiz lanciert. Anders als bei ChatGPT oder Gemini ist das Grundgerüst transparent, die KI folgt europäischen Datenschutzgesetzen und ist kostenlos nutzbar. Mit den US-Giganten konkurrieren wolle man aber nicht, betonen die Macher.
Alps stösst an Grenzen
Doch die Ankündigung kommt nicht ohne Warnung. «Wir sehen bereits, dass der Schweizer Supercomputer Alps an seine Grenzen stösst», sagt Thomas Schulthess, Direktor des CSCS. Das gelte auch für Jupiter, Europas neuen Supercomputer in Jülich. Sein Vorschlag: Die Schweiz solle nicht allein weitermachen, sondern mit anderen Ländern zusammenarbeiten. Die Trainingsdaten sollten zu einem globalen öffentlichen Gut werden – ähnlich wie Klimadaten. «Wir sind derzeit global sehr gut positioniert. Aber das kann sich ändern, wenn wir einschlafen.»
Kontinent des Vertrauens
An der Konferenz zeigt sich auch: Europa hat ein Vertrauensproblem mit amerikanischer KI. Proton-CEO Andy Yen macht es deutlich: Hunderte Hände schnellen hoch, als er fragt, wer KI nutzt. Fast alle gehen schlagartig runter, als er fragt, wer OpenAI-Chef Sam Altman tatsächlich bei seinen persönlichen Daten vertraut.
Genau hier sieht Yen Europas Chance: «Wir sind der Kontinent von Vertrauen, Sicherheit und Datenschutz.» Doch er warnt: Die geplante Schweizer Überwachungsgesetzgebung mache eigene Unternehmen weniger wettbewerbsfähig. Das sei «schlimmer als NSA-Massenüberwachung». Man müsse aufpassen, den Vorteil nicht selbst zu verspielen.