Leser zu Gastfreundschaft
«Beliebte Schweizer Natur sagt nichts über die Bevölkerung aus»

Die Schweiz geniesst bei Deutschen ein gutes Image. Doch bei der Gastfreundschaft hapert es. Die Blick-Community diskutiert: Liegt es an uns – oder an den Gästen?
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Guter Gesamteindruck: Deutschland setzt die Schweiz im Nation Brands Index auf Rang zwei von 50 Ländern.
Foto: Gaetan Bally
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Deutschland hat ein ausgesprochen positives Bild von der Schweiz. Im «Anholt Nation Brands Index» landet die Schweiz bei den Deutschen auf Rang zwei von 50 Ländern. Besonders gut schneiden Lebensqualität, Sicherheit, Politik sowie Exportprodukte und Innovation ab.

Daneben ist auch die persönliche Sympathie gross: Bei der Frage, ob man gerne eine Person aus der Schweiz als engen Freund hätte, landet die Schweiz auf Rang zwei. Bei der Bereitschaft, eine qualifizierte Person aus einem Land einzustellen, auf Rang drei.

Knackpunkt Gastfreundschaft

Auch weltweit steht die Schweiz gut da. In der Gesamtwertung erreicht sie Rang fünf. In der Türkei, in Russland und in Polen kommt sie jeweils auf Rang drei. Weniger gut fällt das Ergebnis in Südafrika und den USA aus. Dort landet die Schweiz auf Rang 11.

Weniger gut fällt das Urteil hingegen bei der Gastfreundschaft aus. Beim Kriterium «Welcoming» landet die Schweiz nur auf Rang 16. Das EDA hält fest, die Schweizer Bevölkerung werde «deutlich seltener als gastfreundlich und einladend wahrgenommen» als im internationalen Durchschnitt. In der Blick-Community sorgt genau dieser Punkt für Diskussionen.

«Verschiedene Mentalitäten»

Für einige Leser ist das Ergebnis wenig überraschend. Christoph Jost erklärt die zurückhaltende Art der Schweizer mit unterschiedlichen Verhaltensweisen: «Es gibt nun mal verschiedene Mentalitäten.» Auch Horst Frank trennt zwischen dem Land und seinen Bewohnern. Die Schweizer Natur sei zwar schön und beliebt, «das sagt aber nichts über die Bevölkerung aus.»

Andere sehen bei der Gastfreundschaft klar Luft nach oben. Ernst Uebersax findet: «Was die Gastfreundschaft betrifft, können wir in Österreich lernen.» Bernd Hehner sieht es ebenso: «Das können die Österreicher besser.» Die Willkommenskultur sei nicht gerade eine Schweizer Stärke.

Norwegen als Vorbild

Ein Leser zieht den Vergleich noch weiter. Curdin Pünchera berichtet von Reisen durch Asien, Afrika, Lateinamerika und Europa. Besonders die Norweger seien ihm wegen ihrer Freundlichkeit aufgefallen. In kleinen Läden, Hotels, Tourismusbüros, auf dem Land oder auf Fähren sei die Gastfreundschaft sofort spürbar. Daraus folgert er: «Da können sich sehr viele Feriendestinationen im ganzen Alpenraum ein ganz grosses Stück davon abschneiden.»

«Könnte auch eventuell am Gast liegen»

Nicht alle Leser sehen die Ursache allein bei den Schweizern. Für Maximilian Rütsche gilt: «Bei der Gastfreundschaft braucht es immer mindestens zwei.» Toni Walser stellt ebenfalls die Perspektive der Besucher infrage: «Könnte auch eventuell am Gast liegen.» Manfred Ackermann formuliert es ähnlich: «Vielleicht müssen die Nachbarn selbst fragen, warum sie nicht immer so herzlich empfangen werden.»

Einzelne Leser stellen schliesslich nicht nur das Ergebnis zur Gastfreundschaft infrage, sondern die Aussagekraft der gesamten Erhebung. Beat Schmid schreibt: «Einmal mehr ein fragwürdiges Ranking.»

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