Darum gehts
- Deutschland nimmt die Schweiz besonders positiv wahr: Sie landet dort auf Rang zwei
- Bestnoten gibt es für Lebensqualität, Politik, Sicherheit und Innovation
- Einziger Schwachpunkt ist die Gastfreundschaft, bei der die Schweiz nur Rang 16 erreicht
Die Schweiz und Deutschland: Mit dem grossen Nachbarn scheint es manchmal etwas kompliziert. Man ist sich nah und vertraut, aber beäugt sich doch häufig mit Skepsis. Schweizerinnen und Schweizer grenzen sich gerne ab, die Deutschen gelten hierzulande bisweilen als zu forsch.
Von Norden fällt der Blick über die Grenze tendenziell wohlwollender aus. Als Auswanderungsziel ist die Schweiz beliebt, und an Lobliedern mangelt es nicht. «Was die Schweiz besser macht als Deutschland», lautete kürzlich etwa eine Schlagzeile in der «Frankfurter Allgemeinen». Gleichzeitig haftet uns der Ruf an, eher distanziert zu sein. Und dazu diese hohen Preise! So weit die gängigen Klischees.
«Schweiz am positivsten wahrgenommen»
Wie gross die Zuneigung zur Schweiz tatsächlich ist, belegen Zahlen aus dem «Anholt Nation Brands Index» eindrücklich: In den Deutschen haben wir ziemlich beste Freunde.
Der Index misst, wie Länder anderswo wahrgenommen werden. Das eidgenössische Aussendepartement (EDA) nutzt die Ergebnisse zur «Bestimmung des Landesimages». Man gewinne so «wichtige Anhaltspunkte über die Wahrnehmung der Schweiz bei der breiten Bevölkerung». Bereits im Frühjahr liess man in Bern allgemein verlauten: Die Schweiz geniesse international eine «sehr gute Reputation».
Inzwischen hat das EDA eine vertiefte Auswertung vorgelegt, in der die Ergebnisse aufgeschlüsselt werden. Und die zeigt: Unter den 50 bewerteten Ländern landet die Schweiz bei den Deutschen auf Platz zwei – mit zahlreichen hervorragenden Bewertungen in den einzelnen Kategorien. Nur Deutschland selbst steht bei den Deutschen im jüngsten Länderindex noch besser da.
Nachdem die Schweiz bei ihnen zwischenzeitlich ein wenig abgerutscht war, scheint ihr Image nun nahe am Zenit. Von einem «hervorragenden Ruf» spricht das EDA selbst. Deutschland sei das Land, «in dem die Schweiz am positivsten wahrgenommen wird». In keinem anderen der 20 befragten Länder erreicht das Land eine derart gute Platzierung.
Besonders gut kommt die Schweiz in Deutschland bei klassischen Stärken weg. Bei «Standort- und Lebensqualität» landet sie auf Rang zwei, bei «Politik und Sicherheit» sowie «Exportprodukte und Innovation» jeweils auf Rang drei.
Makel bei der Gastfreundschaft
Doch einen Makel hat das glänzende Zeugnis. Bei der Gastfreundschaft hapert es. Beim Kriterium «Welcoming» – also wie freundlich die Bevölkerung wahrgenommen wird und wie willkommen sich Besucher fühlen dürften – schafft es die Schweiz bei den Deutschen nur auf Rang 16. Zuletzt war sie hier besser platziert.
Das EDA bilanziert in seinem Bericht nüchtern: Die Schweizer Bevölkerung werde in Deutschland «deutlich seltener als gastfreundlich und einladend wahrgenommen» als im internationalen Durchschnitt.
Für besonders herzliche Gastgeber halten uns die Deutschen zwar nicht. Persönlich mögen sie uns aber trotzdem. Denn bei der Frage, ob man gerne eine Person von hier als engen Freund hätte, landet die Schweiz wieder auf Rang zwei. Und auf Rang drei steht sie bei der «Bereitschaft, eine qualifizierte Person aus diesem Land einzustellen».
So steht die Schweiz insgesamt da
Weltweit betrachtet steht die Schweiz auf Rang fünf. Auch anderswo kann sich unser Image sehen lassen: In der Türkei, Russland und Polen erreicht die Schweiz jeweils Rang drei.
Noch ein Blick ans andere Ende: In Südafrika fällt die Schweiz um vier Plätze auf Rang 11 zurück. Und auch in den USA schafft sie es nicht mehr in die Top Ten. Es sind die schlechtesten Platzierungen der Schweiz unter den 20 Befragungsländern.
Und umgekehrt? Das lässt sich mit dieser Erhebung nicht beantworten. Die Schweiz gehört zwar zu den 50 Ländern, deren Image untersucht wird – aber nicht zu den 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländern, in denen die Bevölkerung befragt wurde.
Der «Anholt Nation Brands Index» misst die Reputation von 50 Staaten. Für die Ausgabe 2025 wurden im Sommer des vergangenen Jahres in 20 Ländern jeweils rund 2000 repräsentativ ausgewählte Personen befragt; die Detailergebnisse werden jeweils im Folgejahr publiziert. Die Schweiz gehört zu den 50 bewerteten Staaten, nicht aber zu den 20 Ländern, in denen die Befragung durchgeführt wurde.