Leser zum Schweizer Dorfleben
«Unsere Vereine sterben sicher nicht wegen den Deutschen»

Zürcher SVP-Präsident Domenik Ledergerber wirft deutschen Zuwanderern in einem Fernsehbeitrag vor, sie würden sich nicht genug am Schweizer Dorfleben und in Vereinen beteiligen. Seine Aussage spaltet unsere Community.
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Seine Aussagen werden in Deutschland beäugt: Domenik Ledergerber, Präsident der SVP Kanton Zürich.
Foto: Alexandra Wey
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Alessandro KälinRedaktor Community

Sind deutsche Zuwanderer für das schwindende Vereinsleben in der Schweiz verantwortlich? Zürcher SVP-Kantonalpräsident und Kantonsrat Domenik Ledergerber (39) macht sie in der deutschen Sendung «Jenke Report» zumindest mitverantwortlich und sorgt damit für Aufsehen in unserem Nachbarland.

Für Ledergerber wächst die Schweiz zu schnell. Ausserdem ist er überzeugt, zugewanderte Deutsche seien eine Gefahr für die Schweizer Identität und unser Dorfleben. Vor allem, weil sie sich nicht so stark in Vereinen engagieren würden. Moderator Jenke von Wilmsdorff (61) hält dagegen: Das abnehmende Vereinsleben sei eine grundsätzliche Entwicklung. Auch unsere Leserschaft ist zur Schweizer Vereinstradition geteilter Meinung.

«Wir erwarten hier, dass man sich der Kultur anpasst»

Viele Leserinnen und Leser teilen Ledergerbers Frustration. Frank Brauner beanstandet: «In meinem Wohnort ist kein einziger Deutscher in einem Verein. Auf dem Kinderspielplatz dann nur Kritik über die Schweiz zu hören.» Franz Schubat stimmt zu: «War auch immer mein Eindruck, dass sich Deutsche in den Schweizer Gemeinden nicht genug integrieren.» Florian Meier kommentiert: «Die Schweizer Dorfmentalität ist wohl leider nicht jedem gegeben.»

Christoph Gass berichtet von sich selbst: «Ich kenne viele Expats. Etliche haben noch ein Haus in der Heimat, um das sie sich kümmern.» Es fehle ihnen die Zeit, sich zu integrieren. Er fügt an: «Nach ein paar Jahren beklagen sie sich dann, dass sie keinen Anschluss gefunden haben.»

Peter Franz schreibt ebenso: «Seine Kritik ist gerechtfertigt. In einem kleineren Dorf spielt die Dorfgemeinschaft eine tragende Rolle und Zuwanderer machen da oft nicht mit. Mich stört das auch ganz gewaltig!» Für Peter Spring ist klar: «Alles gut und recht, wenn man in die Schweiz einwandert. Aber dafür erwarten wir hier, dass man sich einigermassen der Kultur anpasst.»

«Immer weniger Schweizer sind bereit, sich zu engagieren»

Für andere ist klar, dass das Vereinssterben ein allgemeiner Trend ist. Laut Kurt Oberle sind Herr und Frau Schweizer genauso mitverantwortlich: «Ledergerber schiebt den Deutschen in die Schuhe, dass immer weniger Schweizer bereit sind, sich in einem Verein zu engagieren.» Rolf Benedetti schliesst sich an: «Ich kenne kein Dorf, das wegen Deutschen kaputtgeht. Auch unsere Vereine sterben sicher nicht wegen der Deutschen.»

Für Kurt Eggli ist naheliegend: «Die Zeiten, in denen man sich jeden Abend zum Jodeln, Alphornblasen, Fahnenschwingen und Hornussen traf, sind schlicht vorbei.» Reto Stork ist ähnlich eingestellt: «Dann stirbt das Dorfleben in dieser Form halt aus. Man muss nicht immer alles künstlich am Leben halten. Geht mit der Zeit!»

Roland Malander rügt den SVP-Mann: «Mich würde mal interessieren, in welchen Vereinen Herr Ledergerber das Dorfleben fördert. Man sollte immer zuerst bei sich selbst anfangen.» Lukas Scherrer unterstreicht: «Auch viele Schweizer nehmen nicht an den Aktivitäten in der Gegend teil. Das steht doch jeder und jedem frei.»

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