Darum gehts
- Schulsportpflicht in der Schweiz könnte durch Projekt «Entflechtung 27» gestrichen werden
- Mehr als 20'000 Unterschriften gegen Änderung
- Schweizweit fehlen laut Sportverband 100 bis 150 Turnhallen
Das obligatorische Turnen an Schweizer Schulen steht auf der Kippe. Im Rahmen des Projekts «Entflechtung 27» wollen Bund und Kantone die Pflicht zum Schulsport aus dem Bundesgesetz streichen. Aktuell sind drei Lektionen pro Woche obligatorisch. Künftig sollen allein die Kantone entscheiden, wie viel Sport Schülerinnen und Schüler im Unterricht haben.
Der Vorschlag sorgt für Kritik. Gegner befürchten, dass einzelne Kantone Sportlektionen reduzieren oder sogar streichen könnten, um weniger in neue Turnhallen investieren zu müssen. Schon heute fehlen schweizweit laut dem Schweizerischen Verband für Sport in der Schule 100 bis 150 Turnhallen. Sportverbände und Politiker warnen zudem vor negativen Folgen für die Gesundheit, die Integration und die Chancengleichheit von Kindern und Jugendlichen. Eine Petition gegen die geplante Änderung hat bereits mehr als 20'000 Unterschriften gesammelt.
Community hält am Turnunterricht fest
Unsere Leserinnen und Leser sprechen sich deutlich für den Erhalt des Schulsport-Obligatoriums aus. In einer Leserumfrage sind 87 Prozent der Meinung, dass die drei obligatorischen Sportlektionen pro Woche auf jeden Fall beibehalten werden sollen. Nur acht Prozent sind der Ansicht, Schulsport müsse nicht sein. Fünf Prozent überlassen die Entscheidung den Kantonen und möchten, dass diese selbst über Anzahl und Umfang der Sportlektionen bestimmen können.
Dieses Meinungsbild spiegelt sich auch in der Kommentarspalte wider. So schreibt Leser Martin Eggel: «Sport ist mehr als nur Bewegung. Ein Bereich, wo Schüler ganzheitlich gesehen werden und zusammen interagieren. In Zeiten von KI und Social Media sollte klar werden, dass solche Gefässe umso wichtiger sind. Darum verstehe ich die Grundlage der Diskussion für Gesundheitsabstriche schon erst gar nicht!»
Leserin Jennifer Baldin hält den Schulsport ebenfalls für unverzichtbar: «Schulsport ist wichtig, weil er die Gesundheit fördert, fit hält und die Konzentration verbessert. Ausserdem lernen Schülerinnen und Schüler Teamarbeit, Fairness und Disziplin.» Sport mache zudem Spass, baue Stress ab und stärke das Selbstvertrauen.
Mehr Bewegung statt weniger Sportstunden
Viele Leserinnen und Leser wünschen sich nicht weniger, sondern mehr Bewegung im Schulalltag. Thomas Ulrichsson fordert: «Bewegung und Turnunterricht müssten intensiviert werden, und nicht reduziert. Das ist etwas vom Besten, was jungen Menschen passieren kann: ein gesunder Geist in einem gesunden Körper!»
Ähnlich sieht es Leser Max Canta. Für ihn ist der Turnunterricht «der Türöffner zu den unterschiedlichsten Hobbys». Bewegung, neue Freundschaften und eine bessere Konzentration im Unterricht seien nur einige der Vorteile. «Die Kinder, die den ganzen Tag nur herumsitzen müssen und viel zu viel Energie haben, tun mir jetzt schon leid. Ich würde es eher begrüssen, wenn die Kinder täglich eine Sportstunde hätten!»
Kritik am Sportunterricht in Berufsschulen
Doch nicht alle Leser beurteilen den Schulsport über alle Stufen hinweg gleich. Lars Künzler unterscheidet zwischen Primar- und Oberstufe sowie Berufsschule. Während er den Sport in den ersten beiden Schulstufen beibehalten würde, sieht er ihn in der Ausbildung kritisch: «In der Berufsschule ist er meiner Meinung nach unnötig. Ich hätte viel lieber eine Stunde mehr Fachkunde gehabt, die auch für die Abschlussprüfung gezählt hätte, als den Sport, der mir für den Beruf absolut nichts gebracht hat.»
Auch Hans Jakob Bohnenbluest vertritt diese Ansicht: «Turnen in der Berufsschule ist völlig überflüssig. Besser diese Zeit in den Fachunterricht investieren.»