Darum gehts
- Die Migros hat ihr Restaurant-Personal nachgeschult, um fixe Portionsgrössen konsequent einzuhalten
- In der Community sorgt die neue Portionsregel für Unmut
- Gegenstimmen loben Migros für ihren Einsatz gegen Foodwaste
Wer in einem Migros-Restaurant sein Mittagessen holt, könnte derzeit eine Überraschung erleben: Auf dem Teller landet teilweise weniger als bisher. Die Migros hat ihre Mitarbeitenden angewiesen, die vorgesehenen Portionsgrössen konsequenter einzuhalten. Grund dafür ist eine Foodwaste-Analyse, die gezeigt hat, dass teilweise grosszügiger geschöpft wurde als eigentlich vorgesehen.
Laut Migros entsteht rund ein Fünftel der Lebensmittelabfälle auf den Tellern der Gäste. Deshalb soll künftig genauer portioniert werden. Auch an den Buffets will der Detailhändler weniger wegwerfen und passt dafür unter anderem die Produktionsmengen an. Dass die Massnahmen gleichzeitig Kosten sparen könnten, bezeichnet die Migros als positiven Nebeneffekt.
Portionen sorgen für Ärger
Wie angemessen die Portionen in den Migros-Restaurants sind, darüber gehen die Meinungen auseinander. In einer Blick-Umfrage mit knapp 2800 Teilnehmenden finden 27 Prozent, dass sie für den Preis mehr als genug auf den Teller bekommen. Die grösste Gruppe mit 37 Prozent hält die Portionen zwar für angemessen, will aber nicht, dass künftig weniger geschöpft wird. Für 30 Prozent sind die Portionen bereits heute zu klein. Lediglich 6 Prozent geben an, regelmässig zu viel auf dem Teller zu haben.
Auch in der Kommentarspalte wird eine hitzige Debatte über die Portionierung geführt. «Natürlich soll Verschwendung vermieden werden. Doch weniger auf dem Teller bedeutet auch geringere Kosten», schreibt etwa Peter Reuber. Er bezweifelt, dass die wirtschaftlichen Interessen der Migros dabei nur eine Nebenrolle spielen. «Für Büezer, die ordentlich essen und satt werden möchten, dürfte die Migros damit kaum mehr die erste Wahl sein. Nahezu jede betriebswirtschaftliche Optimierung ist ein Verlust für die Kundschaft.» Sein Fazit: «Wer jeden Löffel kalkuliert, verliert womöglich mehr als nur Sympathie!»
Jens Weber sieht eine andere Möglichkeit, um unterschiedliche Bedürfnisse abzudecken: «Man könnte, wenn man wollte, auch unterschiedliche Mengen einführen – kleine Portion, normale Portion zu unterschiedlichen Preisen.» Dass die Migros ihre Massnahme mit Foodwaste begründet, hält er für vorgeschoben: «Nett, zwecks Gewinnmaximierung auf Foodwaste zu schieben.»
Auch Kenan Yildirimlar findet die Portionen in den Migros-Restaurants inzwischen zu klein. «Ich musste bei den Migros-Restaurants um mehr auf dem Teller kämpfen. Darum gehe ich nicht mehr dorthin», schreibt er. Gleichzeitig erinnert er sich an die Zeiten von früher: «Ich vermisse die Migros von den 80er- bis 2010er-Jahren. Da gab es noch richtige Arbeitermenüs.»
Nicht alle können Migros-Kritik nachvollziehen
Doch nicht alle teilen die Skepsis. In der Community gibt es auch Stimmen, die den Schritt der Migros unterstützen. «Da oft bei den Kunden geniessbare Essensreste auf dem Teller übrig bleiben und entsorgt werden, ist die Massnahme richtig, sofern man ja gemäss Migros auch für eine grössere Portion fragen kann», schreibt etwa Heiri Meier.
Auch Eva Betschart sieht die Anpassung im Zusammenhang mit einem grundsätzlichen Problem: «Wir sind eine Wegwerfgesellschaft geworden, nicht nur im Bereich Lebensmittel!» Angesichts der grossen Mengen an weggeworfenem Essen sei es richtig, beim eigenen Konsum anzusetzen.
Filippo Zanchi kann die Kritik an den genauer bemessenen Portionen ebenfalls nicht nachvollziehen. Er findet, dass es konsequent sei, wenn die Forderung nach weniger Verschwendung auch im Alltag umgesetzt werde. «Richtig so. Man kann nicht dauernd alle Vorgaben zur Reduktion von Food Waste machen und dann die Konsequenzen nicht tragen wollen!», schreibt er.