Debatte um Präsenzpflicht
«Wer noch drei Tage im Office verlangt, hat ein Führungsproblem!»

Homeoffice oder Büro? Unternehmer Carsten Maschmeyer hält Präsenz für überflüssig, wenn Mitarbeitende zu Hause genauso gut arbeiten können. In der Blick-Community sorgt seine Haltung für eine kontroverse Debatte.
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Carsten Maschmeyer ist kein Fan der Büropflicht.
Foto: IMAGO/Manfred Behrens
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Sarah RiberzaniRedaktorin Community

Jeden Tag ins Büro pendeln, nur um dort am selben Laptop zu sitzen wie zu Hause, dieselben Mails zu schreiben und in denselben Videocalls zu hängen? Für den deutschen Unternehmer Carsten Maschmeyer ist das schwer nachvollziehbar. Wer seine Mitarbeitenden zur Präsenz zwinge, obwohl sich an ihrer Arbeit nichts ändere, müsse erklären können, «was genau dadurch besser werden» soll. Erwachsene Menschen könnten selbst am besten entscheiden, wo sie produktiver arbeiten, findet der Investor.

Für Maschmeyer ist Büropräsenz deshalb kein Selbstzweck. Zwar könne das gemeinsame Arbeiten vor Ort sinnvoll sein, etwa wenn Ideen entwickelt oder schwierige Themen besprochen werden. Doch nur damit ein Schreibtisch besetzt sei, Mitarbeitende pendeln zu lassen, hält er für nicht gerechtfertigt. Seine Aussagen werfen damit eine grundsätzliche Frage auf: Wie viel Büropräsenz braucht es heute tatsächlich?

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Wer Leistung bringt, soll frei entscheiden

Maschmeyers Post löst in der Blick-Community eine Debatte aus. Bei den Leserinnen und Lesern stösst seine Haltung auf Zustimmung. Pius Kraft etwa findet: «Einmal pro Woche Pflicht, sonst soll jeder so arbeiten, wie es am besten passt. Wer als Firma oder Chef heute noch drei, vier oder fünf Tage im Office verlangt, hat ein Führungsproblem.»

Patrick Zola sieht im Homeoffice gleich mehrere Vorteile: «Das spart nicht nur Zeit, Stress und Kosten, sondern entschärft auch viele andere Probleme.» Weniger Pendelverkehr, weniger Betreuungsengpässe und vor allem mehr Zeit für die Familie seien weitere Pluspunkte. Natürlich sei Homeoffice nicht für jede Tätigkeit und jeden Tag sinnvoll. «Aber wenn die Arbeit genauso gut von zu Hause erledigt werden kann, sollte man erwachsenen Menschen zutrauen, selbst zu entscheiden, wo sie am produktivsten arbeiten. Am Ende sollte es um Leistung und Ergebnisse gehen und nicht darum, ob jemand an einem bestimmten Schreibtisch sitzt», schreibt Zola.

Auch Lukas Scherrer unterstützt Maschmeyers Haltung deutlich: «Endlich mal einer aus der Wirtschaft, der es klar sagt. Dem Homeoffice mit möglichst wenig Büropräsenz gehört die Zukunft.» Weniger Pendeln, weniger Stress – davon profitierten laut Scherrer nicht nur die Arbeitnehmer, sondern auch Staat und Bevölkerung. Denn dadurch müsse etwa der öffentliche Verkehr nicht ständig weiter verdichtet und finanziert werden.

Isolation statt Teamgefühl?

Doch es gibt auch deutliche Gegenstimmen. Stefan Meier warnt davor, dass zu viel Homeoffice nicht nur den Arbeitsalltag, sondern auch das gesellschaftliche Miteinander verändern könnte. «Alle sitzen isoliert zu Hause, kein gemeinsames Kantinenessen, die Städte sterben aus, Essen kommt nur nach Haus», schreibt er. Auch gemeinsame Erlebnisse mit Kollegen, der spontane Kaffee zwischendurch, der Austausch über Projekte oder ein Feierabendbier würden wegfallen. Für Meier geht es dabei um mehr als Produktivität: «Eine Gesellschaft, die nur zu Hause ist und online alleine ‹arbeitet›?» Genau das dürfe nicht das Ziel sein.

Auch Roger Planzer sieht das Homeoffice kritisch. Viele Angestellte könnten mit der neu gewonnenen Freiheit nicht umgehen, schreibt er. «Die Effizienz und die Arbeitsqualität des Arbeitnehmers sinkt oftmals im Homeoffice.» Arbeit und Freizeit würden zu Hause nicht immer seriös getrennt. Als Grund sieht er eine menschliche Neigung: «Der Mensch tendiert ‹ins Gemütliche›, wenn die Aufsicht und Kontrolle fehlt.» Dass grosse Weltkonzerne ihre Mitarbeitenden zuletzt ganz oder teilweise zurück ins Büro geholt hätten, wertet Planzer als nachvollziehbaren Schritt.

Leser Peter Wicki sieht in der Büropflicht vor allem einen Vorteil beim Wissenstransfer. «Wissen und wertvolles Know-how bleiben im Unternehmen und werden stärker geteilt, anstatt verloren zu gehen», schreibt er. Der persönliche Austausch ermögliche es zudem, von den Erfahrungen der Kolleginnen und Kollegen zu profitieren und Fehler frühzeitig zu erkennen. Gemeinsames Lernen und der direkte Austausch würden zusätzlich auch «nachhaltig zur Qualität und Effizienz unserer Arbeit» beitragen.

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