Leser zur 175-Euro-Bagatellgrenze
«Ich bin auf das Einkaufen in Deutschland angewiesen»

Die deutsche Regierung dürfte auf eine Erhöhung der Bagatellgrenze bei der Mehrwertsteuer-Rückerstattung verzichten. Vorerst soll es bei 50 Euro bleiben. Für viele Leserinnnen und Leser ein weiterer Anreiz, jenseits der Grenze einzukaufen.
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Seit 2020 gilt für Einkaufstouristen in Deutschland: Wer für weniger als 50 Euro einkauft, erhält die Mehrwertsteuer nicht zurück.
Foto: Keystone

Darum gehts

  • Deutschland behält 50-Euro-Grenze für Mehrwertsteuer-Rückerstattung, digitale Abwicklung geplant
  • Schweizer kritisieren hohe Preise, loben Sparmöglichkeiten durch Einkaufen in Deutschland
  • Bagatellgrenze bleibt, mögliche Abschaffung langfristig diskutiert, betrifft Einkaufstourismus
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Sarah RiberzaniRedaktorin Community

Die «Horror-Bagatellgrenze» scheint vom Tisch zu sein: Deutschland verzichtet wohl auf die Erhöhung der Mehrwertsteuer-Rückerstattung auf 175 Euro. Stattdessen setzt das Bundesfinanzministerium auf eine digitale Abwicklung und behält die bisherige 50-Euro-Grenze bei. Sogar eine komplette Abschaffung könnte langfristig in Erwägung gezogen werden.

«Sparen ist kein Verbrechen!»

Viele Leser, die selbst regelmässig in Deutschland einkaufen, begrüssen diese Entscheidung. Für sie ist das Einkaufen jenseits der Grenze längst alltäglich geworden – und oft eine Notwendigkeit. 

Markus Fuchs meint: «Dass die Bagatellgrenze nicht erhöht wird, ist vernünftig. Ich bin auf das Einkaufen in Deutschland angewiesen, weil die Schweizer Preise überzogen sind.» Er bezeichnet es als pure Verschwendung, mehr zu bezahlen. «Warum sollte ich mein hart verdientes Geld in der Heimat lassen, wenn ich woanders dieselbe Qualität für deutlich weniger bekomme? Sparen ist kein Verbrechen, sondern kluges Wirtschaften.» 

Erich Wirz teilt diese Sicht: «Viele der Produkte sind genau gleich wie hier, insbesondere die völlig überteuerten Kosmetika. Markenpasta ist das Gleiche hier wie drüben. Gemüse hat die gleiche Qualität, qualitativ gutes Fleisch ist etwas teurer, aber immer noch günstiger als hier. Solange die Schweiz unsere AHV deckelt und bei den Steuern die Heiratsstrafe anwendet, muss man sehen, wo man sparen kann.» 

Verliert Bagatellgrenze an Bedeutung?

Leser Matthias Bosshard zeigt sich von Regeln wie Bagatellgrenzen wenig beeindruckt: «Hole selten die deutsche MWST zurück, nur bei hohen Beträgen. Genauso wenig wie mich die CH-Zollfreigrenze abhält, in Deutschland zu kaufen, wenn mir danach ist. Ich lasse mir das nicht verbieten. Bei uns arbeiten auch viele Grenzgänger, die profitieren – dann darf ich das noch lange!»

Ähnlich sieht es Harald Looser, der bilanziert: «Mir sind irgendwelche Höchstbeträge und Grenzen echt egal. Ich gehe in Deutschland einkaufen, und das Anstehen wegen der Mehrwertsteuer ist mir eh zu dämlich. Ich packe voll, fahre nach Hause, habe meine Ruhe und spare trotzdem drei Viertel an Geld. Die Qualität ist eh die gleiche, wenn nicht sogar besser.»

Kritik an der Einkaufstourismus-Flut

Neben den vielen Sparfüchsen gibt es auch Gegenstimmen, die den Einkaufstourismus deutlich ablehnen. «Einkaufen im Ausland? Nein danke. Ich erhalte mein Gehalt in der Schweiz und gebe es auch in der Schweiz aus!», schreibt Beat Oberholzer. 

Lorenzo Lafessa findet ähnliche Worte: «Schweizer, die in Deutschland einkaufen, sollen dorthin ziehen. Ich nenne das Verrat. So viel spart man eh nicht und ausserdem gibt es auch in der Schweiz günstige Alternativen!» 

Auch Hans Limacher meldet sich mit einer kritischen Einschätzung zu Wort: «Es ist unglaublich, wenn man sich an einem der wenigen Grenzübergänge über den Rhein setzt, und sich an einem Samstag die Autos anschaut, die über die Grenze fahren.» In den letzten drei Jahren habe er das aktiv in Kaiserstuhl AG verfolgt. «Klar ist es in Deutschland günstiger, besonders wenn man die gefahrenen Kilometer und die Zeit nicht mit einrechnet. Wenn der Fokus auf ‹billiger Einkaufen› gerichtet wird, anstatt darauf, wie man die eigene Kaufkraft und Wirtschaftlichkeit verbessern könnte, dann muss man natürlich nach Deutschland zum Einkaufen gehen», betont er.

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