Darum gehts
- Schweizer Innenstädte verlieren klassische Läden, Gastro und Services dominieren zunehmend
- In Zürich verschwanden seit 2016 insgesamt 110 Kleidergeschäfte
- 58 Prozent der 3'000 Befragten kaufen weiterhin in Städten ein, trotz Online-Boom
Von Schuh- und Kleidergeschäften bis zu Buchläden. Allesamt leeren sie die Schaufenster. In allen Innenstädten der Schweiz müssen klassische Warengeschäfte den Gastro- und Dienstleistungsbetrieben weichen. Allein in der Zürcher Altstadt verschwanden in den letzten zehn Jahren 110 Kleiderläden. An ihre Stelle treten Nagelstudios, Barbershops und Restaurants.
Alfred Landolt (66), Präsident der City-Vereinigung Luzern, sieht dieselbe Entwicklung in der eigenen Stadt. Er macht das Ladensterben am steigenden Interesse an Begegnungsorten und dem Vormarsch des Onlinehandels fest, besonders bei jüngeren Generationen. Unsere Leserinnen und Leser teilen ihr eigenes Kaufverhalten.
Viele in der Community halten an den Einkaufspassagen fest
In einer nicht repräsentativen Blick-Umfrage mit fast 3'000 Teilnehmern gibt eine Mehrheit von 58 Prozent an, sie würden auch weiterhin Kleidung, Schuhe und Nutzwaren in den Städten einkaufen. Sie schwimmen gegen den Strom.
18 Prozent geben wiederum an, sie würden die Städte meiden und stattdessen Shoppingzentren aufsuchen. Weitere 12 Prozent setzen mittlerweile hauptsächlich auf den Onlinehandel. Die verbliebenen 12 Prozent beschaffen sich ihre Waren im Ausland. In der Kommentarspalte wird über die Gründe für die Ladentransformation diskutiert.
«Der Handel wird sich noch mehr ins Internet verschieben»
In den Kommentaren nennen Blick-User das Onlineshopping als Hauptverantwortlichen für das Verschwinden von Läden. So ist etwa Ryan Kand überzeugt: «Das Konsumverhalten hat sich geändert. Der Handel wird sich noch mehr ins Internet verschieben, besonders die Bekleidungsindustrie.» Darko Darler führt weiter aus: «Haare schneiden und Essen ist ein Alltagsbedarf. Bücher und Spielzeug für die Kinder kann man locker im Internet bestellen. Es ist Angebot und Nachfrage, was in den Städten zählt.»
Markus Tschuppert stellt die Frage: «Warum sollte ich teure Kleider in der Stadt kaufen? Eine Trainerhose ist online doch viel billiger. Auf Temu gibt's die für einen Fünfliber.» Auch Eric Lang macht die Rechnung: «Wenn mich das Parkieren mehr kostet, als online das Produkt zu bestellen, dann ist der Fall wohl klar.»
«Logisch will niemand mehr in der Innenstadt einkaufen»
Dass Städte für den Einkaufsbummel nicht mehr attraktiv seien, ist für viele ein Argument. Xaver Dreher kommentiert: «Es sind Städte, die keine Autos und Parkplätze mehr wollen. Wie sollen Kunden mit der gekauften Ware aus der Stadt kommen?» Steve Maier stimmt zu: «Es ist kontraproduktiv für die Wirtschaft, Autos aus den Innenstädten zu verbannen.» Reto Vonäsch fügt an: «Wenn ich zum Feierabend oder an einem Samstag in die Stadt möchte, stehe ich im Stau. Logisch will niemand mehr in der Innenstadt einkaufen.»
Nach Kurt Oberle sind klassische Geschäfte in der Stadt zudem nicht mehr zeitgemäss: «Kleinere Händler mit vielfältigem Angebot schaffen Einkaufserlebnisse und werten die Innenstädte auf. Einheitsbrei hat keine Chance mehr bei den Jungen.» Stefan Grau fügt an: «Der Einheitsbrei war schon lange da. Nur noch einheitliche, internationale Ladenketten, welche die horrenden Mietpreise bezahlen können.»