Darum gehts
- Der Ständerat will neue Kernkraftwerke in der Schweiz
- 68 Prozent einer Umfrage befürworten neue AKWs, Gegner warnen vor Atommüll
- 32 Prozent sind für erneuerbare Energien
Wendet sich die Schweiz wieder der Kernkraft zu – trotz des Volksentscheids für einen geordneten Ausstieg? Die «Blackout-Initiative», die den Bau neuer Atomkraftwerke (AKW) erlauben will, wurde im Ständerat zum Diskussionsthema. Der Gegenvorschlag von Energieminister Albert Rösti (58, SVP) wurde von der kleinen Kammer angenommen, daher geht es nun weiter in den Nationalrat. Am Schluss dürfte die Entscheidung beim Volk liegen.
Zu den Gegnern gehört die Mitte-Partei. Mitte-Ständerätin Brigitte Häberli-Koller (67, TG) befürchtet eine Schädigung der Energiewende und der Versorgungssicherheit.
So steht die Community zu neuen AKWs
Auch in unserer Leserschaft herrscht Uneinigkeit. Eine nicht repräsentative Blick-Umfrage mit über 700 Teilnehmern zeigt, dass 68 Prozent den Bau neuer AKWs unterstützen. Die Befürworter fürchten, dass erneuerbare Energien künftig nicht ausreichen werden
Auf der Gegenseite sind 32 Prozent der Ansicht, erneuerbare Energien sollten klare Priorität haben. Sie sind gegen den Bau neuer Kernkraftwerke. Auch in den Kommentaren geraten die beiden Seiten aneinander.
«Wir brauchen genügend bezahlbaren Strom»
Auch in den Kommentaren spricht sich die Mehrheit für die Atomkraft aus. Manfred Kurzo ist einer von ihnen: «Endlich! Wir brauchen genügend und vor allem auch bezahlbaren Strom.» Kernkraft, Wasserkraft und Gas, darauf sollte man setzen. Er fügt an: «Von mir aus kann auch jeder seine Panels aufs Dach schrauben, aber bitte ohne Geld vom Staat.» Auch Philipp Rittermann schreibt: «Gut, wir müssen dem Windrad- und Solar-Nonsense endlich eine richtige Versorgungssicherheit entgegensetzen.»
Justin Lanz befürwortet für den Schweizer Energiehaushalt eine Mischform: «Ich bin absolut für grüne Energie, das ist gut für die Umwelt. Aber Kernenergie gehört klar dazu! Wir brauchen Energie, und zwar billig.» Heinz Seiler schreibt klar: «Der komplette Ausstieg aus der Atomkraft war falsch und sollte korrigiert werden, wie es sicher auch die EU machen wird.»
«Ich bin erstaunt, wie viele ihren Keller als Endlager anbieten»
Auch die Opposition macht sich in den Kommentaren stark. Linus Sennrich kritisiert das Mehr im Ständerat: «Schon interessant, dass man den damaligen Volksentscheid auf den politischen Misthaufen wirft, ohne auch nur rot zu werden!» Auch Lukas Erb beanstandet: «Das nenne ich gelebte, direkte Demokratie. Das Volk sagt Nein und die Regierung macht, was ihnen passt.»
Für viele sind atomare Abfälle ein gewaltiger Minuspunkt. So Ueli Zweifel: «Keine neuen Kernkraftwerke! Wir wissen auch heute noch nicht, wie wir den radioaktiven Müll beseitigen sollen.» Ralph Strotkamp schliesst sich an: «Dann bitte im Berner Oberland bauen und ein Endlager gleich dazu. Oder möchte Herr Rösti das lieber fern seiner Heimat?» Er fügt scherzend an: «Ich bin sowieso erstaunt, wie viele Freiwillige sich hier melden, um ihren Keller als Endlager zur Verfügung zu stellen.»