Darum gehts
- GLP fordert höhere Steuern auf Tabak und Alkohol in der Schweiz
- 84 Prozent der Blick-Leser lehnen Preiserhöhungen laut Umfrage ab
- 2243 Personen nahmen an der Umfrage teil, nur 11 Prozent dafür
Kaum sind die Forderungen auf dem Tisch, geht die Debatte schon los: Soll die Schweiz ihre Rolle als «Raucherparadies» endlich aufgeben – oder schiesst die Politik übers Ziel hinaus?
Fest steht: In kaum einem anderen europäischen Land ist Rauchen so günstig wie hierzulande. Das zieht Raucher-Folgekosten in Milliardenhöhe nach sich, die die Allgemeinheit trägt. GLP-Nationalrätin Corina Gredig will nicht weiter untätig zusehen. Sie fordert eine steuerliche Verteuerung von Tabakprodukten wie Zigaretten und hochprozentigem Alkohol wie etwa Schnaps. Mit einer höheren Mehrwertsteuer soll gleichzeitig auch der Einkaufstourismus in die Schweiz weniger attraktiv gemacht werden.
«Warum wird man nur noch bevormundet?»
Der Blick-Community geht das zu weit. In der Kommentarspalte ist das grosse Schlagwort «Bevormundung». So gaben in unserer Blick-Umfrage 84 Prozent der Leser an, dass sie «rein gar nichts» von einer Verteuerung von Zigaretten und Alkohol halten. Von den insgesamt 2243 Teilnehmerinnen und Teilnehmern sprachen sich lediglich 11 Prozent dafür aus.
In der Kommentarspalte zeigt sich ein ähnliches Meinungsbild. Leserin Dora Häusermann glaubt nicht, dass eine Kostenerhöhung den Konsum senken würde. «Dieser Preisanstieg hindert niemanden daran, weiter zu rauchen», kommentiert sie. «Warum wird man in der Schweiz nur noch bevormundet?»
Linus Sennrich befürchtet sogar: «Hier gehts nicht um die Gesundheit, wie es von Politikern gerne behauptet wird. Es geht vor allem darum, dem Bürger mehr Geld abzuknöpfen!» Derselben Meinung ist auch Harry Ritz: «Preiserhöhung bringt nichts, nur die Staatskasse wird gefüllt.
«Hey, teacher, leave us kids alone!»
Alfred Haslingers Kommentar reiht sich ein: «Nein zu allen neuen Steuern beziehungsweise Steuererhöhungen!» Und zitiert den berühmten Song von Pink Floyd, «Another Brick in the Wall»: «Hey, teacher, leave us kids alone!»
Kurt Bortis, der sich als Ex-Raucher ausgibt, findet ebenfalls, dass die Forderung der GLP zu weit geht. Er selbst habe 1995 aufgehört, Zigaretten zu rauchen, und bereue es nicht. Aber: «Mir geht diese Verbotskultur gewisser Gruppierungen richtig auf den Sack.» Seine Haltung: «Leben und leben lassen.» Mit seinem Plädoyer für Freiheit geht er sogar so weit, dass er findet: «Jeder soll selbst entscheiden, ob er sich eine Raucherlunge holt oder die Leber ruiniert.»
«Lasst den Menschen doch ihr ‹Freudeli›»
Auch Dora Häusermann schliess sich an: «Lasst den Menschen doch ihr ‹Freudeli›.» Derweil empört sich Markus Zimmermann: «Darf man in der Schweiz eigentlich noch etwas machen, das Spass macht?»
Zahllose weitere Kommentatorinnen und Kommentatoren zielen in dieselbe Richtung. Viele vertreten zudem die Haltung: wenn schon einen weiteren Kostenzuschlag, dann auch auf andere gesundheitsschädliche Waren wie etwa Fast Food. Das wäre dann wenigstens logisch, so die Begründung.
«Die Folgen dieser ‹Hobbys› sind teure Behandlungen»
Analog zum Umfrageergebnis äussern sich deutlich weniger aus der Community positiv gegenüber künstlich verteuerten Genussmitteln mit Tabak oder Produkten mit hohem Alkoholgehalt.
Stefan Schenker macht etwa auf die Folgekosten aufmerksam: «Die Folgen dieser ‹Hobbys› sind teure Behandlungen nach 10 bis 30 Jahre.» Daraus leitet er ab: «Ja, wir als Gesellschaft müssen umdenken.» Dann kommt er auf jene zu sprechen, die für weniger Einschränkungen sind: Sobald die Menschen selbst von gesundheitlichen Folgen betroffen wären, ist sich Schenker sicher, wären sie plötzlich für strengere Restriktionen.
Solche Beispiele «kenne ich aus meiner eigenen Familie», kommentiert Theo Märki. Deshalb zählt er sich zu den Befürwortern von Gredigs Vorstoss: «Finde ich richtig, denn Rauchen hat massive gesundheitliche Spätfolgen.» Auch Martin Ueltschi spricht sich für eine politisch angeordnete Verteuerung aus. In seinem Kommentar nennt er auch direkt seine Preisvorstellung für ein Päckli Zigaretten: «Ein 20er-Paket Zigis sollte 20 Franken kosten.»