Darum gehts
- Schweizer Einkaufszentren kämpfen mit Leerstand, insbesondere das Schönbühl-Center in Luzern
- Thema beschäftigt auch Leserschaft
- Diskutierte Hauptgründe: Onlinehandel, hohe Mieten und verändertes Kaufverhalten der Kunden
Sind die goldenen Zeiten der Einkaufszentren in der Schweiz endgültig vorbei? Es scheint so. Denn die Landschaft aus kleinen und mittelgrossen Shoppingzentren ist schon seit einiger Zeit im Wandel: Langjährig ansässige Ladengeschäfte ziehen aus, keine neuen ziehen ins Center ein. Von Rapperswil-Jona über Chiasso bis Luzern dasselbe Bild.
In Luzern ist gar das älteste Einkaufszentrum der Schweiz auf dem absteigenden Ast: das Schönbühl-Center. Dort steht bald jedes vierte Ladenlokal leer. Dass man sich nicht um diesen Standort reisst, zeigt ein Inserat auf der Immo-Plattform Homegate, wo eine Nachfolgerin für die Bäckerei Moos gesucht wird, die eine Ladenfläche von 88 Quadratmetern per Ende Januar zurücklassen wird.
Dass es sich hier um mehr als Einzelfälle handelt, liegt auf der Hand. Dass das Thema bewegt, ebenfalls. So zeigt ein Blick in die Kommentarspalte, dass auch unsere Community darüber diskutiert.
«Horrende Mieten und Energiekosten»
Thierry Steiner überrascht die Entwicklung nicht: «Das Kaufverhalten hat sich verändert und ein immer grösser werdender Teil läuft übers Internet.» Das sei gut so, findet er. Als weiterer Grund, für das «Lädelisterben» in Einkaufszentren vermutet er bei den «horrenden Mieten und Energiekosten, die verhindern, dass Detailhändler ihr Geschäft noch profitabel betreiben können.»
Ähnlich sieht es auch ein jahrelanger Stammkunde des Schönbühl-Centers, Dennis Bissig: «Ich bin da aufgewachsen, und wir kaufen immer noch da ein.» Als Hauptgrund für die Krise führt auch er die «viel zu hoch angesetzten Mieten» an.
«Wenn im Schönbühl-Center Luzern bald jeder vierte Laden leer steht, wundert mich das kaum», schreibt Markus Berger. «Warum soll ich noch ins Einkaufszentrum? Stau, Parkplatzsuche, Parkgebühren, Einkauf heimschleppen, an der Kasse anstehen – und am Ende ist der gewünschte Artikel trotzdem nicht da oder muss bestellt werden.» Er kaufe deshalb immer häufiger online ein.
«Onlinehandel ist die Gegenwart und Zukunft»
«Die Zeiten ändern sich eben», schreibt dazu auch Jürgen Gerber. Giuseppe Li Pira spitzt denselben Gedankengang noch etwas mehr zu: «Mal ehrlich, wozu braucht man eigentlich noch Einkaufszentren?» Und für Max Müller ist klar: «Onlinehandel ist die Gegenwart und Zukunft.»
Eine grosse Mitverantwortung für diese Entwicklung gibt, wie bereits viele andere in den Kommentaren, auch Nicolas Hunziker ganz klar den Konsumentinnen und Konsumenten: «Einst haben diese Konsumtempel zum Niedergang der kleinen Läden beigetragen, nun werden sie selber Opfer der Verlagerung des Einkaufens. Wenn es heute strukturell weniger Läden braucht, werden halt an vielen Standorten stattdessen Wohnungen gebaut.»
Damit trifft Hunziker einen Punkt, den einige andere Leserinnen und Leser ebenfalls ansprechen und als denkbaren Lösungsansatz aufführen: die Umnutzung leerer Räumlichkeiten zu Wohnraum. Zu dieser Gruppe gehören auch Nawashi Sin und Sebastien Wolf. «Baut sie alle zu Wohnungen um, die fehlen nämlich!», schreibt Sin. Wolf kommentiert: «Die sollen bezahlbare Wohnungen oder Appartements herrichten – würde mehr Sinn machen, als alles leer zu lassen.»