Darum gehts
- Angeles City auf den Philippinen gilt als Hotspot für Sextourismus
- Schweizer Hotelbesitzer beherbergt regelmässig ältere Landsmänner, junge Gäste bleiben aus
- Debatte: Leser fordern Verbot, andere betonen wirtschaftliche Notlage der Frauen
Angeles City auf den Philippinen gilt seit Jahren als Hotspot des Sextourismus. Blick war vor Ort und hat das «Swiss Chalet» besucht, ein Hotel in der Hand von Beat List (66) aus dem Thurgau. Zu seinen Stammgästen zählen viele Schweizer. «Senioren, die jeden Winter kommen. Junge rücken kaum nach», sagte er gegenüber Blick.
In den Clubs und Bars im «Billig-Paradies für Sextouristen», wie Angeles City auch genannt wird, arbeiten Frauen aus ärmeren Verhältnissen im Sexgeschäft. Mit Tanz und sexuellen Dienstleistungen verdienen sie Geld für sich und ihre Familien. Die Branche profitiert stark vom internationalen Tourismus und ist von grossen wirtschaftlichen Ungleichheiten geprägt.
«Wir Männer sollten uns für diese Männer schämen!»
Die Reportage über Sextourismus auf den Philippinen hat in der Kommentarspalte eine lebhafte Diskussion ausgelöst, die sich mehrheitlich um die Legitimation dieses Geschäfts dreht. «Das ist ein sehr schwieriges Thema», schreibt Patrick Zola. «In Ländern wie Thailand, den Philippinen oder Kambodscha arbeiten viele Menschen in der Sexarbeit vor allem wegen Armut und fehlender Alternativen.» Für viele sei es eher wirtschaftlicher Zwang als wirkliche Wahl.
Viele Leserinnen und Leser solidarisieren sich mit den philippinischen Sexarbeiterinnen und üben gleichzeitig Kritik an Männern, die die Dienste der Frauen in Anspruch nehmen. «Vor den Frauen habe ich grossen Respekt», schreibt Susanne Schneider, «die Männer sind für mich hingegen arme Würstchen!»
Ruth Chervet zielt mit ihrem Kommentar in dieselbe Richtung: «Merkt ihr Männer nicht, dass ihr das Leben dieser Frauen damit kaputt macht? Glaubt ihr wirklich, die machen das aus Spass?» Auch Nadine Grossen kritisiert die Kunden des Sexgewerbes: «Es sind Männer, die sich nicht im Griff haben und die Not der Frauen ausnützen.»
«Sehr traurig sind in meinen Augen vor allem diejenigen, die die Unterdrückung und Ausbeutung dieser Frauen unterstützen – shame on you», empört sich Marco Brunschweiler. Christian Arnold pflichtet ihm bei: «Wir restlichen Männer sollten uns für diese Männer schämen!»
«Sextourismus gehört verboten»
Hans Ruedi Meyer kommentiert: «Es ist ein Spiegelbild für das, was schiefläuft, wenn Geld über Menschenwürde gestellt wird. Es ist schamlos, es ist menschenverachtend und es braucht einen weltweiten Aufschrei gegen diesen Sextourismus.»
Für Ruth Chervet ist deshalb klar: «Sextourismus gehört verboten.» Einige weitere Kommentatorinnen und Kommentatoren stimmen dem zu. Andere stellen diese Forderung jedoch infrage. «Hilft es den Frauen und Familien mehr, wenn man es verbietet?», fragt Ahmed El-Wahiri. Auch Bernhard Lambrigger äussert Zweifel: «Sollte der Sextourismus wirklich verboten werden, dann nehmen auch Vergewaltigungen leider sprungartig zu.»
«Moralapostel zu spielen, bringt auch nicht weiter»
Zur sorgfältigen Abwägung statt voreiliger Schlüsse mahnt auch Ernst Meyer: «Es hat alles zwei Seiten.» Immer nur den Moralapostel zu spielen, bringe die Frauen dort auch nicht weiter. Hans Morgenthaler hebt zudem hervor: «Wir haben keine Ahnung, wie das Leben dort ist und was es bedeutet, wirklich kein Geld zu haben und dem eigenen Kind unter diesen Bedingungen eine Mahlzeit auf den Teller zu bringen. Man muss es nicht unterstützen, aber verteufeln sollte man es auch nicht.»
Dieses ernüchternde Fazit teilen viele weitere Leserinnen und Leser in ähnlicher Form: Solange Armut herrscht, bleibt Sexarbeit in Ländern wie den Philippinen für Frauen wohl eine existenzielle Einnahmequelle.