Darum gehts
- Thurgauer Maserati-Fahrer (70) zahlt 60'000 CHF Strafe nach gefährlichem Fahrmanöver
- Zivile Polizei dokumentierte Vorfall; Fahrer hält Strafe für unverhältnismässig
- Community diskutiert: Einige fordern härtere Strafen, andere kritisieren auch den Seat-Fahrer
Ein Wutanfall auf der Strasse ist den 70-jährigen Thurgauer Maserati-Fahrer Peter M.* (70) teuer zu stehen gekommen. Weil er einen anderen Autofahrer bedrängte, überholte und bis zum Stillstand ausbremste, verurteilte die Staatsanwaltschaft Peter M. wegen Nötigung und grober Verkehrsregelverletzung zu einer Busse von 10'000 Franken sowie einer bedingten Geldstrafe von gut 50'000 Franken. Die hohe Strafe begründet sich auch mit seinen Vermögensverhältnissen.
Den Strafbefehl akzeptiert der 70-Jährige jedoch nicht widerspruchslos. Zwar bereut er sein Verhalten heute, die Höhe der Strafe hält er aber für unverhältnismässig und hat deshalb eine Aufsichtsbeschwerde eingereicht.
«Es soll jedem gleich ‹weh tun› im Portemonnaie»
Die Community zeigt wenig Mitleid mit dem Multimillionär Peter M. «Nicht gerade intelligent!», kommentiert Eduard Wittwer. «Hat es eilig und bremst dann einen anderen Wagen bis zum Stillstand aus.»
«Recht geschieht ihm», schreibt Stefan Kappeler, «der ‹Maserati-Opa› hatte sich einfach nicht im Griff.» Die hohe Busse sei deshalb gerechtfertigt. Da gehen viele Kommentierende mit. «Der kann froh sein, hat er seinen Ausweis noch», findet etwa Thom Walter. Bei seinem Vermögen sei auch eine Busse von 60'000 Franken verkraftbar.
«Es soll jedem gleich ‹weh tun› im Portemonnaie», so das Urteil von Roland Reinhard. Hans Scheidegger bringt zudem das Alter ins Spiel: «Ich meine, in seinem reiferen Alter sollte er doch die Erfahrung haben, es im Strassenverkehr etwas gelassener zu nehmen.»
«Hatte schon öfter mit reichen Sturköpfen zu tun»
Manche werfen den Maserati-Fahrer explizit in den Topf der arroganten Superreichen. «Ich hatte im Berufsleben schon öfter mit reichen Sturköpfen zu tun, sie meinten, sie könnten sich alles erlauben und jeden beleidigen», echauffiert sich Jan Lindner.
Doch nicht alle gehen mit M. so hart ins Gericht. Einige finden, man hätte auch den langsamen Fahrer bestrafen sollen. «Ohne Schleicher keine Drängler!», kommentiert etwa Michael Staub, «das ist ganz einfach! Und wer bei guten Verhältnissen nicht am Limit fahren kann, hat auf der Strasse nichts verloren und soll den ÖV nehmen!»
«Es ist zu hoffen, dass der Schleicher in der Seat-Schüssel auch gebüsst wurde», kommentiert Ueli Bauer. Schliesslich habe er den Maserati-Fahrer zuerst ausgebremst.
«Verkehrspsychologisches Gutachten wäre angebracht»
Einige Kommentatorinnen und Kommentatoren bleiben diplomatisch und versuchen einzuordnen. «Klar ist es äusserst mühsam, wenn jemand langsamer als die erlaubte Geschwindigkeit fährt», schreibt Urs Keller. Das Ausbremsen nach dem Überholen sei jedoch unnötig. Den Frust des Maserati-Millionärs könne er zwar nachvollziehen. «Im heutigen Strassenverkehr ist man ohne eine gewisse Frustrationstoleranz aber fehl am Platz.»
Sascha Lustenberger geht ebenfalls auf die mentale Verfassung des Luxus-Automobilisten ein: «Da wäre ein verkehrspsychologisches Gutachten angebracht. Wer sich so benimmt, ist in meinen Augen nicht fähig, ein Auto im Strassenverkehr zu lenken.»
Roland Müllers Meinungsbeitrag pendelt sich in der Mitte ein: «Zum Streiten braucht es bekanntlich ja immer zwei. Wahrscheinlich haben ja beide ihren Teil zur Eskalation beigetragen.»
* Name geändert