Darum gehts
- Action und Rossmann expandieren stark: Zehnte Filiale von Action öffnet bald
- Rossmann plant hundert Filialen bis 2031, aktuell zwölf in der Schweiz
- Umfrage: 30 Prozent kaufen regelmässig, 35 Prozent gelegentlich, 35 Prozent nie bei Discountern
Ist die Schweiz eine Nation der Schnäppchenjäger? Wer die stets wachsende Dichte an Billig-Discountern betrachtet, könnte zu diesem Schluss kommen. Viele von ihnen gehören längst zu einer festen Grösse. Etwa Denner, Otto's, Aldi, Lidl, Müller und Chicorée.
Noch relativ neu auf der Bildfläche sind der Drogeriemarkt Rossmann und die Non-Food-Discounterkette Action – beide sind derzeit besonders aktiv auf Expansionskurs in der Schweiz: Vor bald einem Jahr hat Action in Bachenbülach ihre erste Filiale eröffnet. Seither sind acht weitere hinzugekommen, verteilt in alle Sprachregionen. Die zehnte Schweizer Filiale öffnet demnächst in Kreuzlingen TG, einen Katzensprung entfernt von Konstanz also, dem Paradies für Einkaufstouristen. Und der Drogeriemarkt Rossmann, mit aktuell 12 Filialen in der Schweiz, hat gar das ambitionierte Ziel von insgesamt 100 Filialen in den nächsten fünf Jahren.
So denkt die Community über Billigläden
Die Rechnung scheint aufzugehen. Denn ohne Kundschaft, keine Rendite. Da liegt es auf der Hand, auch unsere Blick-Community nach deren Kaufverhalten zu befragen. Konkret wollten wir wissen, ob die Leserschaft bei Discountern wie Action und Co. einkaufen geht.
Es zeigt sich: Die insgesamt rund 2600 Umfrageteilnehmenden teilen sich in drei unterschiedliche Lager. Für 30 Prozent gehört der Einkauf bei einer Discountkette zum Alltag. 35 Prozent geben an, dass Billigsupermärkte zwar nicht zu ihrer Hauptadresse gehören, sie aber doch ab und zu dort shoppen gehen. Die letzte Gruppe stellt ebenfalls 35 Prozent und spricht sich klar gegen Billigläden aus.
«Schade, ich bin eigentlich ein Migros-Kind»
In der Kommentarspalte dominieren Erklärungsansätze für die stetige Ausbreitung von Discounterketten. Viele, wie etwa Leser Thomas Blaser, sehen den Hauptgrund für deren Erfolg darin, dass «wir jahrelang, ja teilweise jahrzehntelang, für Produkte in der Schweiz überrissene Preise bezahlt haben.» Das räche sich nun. Dabei stellt er klar: «Ich bin durchaus bereit, für Produkte, die in der Schweiz hergestellt werden – zum Beispiel Milch, Käse oder Butter – gleich viel, oder sogar etwas mehr, zu bezahlen.» Alle anderen Produkte kaufe er jedoch bei Lidl, Aldi, Action oder Rossmann.
«Schade, ich bin eigentlich ein Migros-Kind», schreibt Hannes Meier. Je länger je mehr gehe er aber zur Konkurrenz, auch zu Discountern wie etwa Lidl. «Bei einem Grosseinkauf spart man eine Stange Geld, ohne Abstriche zu machen.» Bei Migros hingegen seien «ständig irgendwelche Regale leer und beliebte Produkte werden aus dem Sortiment genommen.»
«Dringend nötig, dass Bewegung entsteht»
Für viele Kommentatoren, unter ihnen Ernst Schaffhauser, kommt die Entwicklung gerade recht – als Druckmittel für hiesige Anbieter mit einem teureren Preisprofil: «Es ist dringend nötig, dass in der hochpreisigen Schweiz Bewegung entsteht, dauernd wird alles teurer, ohne Rücksicht auf den Konsumenten», schreibt er.
Bruno Michel findet ebenfalls: «Gut so. Vielleicht helfen diese Neuzugänge, zusammen mit den bereits bestehenden Discountern, den Preiswahnsinn in der Schweiz weiter zu reduzieren.» Für Philipp Rittermann ist der Erfolg der Billigläden klar: «Der Mittelstand hat immer weniger Geld im Portemonnaie. Es ist daher begrüssenswert, dass ausländische Läden hier gleichwertige Produkte für weniger Geld anbieten.»
«Brauchen wir diese Discounter in der Schweiz?»
Äusserst kritisch blickt allerdings Hans Ruedi Meyer auf die Expansion billiger Detailhändler. «Ein gnadenloses Fazit», kommentiert er. «Wir verkaufen unsere Seele für ein paar Rappen Ersparnis bei der Duschgel-Flasche oder dem Plastikspielzeug.» Wer heute bei diesen Ketten jubelt, dürfe sich morgen nicht wundern, «wenn es in unseren Gemeinden keinen einzigen Laden mehr gibt, der seinen Namen verdient.» Es sei ein Angriff auf den Schweizer Mittelstand, getarnt als «super Angebot». Das sei kein Fortschritt. «Das ist die Kapitulation vor dem Billigwahn.»
Nachdenklich stimmt der Trend auch andere Leser. Thomas Zimmermann schreibt: «Brauchen wir diese Discounter in der Schweiz? Die machen den Markt und die Wirtschaft noch kränker als sie schon ist.» Billig sei und bleibe billig, was eine Wertverminderung bedeute. «Wo ist hier der Preisüberwacher? Und wo sind die Oberrechner und Politiker welche nichts dagegen unternehmen?»