Darum gehts
- Die Boowaldstrasse bleibt wegen Raser-Problemen ein Streitpunkt zwischen Gemeinden und Fahrern
- Anwohner fordern Tempo 60, doch viele bezweifeln dessen Wirksamkeit
- Die Strecke ist fünf Kilometer lang, aktuell gilt Tempo 80
Die Strasse durch den Boowald gilt seit Jahren als Raser-Hotspot. Immer wieder sorgen illegale Rennen, riskante Überholmanöver und überhöhter Lärm für Ärger bei den Anwohnerinnen und Anwohnern. Auf der rund fünf Kilometer langen, kurvigen Kantonsstrasse gilt heute Tempo 80. Für die Gemeinden Murgenthal AG, Roggwil BE und Pfaffnau LU ist klar: Es braucht Massnahmen.
Sie fordern deshalb vom Kanton Aargau Tempo 60 auf dem kritischen Abschnitt. Sie erhoffen sich davon weniger Lärm und mehr Sicherheit. Gleichzeitig könnte bei tieferem Tempo die Schwelle zum Raser-Straftatbestand schneller erreicht werden. Doch Tempo 60 allein dürfte das Problem kaum lösen. Bei einem runden Tisch wurden deshalb auch mehr Polizeipräsenz und bauliche Massnahmen diskutiert. Der Kanton sieht Tempo 60 zwar als möglichen Baustein, bezweifelt aber, dass die Strecke dadurch für Raser und Motorradfahrer automatisch unattraktiv wird.
«Bis auf die Haarnadelkurven locker mit 80 km/h»
Die Forderung nach Tempo 60 stösst in der Blick-Community allerdings auf gemischte Reaktionen. Manche Kommentierende ärgern sich regelrecht. «Wenn dort Tempo60 kommt, dann macht ihr mich stinksauer!», schreibt etwa Josua Grogg. Er befährt die Strecke nach eigenen Angaben häufig mit dem Töff und findet, bis auf die Haarnadelkurven könne man dort «locker mit 80 km/h» fahren, ohne übermässig Lärm zu machen.
Einige Leser halten die tiefere Limite wiederum für eine unnötige Einschränkung derjenigen, die sich bereits heute an die Regeln halten. Andere können sich mit Tempo 60 zumindest auf gewissen Streckenabschnitten anfreunden. Fritz Rindlisbacher schreibt etwa: «In der kurvenreichen Bergstrecke des Boowaldes können sie von mir aus gerne 60 einführen. Ich fahre mit dem Töff eh nicht schneller um die Kurven.»
Nutzen von Tempo 60 umstritten
Für viele liegt das Problem allerdings weniger bei der erlaubten Geschwindigkeit als bei jenen, die sich nicht daran halten. Sie bezweifeln deshalb, dass Tempo 60 notorische Raser überhaupt abschreckt. «Wenn jemand in einer 80er-Zone 120 km/h fährt, macht er das auch, wenn an der gleichen Stelle nur 60 km/h signalisiert sind», kommentiert etwa Daniel Kuhni. Manfred Weiss sieht es ähnlich: Die tiefere Limite treffe vor allem die normalen Fahrer, während die Raser weiterfahren würden.
Entsprechend häufig fällt in den Kommentaren das Wort «Kontrollen». Hansruedi Ilg fordert, die Polizei solle gezielt vor Ort kontrollieren: «Solange keine Kontrollen stattfinden, nützen auch reduzierte Tempos nichts.» Auch Mario Siala findet, die bestehenden Gesetze müssten einfach konsequenter durchgesetzt und Fahrer sowie Fahrzeuge regelmässig kontrolliert werden.
Andere gehen noch einen Schritt weiter und verlangen härtere Konsequenzen. «Mal mit härteren Strafen gegen Auto- und Töffraser und Lärmbelästigungen durchgreifen», fordert Toni Herger. Die Strafansätze in der Schweiz würden die Raser «nur lächeln» lassen, findet er.