Darum gehts
- Kulturinstitutionen sollen Leitungswasser statt Mineralwasser anbieten
- Kritik an Trinkwasserqualität und Umsetzbarkeit
- Befürworter loben Umweltaspekt
Fläschli raus, Hahn auf: Eine Empfehlung aus Bern bringt die Mineralwasserbranche auf die Palme. Kulturinstitutionen sollen aus Klimagründen künftig lieber Leitungswasser als Mineralwasser in Flaschen anbieten. So steht es in einem neuen Leitfaden des nationalen Kulturdialogs, einem Spitzengremium von Bund, Kantonen, Städten und Gemeinden. Hintergrund sind die CO2-Emissionen, die bei Festivals, Tourneen oder Theaterproduktionen anfallen.
Die Reaktionen lassen nicht lange auf sich warten. «Empfehlungen, Mineralwasser zu verdrängen, greifen unnötig in die Konsumentscheidung ein», sagt David Arnold vom Verband Schweizerischer Mineralquellen und Soft-Drink-Produzenten. Zudem habe die Empfehlung, den Konsum von Mineralwasser einzuschränken, «kaum messbare Umweltwirkung».
Community kritisiert Empfehlung deutlich
Auch in der Leserschaft wird die Idee überwiegend kritisch aufgenommen. Eine Blick-Umfrage mit über 6000 abgegebenen Stimmen zeigt ein klares Bild: 59 Prozent der Teilnehmenden finden ein Verbot von Mineralwasser-Fläschli in Kulturhäusern «total unnötig» – für sie gehört Mineralwasser schlicht dazu.
Etwas differenzierter fällt das Urteil bei 24 Prozent aus: Sie finden Leitungswasser zwar okay, wollen Fläschli aber nicht komplett verbannen. Nur eine Minderheit von 17 Prozent begrüsst den Vorschlag ausdrücklich und verweist auf den günstigeren Preis und die bessere Umweltbilanz von Leitungswasser.
«Grenzt schon fast an eine Frechheit»
Die Kommentarspalte spiegelt die kritische Haltung wider. Max Büsinger bringt den Unmut vieler auf den Punkt: «Es grenzt schon fast an eine Frechheit, auf welche Ideen die Regierung mit ihrem monatlichen Salär kommt. Ich entscheide selbst, welches Wasser ich trinke. Ich habe kein Interesse, unser Chlorwasser zu trinken. Aber das Parlament trinkt Mineralwasser aus der Glasflasche? Völlig daneben, diese Haltung!»
Hans Morgenthaler äussert sich ähnlich: «Wir wissen alle, dass das Leitungswasser in der Schweiz streng überwacht wird und eine hohe Qualität aufweist. Wir wissen aber auch, dass diese Messungen nicht am Ausschank stattfinden.» Genau darin liege das Problem. «Ich würde bei uns zu Hause nie Leitungswasser trinken!» Solange die Eigentümer der Wasserleitungen nicht verpflichtet seien, die Trinkwasserqualität bis zum Ende der Leitung sicherzustellen, hält er die Empfehlung des Bundesrats für wenig überzeugend.
Etwas differenzierter äussert sich Rolf Eggi. Er findet, dass die Grundidee grundsätzlich begrüssenswert ist, hält sie aber für nicht umsetzbar. «Die Qualität des Leitungswassers wird nicht überall zu 100 Prozent einwandfrei sein. Zudem wird eine gesamte Branche benachteiligt, und die Ideen-Verbreiter werden sich kaum selbst daran halten!»
Minderheit befürwortet die Empfehlung
Demgegenüber gibt es auch ein paar wenige Stimmen, die die Empfehlung unterstützen. Philipp Schreier weist darauf hin, dass es sich schliesslich nicht um ein Verbot handle: «Niemand nimmt irgendwem das Fläschliwasser weg. Es ist eine Empfehlung, so wie weniger Fleisch, mehr Gemüse. Aber eine Branche, die mit einem Grundbedürfnis Milliarden verdient, sieht sofort ihre Dividenden gefährdet!»
Markus Steiner schliesst sich an. «Ich trinke nur Leitungswasser. Kein Wasser ist völlig frei von Pestiziden, weder aus dem Hahn noch aus PET-Flaschen. Leitungswasser ist frisch, streng kontrolliert und schont die Umwelt. Es ist doch gut, wenn man der Natur damit etwas Gutes tut», kommentiert er.
Auch Claudia Meier unterstreicht die Umweltschutzaspekte: «Niemand verbietet Mineralwasser, es geht lediglich um eine Orientierung. Leitungswasser in der Schweiz hat eine sehr hohe Qualität, verursacht kaum Abfall und spart Transportwege. Gerade bei Kulturhäusern finde ich es legitim, dass man beim Angebot auf Umweltaspekte achtet.»