Kopftuch-Zoff polarisiert
«Hier will man ein Symbol der Unterdrückung von Frauen verteidigen!»

SP-Politikerin Vera Çelik mischt die Kopftuch-Debatte in der Schweiz neu auf. Mit der neuen Positionierung ihrer Partei sorgt sie nicht nur in der Politik, sondern auch in unserer Leserschaft für kontroverse Diskussionen.
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Die Debatte um das Kopftuch in den Volksschulen beschäftigt landesweit.
Foto: Keystone

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Vera Çelik (20) ist erste Deutschschweizer Parlamentarierin mit Kopftuch im Amt
  • SP beschliesst Kehrtwende: Lehrerinnen sollen weiter Kopftuch im Unterricht tragen dürfen
  • Zürichs Regierungsrat prüft SVP-Vorstoss zu Kopftuchverbot für Schülerinnen und Lehrerinnen
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Sarah RiberzaniRedaktorin Community

Die Wahl der SP-Jungpolitikerin Vera Çelik in den Zürcher Gemeinderat und ihr Einsatz für das Recht von Lehrerinnen, im Unterricht ein Kopftuch zu tragen, haben eine alte Debatte in der Schweiz neu entfacht. Mit der Annahme einer entsprechenden Resolution am SP-Parteitag hat die Partei eine klare Kehrtwende vollzogen – weg von einer früher kritischen Haltung gegenüber religiösen Symbolen hin zu mehr individueller Religionsfreiheit im Schulzimmer. Doch dieser Kurs sorgt nicht nur für Zustimmung, sondern auch für Spannungen innerhalb der Partei und darüber hinaus.

Der Parteiaustritt eines St. Galler SP-Kantonsrats und die kritischen Stimmen aus verschiedenen politischen Lagern zeigen: Die Frage, ob religiöse Symbole wie das Kopftuch in der Schule Platz haben, berührt grundlegende Werte wie Gleichberechtigung, Neutralität und persönliche Freiheit. Während die einen darin ein Zeichen von Selbstbestimmung sehen, warnen andere vor einem Aufweichen der Trennung von Religion und Staat.

Klare Worte aus der Leserschaft

Die Debatte spiegelt sich auch in unserer Kommentarspalte wider. So schreibt Leserin Maja Grüter: «Es ist schlicht naiv zu behaupten, das Kopftuch sei eine religiöse Selbstbestimmung einer emanzipierten Frau im Islam. Im Iran tragen Frauen aus Protest die Haare offen im Wissen, dafür zu sterben. Augenscheinlicher kann ja nicht sein, wie die Empfindungslage von betroffenen Frauen tatsächlich ist.» 

Auch Leserin Lilly Da Silva äussert sich deutlich und ordnet das Kopftuch als Ausdruck gesellschaftlicher Ungleichheit ein: «In manchen Ländern müssen Frauen sich nicht nur verhüllen − sie haben kein Recht auf Bildung. Hier will man ein Symbol der Unterdrückung von Frauen öffentlich verteidigen. Ein Kopftuch gehört nicht in der Schule!»

Und auch Leserin Nicole Lighty meint: «Alle Befürworter des Kopftuches berufen sich auf die Religionsfreiheit. Geht man aber ins Ausland, wird in vielen Ländern nur die landestypische Religion akzeptiert.» Es werde etwas gefordert, was man andernorts selbst nicht zugestehe. Für sie ist klar: «Jegliche gut sichtbaren religiösen Symbole sollten in der Öffentlichkeit verboten werden. Religion ist Privatsache und gehört nicht in die Schule, Arbeit etc.»

«So ein Theater wegen eines Stücks Stoff?»

Doch es gibt auch Gegenstimmen. So hält Leser Roland Tschäppeler ein Kopftuchverbot an Schulen für wenig zielführend und warnt, es komme faktisch einem Berufsverbot für betroffene Lehrerinnen gleich. «Das Kopftuch ist durchaus mit christlichen Werten vereinbar. Das Bundesverfassungsgericht hat pauschale Verbote für Lehrkräfte bereits als verfassungswidrig eingestuft, sofern keine konkrete Gefahr für den Schulfrieden besteht. Der Kern des Liberalismus ist das Recht des Einzelnen, sein Leben nach eigenen Vorstellungen zu gestalten – solange er die Freiheit anderer nicht verletzt. Der Staat hat nicht zu bewerten, ob eine religiöse Praxis vernünftig ist; er muss sie schützen.» 

Ähnllich sieht es Leser Rene Meier: «So ein Theater wegen eines Stücks Stoff? Leben und leben lassen. Ob Kopftuch tragen oder nicht – es spielt doch überhaupt keine Rolle und tut niemandem weh. Und alle Argumente dagegen oder dafür sind meistens nur scheinheilig, denn in der Schweiz gibt es Religionsfreiheit!»

Auch Eva Betschart argumentiert differenziert: «Mir ist wichtig, was unter dem Kopftuch für ein Mensch steckt.» Solange die Integration gelingt und die Schweizer Werte respektiert werden, sieht sie kein Problem. «Diese Frauen gehen ja nicht mit ihrer Religion missionieren. Religion und Politik sollten strikt getrennt werden. Der Mensch urteilt sehr schnell positiv oder negativ nach dem äusseren Erscheinungsbild einer Person.»

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