Darum gehts
- Migros beendet Zusammenarbeit mit Joung Gustav wegen kritischer Asylpolitik-Äusserungen
- 67 Prozent der Blick-Leser unterstützen Gustav, kritisieren Migros-Entscheid
- Über 4000 Blick-Umfrageteilnehmende zu Gustavs Fall und Unternehmensrolle
Die Migros zieht die Reissleine: Der Detailhändler hat die Zusammenarbeit mit Influencer Joung Gustav beendet und seine Getränkemarke aus den Regalen genommen. Die Bestellungen seien kurzfristig gestoppt worden, zudem sollen weitere Partner ihre Projekte mit ihm auf Eis gelegt haben.
Auslöser sind politische Aussagen auf seinem Zweitkanal «Gustavredet», wo er sich kritisch zur Schweizer Asylpolitik äusserte. Die Migros teilte mit, eine weitere Zusammenarbeit sei nicht mit dem eigenen Werteverständnis vereinbar. Gustav selbst spricht von gravierenden Folgen und wirft der Branche vor, es gelte die Devise: «Sei links oder sei ruhig», wenn man als Influencer in der Schweiz Geld verdienen wolle.
Die Debatte um Unternehmenswerte
Inwiefern dürfen Unternehmen politisch Stellung beziehen? Diese Frage bewegt aktuell unsere Leserschaft besonders. In einer Blick-Umfrage mit über 4000 Teilnehmenden zeigen 67 Prozent Sympathie für Gustav und kritisieren die Trennung, während 33 Prozent den Entscheid der Migros unterstützen.
Auch in der Kommentarspalte entbrennt eine hitzige Debatte über die Rolle von Unternehmen. Peter Siegfried bringt seine Kritik deutlich zum Ausdruck: «Die Migros ist bei mir schon sehr lange unten durch und wird gemieden, seit sie versuchen, den Konsumenten ihre Wertvorstellungen aufzudrücken. Ihr habt den Auftrag uns mit Lebensmitteln zu versorgen, nicht zu erziehen!»
Leser Diego De La Vega sieht dies ähnlich. Es müsse möglich sein, über Asylkosten, Sicherheit und Integration zu sprechen, ohne sofort als böse abgestempelt zu werden. «Die Migros darf selbstverständlich entscheiden, mit wem sie zusammenarbeitet. Aber wenn ein Detailhändler politische Haltung faktisch zur Bedingung für Regalplatz und Deals macht, wird aus ‹Wertekanon› schnell ein Meinungsfilter.» Das Problem sei nicht, dass Gustav laut ist – sondern dass viele aus Angst vor Jobverlust leise werden. «Eine Demokratie lebt von Debatte, nicht von Schweigen.»
Auch Christian Hager meint: «Wenn eine Meinung innerhalb des normalen politischen Spektrums Konsequenzen hat, haben wir als Gesellschaft ein Problem.» Statt den Diskurs zu verengen, müsse man andere Ansichten ertragen, bewerten und argumentativ widerlegen. «Was die Migros macht, ist unterirdisch.» Seiner Ansicht nach wäre es genauso problematisch, eine eindeutig linke Meinung zu sanktionieren, solange sie nicht extremistisch ist. «Wir müssen wieder lernen, einander zuzuhören, nicht niederzuschreien und zu boykottieren. Natürlich immer im demokratischen Rahmen.»
Warum einige Leser die Trennung nachvollziehen
Neben der Kritik gibt es auch Leserinnen und Leser, die den Schritt der Migros nachvollziehen können. «Es ist immer sehr heikel, Business mit Politik zu verbinden – egal, ob man klar rechte oder sehr linke Meinungen vertritt. Wer sich dann trotzdem öffentlich äussert, muss in Kauf nehmen, dass nicht alle seine Haltung gutheissen», schreibt Leser Urban Ribi.
Auch Hans Lumpi betont den Zwiespalt zwischen wirtschaftlicher Verantwortung und politischer Meinungsäusserung: «Als Chef eines Unternehmens wird man kritisiert, wenn man sich politisch positioniert – egal ob rechts, Mitte oder links.» Wer etwas verkaufen möchte, sollte seiner Meinung nach keine Stellung beziehen. «Das hat nichts mit Bevormundung zu tun, sondern mit wirtschaftlichem Denken», argumentiert er.
José Romero merkt an, dass jeder seine Meinung frei äussern könne. «Ein privates Unternehmen hat aber auch das Recht, die Unterstützung in Einklang mit den Werten vorzunehmen. Die Unterstützung basierte bisher auf anderen Beiträgen ohne politische Aussagen. Die Grundlage hat sich nun geändert.» Damit verdeutlicht er, dass die Entscheidung der Migros aus seiner Sicht eine vernünftige unternehmerische Abwägung ist.