Drittelregel bei Wohnkosten
«Viele Mieter tappen nicht in die Falle – sie werden hineingetrieben»

Längst nicht alle können die Drittelregel bei den Wohnkosten noch einhalten, so das Ergebnis einer Comparis-Umfrage. Das beschäftigt auch die Blick-Leser. Während viele die hohen Kosten kritisieren, sehen andere die Verantwortung bei den Betroffenen selbst.
Kommentieren
1/4
Eine goldene Regel besagt: Gib nicht mehr als ein Drittel fürs Wohnen aus.
Foto: Sven Thomann

Darum gehts

  • Comparis-Umfrage zeigt: Viele können die Drittelregel nicht einhalten
  • Häufigster Grund: Es fehlt an günstigeren Wohnungen
  • Blick-Leser streiten: Hohe Mieten oder falsche Prioritäten
Eva_Kunz_Senior Community Editorin_Ringier_3-Bearbeitet.jpg
Eva KunzSenior Community Editorin

Wie viel Miete ist zu viel? Diese Frage stellt sich für immer mehr Menschen in der Schweiz. Die Teuerung und die steigenden Wohnkosten setzen viele Haushalte unter Druck. Wie stark die Wohnkosten ins Gewicht fallen, zeigt eine Comparis-Umfrage: 16 Prozent der Erwachsenen in der Schweiz geben mehr als ein Drittel ihres Bruttohaushaltseinkommens fürs Wohnen aus. Bei Mieterinnen und Mietern ist es sogar mehr als jeder fünfte. Damit überschreiten sie eine gängige Faustregel, wonach höchstens rund ein Drittel des Einkommens für die Wohnkosten aufgewendet werden sollte.

Besonders für Menschen mit tieferen Einkommen kann das zum Problem werden. Wer einen grossen Teil des Geldes für die Miete braucht, hat weniger für andere Ausgaben übrig und kann kaum etwas auf die Seite legen.

Leser leiden unter Kostendruck

Eine nicht repräsentative Community-Umfrage unter rund 3300 Blick-Leserinnen und -Lesern zeigt: Rund die Hälfte kann die Drittelregel einhalten. Wer hingegen einen überdurchschnittlich hohen Anteil des Einkommens fürs Wohnen aufwendet, nennt als häufigsten Grund dafür, keine günstigere Wohnalternative zu finden und unter dem hohen Kostendruck zu leiden.

Die angespannte Wohnsituation spiegelt sich auch in der Kommentarspalte wider. Viele Leserinnen und Leser sehen die hohen Mieten als zunehmende Belastung und kritisieren, dass bezahlbare Alternativen fehlen. «Die Mieten hierzulande sind eine Frechheit», ärgert sich Stefan Maurer. «Hauptsache, die grossen Vermieter schauen auf ihr Geld.» Alexander Jäger kommentiert: «Die meisten Mieter tappen nicht in die Falle, sondern sie werden hineingetrieben.»

Wie gross die Kluft zwischen Einkommen und Wohnkosten inzwischen ist, verdeutlicht Hans W. Künzle: «Das ist ein Witz. Solange es noch Löhne von unter 3700 Franken für einen Vollzeitjob gibt und eine 12-Quadratmeter-Abstellkammer bereits über 1000 Franken kostet.»

Wenn günstigere Alternativen fehlen

«Viele dieser Mieter und Eigentümer machen das ja nicht freiwillig», gibt Heiri Meier zu bedenken. Mieter und Eigentümer würden durch massiv gestiegene Miet- und Immobilienpreise sowie die Wohnraumknappheit geradezu dazu gezwungen, einen grösseren Teil ihres Einkommens fürs Wohnen aufzuwenden. «Solange die Nachfrage hoch bleibt, werden die Mieten und Immopreise weiter steigen.» Meier zieht dabei auch einen Vergleich zu den Krankenkassenprämien, die seit Jahrzehnten deutlich rascher zunehmen als die Einkommen. Bei den Reallöhnen sei die Entwicklung genau umgekehrt: In den vergangenen zehn Jahren seien sie nur noch marginal gestiegen.

Meiers Argumentation findet sich in zahlreichen weiteren Kommentaren in ähnlicher Form. Viele kommen zum Schluss: «Die Drittelregel ist schon längst passé.» So formuliert es etwa Christof Aegerter. Heinz Schmid bläst ins selbe Horn: «Leider ist diese Drittelregel in den meisten Fällen gar nicht mehr möglich.» Für ihn ist das «ein weiteres Versagen der Politik».

«Was haben wir denn für Optionen?»

Eva Nägeli bewegt sich auf einer ähnlichen Linie und geht mit der allgemeinen Entwicklung hart ins Gericht: «In der Schweiz stimmt schon länger einiges nicht mehr.» Gleichzeitig würden politische Vorhaben wie eine höhere Mehrwertsteuer, teures Benzin und ausbleibende Massnahmen gegen steigende Krankenkassenprämien die Bevölkerung zusätzlich belasten, so ihre Kritik. Parallel dazu würden die Mietzinse durch knappen Wohnraum hoch gehalten.

Marco Paganini thematisiert derweil die grundsätzliche Kostenentwicklung: «Unendlich viele Kosten sind ausser Kontrolle.» Zahlreiche Ausgaben seien ausser Kontrolle geraten. Marcel Peyer beklagt, dass günstigere Alternativen oft schlicht fehlen. «Was haben wir denn für Optionen? Fast jeder würde eine günstigere Wohnung oder Krankenkasse wählen – wenn es denn welche gäbe.»

Selber schuld oder fehlende Alternativen?

Doch nicht alle haben Verständnis für die finanzielle Lage vieler Mieter. Adrian Gerber sieht die Wohnkosten in erster Linie als persönliche Entscheidung: «Wer mehr für das Wohnen ausgibt, spart vermutlich an einem anderen Ort.» Lionel Werren vermutet: «Viele priorisieren einfach falsch.» Wenn er sich das Freizeit- und Ausgehverhalten vieler Menschen anschaue, «dann können Miete und Krankenkassenprämien kein Problem sein».

Heinz Wälti spricht gar von einer «klassischen Anspruchshaltung». Immer mehr Menschen würden Teilzeit arbeiten und gleichzeitig in teurere Bildung investieren. Wer zudem schön wohnen wolle, müsse mit den entsprechenden Kosten rechnen. «Ausser, wenn es um Freizeit geht – da spielen dann die Kosten keine Rolle.»

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen