Darum gehts
- US-Ökonom Kenneth Rogoff warnt vor grösstem Wirtschaftsschock seit 50 Jahren
- Raiffeisen-Chefökonom widerspricht, erwartet keine Rezession trotz hoher Ölpreise
- Community spürt Auswirkungen unterschiedlich stark
Eine Aussage des US-Starökonomen und Harvard-Professors Kenneth Rogoff sorgt derzeit besonders für Aufsehen. Er spricht vom «grössten Schock für die Weltwirtschaft seit fünf Jahrzehnten». Als Grund führt er die explosive Mischung aus Iran-Konflikt, bereits bestehenden Handelskonflikten und den Nachwirkungen des Ukraine-Kriegs an. Die Folge: steigende Energiepreise, wachsende Inflation und zunehmender Druck auf die globalen Märkte. Europa und Asien könnten laut Rogoff gar stärker betroffen sein als die USA.
Das skizzierte Szenario hat Parallelen zu den ökonomischen Turbulenzen der 1970er-Jahre. Damals wurde die Wirtschaft durch stark steigende Ölpreise infolge eines Kriegs im Nahen Osten erschüttert.
Raiffeisen-Chefökonom schätzt Lage weniger drastisch ein
Doch wie realistisch legt ein Schweizer Wirtschaftsexperte die Einschätzung des Harvard-Wirtschaftsprofessors aus? Und wie stark trifft es die Schweiz wirklich?
«Rogoff ist bekannt dafür, als grosser Warner aufzutreten», sagt Raiffeisen-Chefökonom Fredy Hasenmaile gegenüber Blick, «ganz so drastisch wie er schätze ich die Lage nicht ein. Der aktuelle Ölpreis ist aber dennoch ein Schock für die Wirtschaft.» Mit einer Rezession – in der Schweiz oder global – rechnet Hasenmaile indes nicht.
Community spürt Auswirkungen unterschiedlich stark
Wie nimmt unsere Community die Folgen des anhaltenden Iran-Kriegs, insbesondere die steigenden Spritpreise, im Portemonnaie wahr? Wir haben nachgefragt. Die Umfrage mit 3452 Teilnehmenden zeigt: Das Budget der Leserschaft wird unterschiedlich stark belastet.
So haben knapp 40 Prozent angegeben, die höheren Preise beim Tanken seien für sie nicht so schlimm. 12 Prozent spüren die Auswirkungen gar nicht. 26 Prozent gaben hingegen an, dass andere Kosten ihr Budget mehr belasten würden. Doch immerhin knapp ein Viertel aller Teilnehmenden drückte auf die Antwortmöglichkeit «Ja, die gestiegenen Spritpreise sind ein Problem für meine Finanzen».
«Mediale Schwarzmalerei»
In der Kommentarspalte wird ausserdem transparent, wie skeptisch die Community zu den Aussagen des Harvard-Professors steht und somit mehrheitlich eher dem Raiffeisen-Chefökonomen Fredy Hasenmaile Glauben schenkt.
Kriege und Krisen habe es schon immer gegeben, meint etwa Andreas Burgener und deklariert die Einschätzung des US-Ökonoms als «mediale Schwarzmalerei». «Zudem würde es so manchem Schweizer nicht schaden, sich mal etwas in Bescheidenheit zu üben.»
«Seit 1970 gibt es deutlich mehr Alternativen zu Öl und Gas», schreibt Pius Winteler. «Wer sich heute noch dem Risiko von Ölpreisschocks aussetzen will, kann das tun. Wer sich dagegen absichert, wechselt auf andere Energieträger.»
In dieselbe Richtung geht der Kommentar von Albert Zweifler: «Mit etwas schnellerem Einführen der alternativen Energien wäre vieles einfacher und die Schweiz nicht so abhängig vom Erdöl.» So sehen es auch einige weitere Leserinnen und Leser. Manche wären zudem froh, wenn sich die Schweiz generell unabhängiger von ausländischen Energiequellen machen würde.
«Es wird noch drastischer»
Einige aus der Leserschaft zeigen sich trotz der aktuellen Lage vorsichtig optimistisch. Peter Bachmann glaubt etwa, der Krieg werde bald zu Ende sein: «Jetzt wird wieder Angst geschürt. Bis im Sommer ist alles wieder normal und die Mullahs sind weg.» Leser Erich Schweizer geht von einem ähnlichen Szenario aus: «Das verbrecherische iranische Regime muss jetzt weg.» Danach werde sich vieles bessern, vor allem auch für die Nachbarländer des Irans, vermutet er.
Ein Teil der Community glaubt indes, dass es wirtschaftlich noch einiges schlimmer kommen wird. «Es wird noch drastischer als beschrieben», ist Franky Bozic überzeugt. «Und langfristig werden wir unseren Standard stark senken müssen.» Davon geht auch Hans Blatter aus: «Das wird auch uns noch hart treffen. Und das alles wegen zwei kranker Typen.»
Auch Alex Müller ist überzeugt: «Es wird sich sehr viel verändern. Viele wohlhabende Staaten werden arm sein. Die Veränderung läuft schon länger. Jetzt viel schneller. Unsere Schweiz wird den heutigen Wohlstand nicht mehr lange halten können.»