Darum gehts
- Schweiz stimmt am 8. März über Individualbesteuerung und Heiratsstrafe ab
- 76 Prozent der Community befürworten Abschaffung der Heiratsstrafe
- Kritik: Bürokratie, höhere Kosten und Belastung für Einverdiener-Ehepaare befürchtet
Am 8. März entscheidet die Schweiz über die Individualbesteuerung. Sie soll die Heiratsstrafe abschaffen und verheiratete Paare steuerlich gleichstellen. Der Bundesrat unter Karin Keller-Sutter (62, FDP) befürwortet den Systemwechsel, weil er mehr Fairness schaffen und Zweitverdienende motivieren soll, ihr Arbeitspensum zu erhöhen.
Kritik kommt von mehreren Parteien und zehn Kantonen. Sie befürchten höhere Steuern für klassische Einverdiener-Ehepaare, Mindereinnahmen für Bund, Kantone und Gemeinden sowie einen grossen administrativen Mehraufwand durch Millionen zusätzlicher Steuererklärungen.
Heiratsstrafe sorgt für klare Ablehnung
Eine Blick-Umfrage mit über 8500 Teilnehmenden zeigt, dass eine deutliche Mehrheit in unserer Community die Abschaffung der Heiratsstrafe unterstützt. 59 Prozent sind selbst betroffen und halten sie für unfair, weitere 17 Prozent sind nicht betroffen, lehnen die Heiratsstrafe aber ebenfalls ab. Damit befürworten 76 Prozent der abstimmenden Leserinnen und Leser eine Abschaffung.
Auffällig ist, dass 15 Prozent die Heiratsstrafe trotz eigener Betroffenheit als gerecht empfinden. Weitere neun Prozent sind nicht betroffen und sehen ebenfalls keinen Handlungsbedarf. Insgesamt stehen somit 24 Prozent hinter der Heiratsstrafe.
«Ein Diebstahl am eigenen Volk»
Leserin Heidi Keller spricht sich klar für die Reform aus: «Über 50 Jahre habe ich mich darüber geärgert und gehofft, dass diese Ungleichbehandlung endlich fällt. Tausende Franken wurden mir dadurch gestohlen, ich bin wütend. Jetzt ist mein Mann verstorben. Es bringt mir jetzt nichts mehr, aber ich stimme Ja!»
Auch Armando Casati findet, dass eine Änderung längst überfällig ist: «Das Bundesgericht hat 1984 entschieden, dass diese Ungleichbehandlung verfassungswidrig ist. Die Kantone haben darauf mit diversen Massnahmen reagiert.» Nur der Bund mit seiner direkten Bundessteuer habe 42 Jahre nach dem Bundesgerichtsentscheid noch nichts unternommen. «Das ist ein Diebstahl am eigenen Volk. Da gehen Jahre ins Land, bis Gerichtsurteile oder Abstimmungsergebnisse umgesetzt werden. Unsere Politik ist eine Schande für die Schweiz!»
Lösung spaltet die Gemüter
In unserer Community herrscht weitgehend Einigkeit darüber, dass die Heiratsstrafe abgeschafft werden muss. Doch viele Stimmen betonen, dass die Reform nur einen Teil des Problems adressiert. Reto Gräflin bringt es auf den Punkt: «Die Heiratsstrafe muss weg – überall, auch bei der AHV!» Für ihn ist es unverständlich, warum verheiratete Personen für zwei Personen AHV zahlen, aber nur 1,5 Renten erhalten. «Es gibt keinen plausiblen Grund, es ist schlichtweg eine Zumutung. Die entstehenden finanziellen Lücken sind durch die gesamte Allgemeinheit zu tragen!», fordert er.
Daniel Hitz sieht dies ähnlich: «Eigentlich geht es nicht um die Besteuerung, sondern um die Heiratsstrafe bei der AHV. Es ist beschämend, dass die Politik Jahrzehnte dazu braucht, diese Ungerechtigkeit endlich aus der Welt zu schaffen!»
Kritik an «Bürokratiemonster»
Viele Leserinnen und Leser sehen beim geplanten Systemwechsel noch erhebliches Verbesserungspotenzial. «Ein solches aufgeblähtes bürokratisches System, welches noch mehr Beamte braucht, sollte sowieso hinterfragt werden», schreibt Leserin Gabriella Meier. Sie plädiert für eine einfache Lösung mit Splitting, sieht aber die aktuelle Vorlage als Angriff auf den Mittelstand und das traditionelle Familienbild: «Auch Teilzeit arbeitende Frauen müssen dann massiv mehr Steuern zahlen!»
Stefan Fankhauser steht der Reform ebenfalls skeptisch gegenüber. Er beklagt, die Bürokratie habe ein «unnötiges Monster» erschaffen, statt eine einfache Lösung zu finden. Problematisch sei, dass der Lohn des Zweitverdieners im heutigen System zum Einkommen dazugerechnet werde und dadurch höher besteuert werde als bei Konkubinatspaaren. Die Lösung sei jedoch simpel: «Der Lohn des Zweitverdieners wird für die Berechnung nicht oben draufgeschlagen, sondern wieder von 0 her besteuert. Das bräuchte nicht mal eine neue Steuererklärung. Nur die Berechnung wäre etwas aufwendiger, was ein Computer problemlos schaffen kann. Warum stimmen wir immer nur über blöde Lösungen ab?»
Einen anderen Ansatz sieht Marie Bucher: «Die Lösung der Mitte mit zwei Vergleichsrechnungen ist die einzige gerechte Lösung für traditionelle und progressive Ehemodelle.» Sie betont, dass der zusätzliche Aufwand mit der heutigen Informatik minimal sei und niemand benachteiligt werde. «Auf diesem Gebiet sollte die Digitalisierung für unsere Bürger gestärkt werden!»