Darum gehts
- Aryzta schliesst bis 2027 zwei Werke in Deutschland, 250 Stellen betroffen
- Gewerkschaft kritisiert Entscheidung als «schäbig», Linke spricht von «Sauerei»
- Viele Leser machen vor allem Politik und Gewerkschaften für die wirtschaftliche Schieflage verantwortlich
Der Schweizer Tiefkühlbackwaren-Konzern Aryzta will in Deutschland zwei Produktionsstandorte schliessen. Betroffen sind die Werke in Nordhausen und Gerolzhofen, wo insgesamt etwa 440 Mitarbeitende beschäftigt sind. Rund 250 Arbeitsplätze sollen wegfallen. Ein Teil der Belegschaft soll die Möglichkeit erhalten, ins Werk nach Eisleben zu wechseln, wo Aryzta die Produktion künftig bündeln will.
Der Konzern begründet den Schritt mit der schwächeren Nachfrage auf dem deutschen Markt und will mit einem kleineren Sortiment Kosten sparen. Die geplanten Schliessungen sorgen jedoch für Kritik: Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten bezeichnet das Vorgehen als «schäbig», die Linke im Thüringer Parlament spricht von einer «Sauerei».
Politik und Gewerkschaften in der Kritik
In der Blick-Kommentarspalte stösst der Entscheid von Aryzta auf viel Verständnis. Zahlreiche Leser sehen die Verantwortung vor allem bei den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland. Hohe Energiekosten, Bürokratie und politische Fehlentscheidungen machten es Unternehmen zunehmend schwer, rentabel zu produzieren.
«Es brauchen sich weder Politik noch Gewerkschaften zu wundern, wenn Firmen Konsequenzen ziehen und ihre Fabrikationsstandorte den gegebenen lokalen Voraussetzungen anpassen», schreibt Rolf Bachmann. Er vermutet, dass insbesondere die Energiekosten für einen Bäckereibetrieb eine entscheidende Rolle spielen. «Die Politik hat es in der Hand, ihren Wirtschaftsstandort attraktiver zu machen und Firmen zu halten beziehungsweise anzusiedeln.»
Auch Martin Widmer nimmt Politik und Gewerkschaften in die Pflicht. «Da müssen sich die deutschen Politiker und Gewerkschafter wohl selbst an der Nase nehmen. Übermässiger Ausbau des Staates mit horrenden Steuern und übermässiger Bürokratie, bis die Wirtschaft lahmt, und dann reklamieren, wenn die Firmen reagieren müssen.» Er fügt an: «Jede Firma würde lieber ausbauen als Werke schliessen. Bitte mal überlegen, ihr Politiker!»
Für Leser Marcel Schuler ist ebenfalls klar: «Die deutsche Politik hat das zu verantworten. Der Wirtschaftsstandort Deutschland ist für Unternehmer unattraktiv geworden. Zu viel Bürokratie, zu hohe Energiekosten. Ich verstehe jeden Unternehmer, der davon Abstand nehmen will.»
Wenige Gegenstimmen
Allerdings gibt es auch Stimmen, die diese Argumentation nicht teilen. Andy Meier widerspricht der häufigen Schuldzuweisung an Deutschland deutlich. «Sorry, aber wenn eine Schweizer Unternehmung sparen muss und ihre Auslandstandorte streicht, hat das mit der deutschen Politik genau gar nichts zu tun! Schön, dass es nicht den Schweizer Standort trifft!»
Marianne Berger findet ähnliche Worte: «Es ist zu einfach, für jede Werksschliessung die Politik verantwortlich zu machen.» Aryzta sei ein international tätiger Konzern und habe selbst entschieden, die Produktion zu konzentrieren. «250 Menschen verlieren deswegen ihren Arbeitsplatz», gibt die Leserin zu bedenken. «Da sollte man nicht so tun, als sei das eine zwangsläufige Folge der deutschen Politik.»