Darum gehts
- Hohe Benzin- und Dieselpreise treiben in der Schweiz die Nachfrage nach E-Autos weiter stark an
- Chinesische Hersteller drängen in die Schweiz und erhöhen den Preisdruck bei E-Autos spürbar
- Weltweit erreichen reine E-Autos Rekordwerte, nur in den USA sinkt ihr Anteil nach Förderstopp
Plötzlich geht es schnell: Im Oktober fuhren 34,8 Prozent der neu zugelassenen Autos in der Schweiz rein elektrisch. Zusammen mit den Plug-in-Hybriden erreichten die Steckerfahrzeuge damit einen Marktanteil von 46,4 Prozent.
Dies, nachdem bereits im September fast jedes zweite Auto über eine externe Lademöglichkeit verfügte. Was steckt hinter dem plötzlichen Boom, der vor einem Jahr noch in weiter Ferne schien? Wie steht die Schweiz im Vergleich zum Rest der Welt da? Und: Ist er nachhaltig, auch wenn die Benzinpreise dereinst wieder sinken?
Iran-Krieg als Preistreiber
Ein wichtiger Grund für den aktuellen Erfolg der E-Autos ist ausgerechnet Erdöl-Fan Donald Trump (80). Sein Angriff auf den Iran Ende Februar war der wichtigste Preistreiber für Diesel und Benzin in diesem Jahr. Bis heute ist der Schiffsverkehr durch die Strasse von Hormus beeinträchtigt, durch die in Friedenszeiten etwa 20 Prozent des Erdöls für den Weltmarkt fliessen.
Davon betroffen ist auch die Schweiz. Benzin und Diesel kosten seit Monaten deutlich über 2 Franken pro Liter. Und weil die Pflichtlager bald leer sein könnten, bereitet der Bund sogar Tempo 80 auf Schweizer Autobahnen vor, um Treibstoff zu sparen.
Jeder zehnte Neuwagen aus China
Doch nicht nur der teure Sprit lässt E-Autos boomen. Ein anderer Faktor sind die zahlreichen Hersteller aus China, die nach Europa drängen. So starteten in diesem Jahr die chinesischen Autoriesen Chery und Geely in der Schweiz. Chery bringt gleich eine ganze Reihe von Marken an den Start. Technologisch stehen sie der Konkurrenz aus Europa und Japan in nichts nach, wie sie aktuell auf der Auto Zürich beweisen. Und wie zuvor schon BYD oder Leapmotor haben die chinesischen Neueinsteiger attraktive Preise. Kein Wunder, kommt 2026 schon jeder zehnte Neuwagen in der Schweiz aus dem Reich der Mitte.
Die Hersteller aus China helfen auch indirekt, dass sich die Anschaffungspreise für E-Autos denen von Verbrennern annähern. Europäische Hersteller sind wegen des Drucks aus dem Osten vor allem bei älteren Stromern zu hohen Rabatten bereit. «Die Attraktivität des E-Autos steigt für Neuwagenkäufer weiter», bilanziert der deutsche Auto-Papst Ferdinand Dudenhöffer (75). «Erstens durch neue Modelle und eine grosse Vielfalt von mehr als 170 Fahrzeugen. Zweitens durch bessere Preise und hohe Rabatte bei älteren Modellen. Und drittens natürlich durch die weiterhin hohen Benzin- und Dieselpreise.»
Stromer weltweit im Vormarsch
Eine neue Studie der Beratungsfirma PWC zeigt, dass E-Autos auch in anderen Märkten boomen. Weltweit wurden im dritten Quartal 4,3 Millionen batterieelektrische Fahrzeuge zugelassen – ein neuer Rekord. In den fünf grössten europäischen Automärkten Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und dem Vereinigten Königreich legten die E-Auto-Zulassungen um 66 Prozent zu. Ihr Marktanteil liegt bei 27 Prozent. Reine Verbrenner fielen hingegen unter 25 Prozent.
Allein in China wurden im dritten Quartal 2,5 Millionen reine Elektroautos verkauft. Etwa jeder zweite Neuwagen im Reich der Mitte fährt mit Strom. Einzig die USA stehen unter den grossen Automärkten schief in der Landschaft. Hier sank der Elektro-Anteil an den Neuzulassungen im dritten Quartal auf 6 Prozent. Ein Jahr zuvor waren es noch 10 Prozent. Der Grund: Trump strich den Stromern jede Förderung.
Ärger an den Ladestationen
In der Schweiz stehen die Chancen hingegen gut, dass der Stromer-Anteil unabhängig von den Schwankungen der Treibstoffpreise weiter steigt. Seit Jahren geben die allermeisten E-Auto-Besitzer an, dass sie nicht mehr zu einem Verbrenner zurückkehren möchten.
Allerdings könnten weitere Verbesserungen helfen, E-Autos noch attraktiver zu machen. Ein Ärger ist der Preisdschungel an den Ladestationen. «Es braucht ein ganzes Ökosystem, damit die E-Mobilität Fuss fassen kann», sagte Auto-Schweiz-Präsident Peter Grünenfelder (59) in einem Interview mit Blick. «Tiefere Strompreise durch die Liberalisierung des Strommarkts etwa, oder eine Preisauszeichnung an den Ladesäulen.»
Noch viel Luft nach oben
Klar ist: Trotz des hohen Stromer-Anteils unter den Neuzulassungen sind wir von einem elektrifizierten Individualverkehr noch weit entfernt. Laut dem Portal Swiss Car Info sind nur 6,4 Prozent der Autos auf den Strassen vollelektrisch unterwegs.
Zum Vergleich: Selbst in Norwegen, wo seit geraumer Zeit fast nur noch E-Autos neu zugelassen werden (2026 bisher 98 Prozent), liegt der Stromeranteil am Gesamtbestand «nur» bei 35 Prozent. Für die Stromer-Hersteller ist das Potenzial also noch riesig.