Darum gehts
- E-Bikes boomen in der Schweiz, Allround-Modelle sind besonders beliebt
- Velo de Ville Revo-C überzeugt mit 120 Nm Power und einem Preis von 4100 Franken
- Steppenwolf Transterra: Top-Bike mit 800-Wh-Akku, erhältlich ab 5000 Franken
Wir Schweizer lieben Alleskönner, nicht nur bei unseren Autos. Während SUVs schon lange boomen und laut aktueller Studie segmentübergreifend 58 Prozent der Verkäufe ausmachen, zeichnet sich auf dem E-Bike-Markt eine ähnliche Tendenz ab. Gefragt sind vor allem flexible Allrounder, die sowohl in der City als auch ausserhalb eine gute Figur machen – optisch wie technisch.
Dass es vielen Kundinnen nicht unbedingt um den stärksten Antrieb mit der höchsten Reichweite geht, beweist ein weiterer Trend: Zwar glänzen die beiden von uns getesteten Modelle von Velo de Ville und Steppenwolf dank neuem Avinox-System mit fast schon beängstigender Power (mehr dazu hier im Interview) und Reichweiten von theoretischen 100 Kilometern und mehr. Gleichzeitig zeigt das noch leichtere Modell von Scott, dass auch weniger Leistung in Form des neuen Bosch-SX-Einstiegssystems besonders in der City mehr sein kann.
Scott Passage
Das mit knapp 22 Kilo leichteste ist zugleich auch das optisch coolste E-Bike im Test. Der sportlich-schlanke Auftritt setzt sich auf der Strasse fort: Der 2025 neu eingeführte Bosch-SX-Einstiegsmotor ist zwar deutlich schwächer als die getesteten Avinox-Antriebe, in Kombination mit dem herausnehmbaren, relativ kleinen 400-Wh-Akku ist die Unterstützung für flotte Fahrten in der Stadt aber dennoch mehr als ausreichend. Ebenfalls top: Boschs bewährtes Purion-System mit kleinem Display am Lenker, das die wichtigsten Infos wie Reichweite oder Unterstützungsstufe anzeigt und sich intuitiv bedienen lässt.
Antrieb Riemen, Bosch Performance Line SX Mittelmotor, Nennleistung 250 W, Spitzenleistung 600 W, 55 Nm (mit Update 60 Nm)
Batterie 400 Wh, Reichweite Alltag 60 bis 80 km, herausnehmbar
Schaltung Shimano Nexus 8-Gang-Nabenschaltung
Gewicht 21,5 kg
Preis ab 3899 Franken (z. B. auf scott-sports.com)
Antrieb Riemen, Bosch Performance Line SX Mittelmotor, Nennleistung 250 W, Spitzenleistung 600 W, 55 Nm (mit Update 60 Nm)
Batterie 400 Wh, Reichweite Alltag 60 bis 80 km, herausnehmbar
Schaltung Shimano Nexus 8-Gang-Nabenschaltung
Gewicht 21,5 kg
Preis ab 3899 Franken (z. B. auf scott-sports.com)
So agil und direkt sich das Passage bewegen lässt, so gewöhnungsbedürftig ist der Riemenantrieb mit elektronischer 8-Gang-Nabenschaltung, der nicht so recht zum sportlichen Charakter des Scott passt. Für den Gangwechsel muss das Treten unterbrochen werden, was jeweils zu Zugkraftunterbrechungen führt. Hier wäre die 400 Franken günstigere Kettenschaltung für uns die bessere Wahl, auch wenn diese mehr Verschleiss hat und in der Wartung teurer ist. Apropos: Im Vergleich zu den stärkeren Konkurrenten, die anders als Scott auf Karbon- statt Alurahmen setzen, ist das ideal für die City ausgerichtete Passage für 3899 Franken eher auf der teureren Seite.
Velo de Ville Revo-C
Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten – einen Schönheitswettbewerb wird das Modell des deutschen Herstellers mit französischem Markennamen mit dem markanten Knick in der oberen Querstrebe des Karbonrahmens aber nicht gewinnen. Vergessen, wenn wir auf dem Sattel des Revo-C Platz nehmen: Der Avinox-M1-Motor von Drohnenspezialist DJI liefert Power ohne Ende – bei aktiviertem Boost-Modus stehen kurzzeitig bis zu 120 Nm zur Verfügung! Damit kraxelt das rund 23,7 Kilo schwere Bike selbst steile Anstiege mühelos hoch, wobei die bis zu 1000 Watt Spitzenleistung und der damit verbundene gewaltige Antritt je nach Modus in der City fast schon zu viel des Guten sind.
Antrieb DJI Avinox M1 Mittelmotor, Nennleistung 250 W, Spitzenleistung 1000 W, 105 Nm (Boost bis 120 Nm)
Batterie 600 Wh, Reichweite Alltag 80 bis 100 km, nicht herausnehmbar
Schaltung Shimano 11-Gang-Kettenschaltung
Gewicht 23,7 kg
Preis ab 4079 Franken (getestetes Modell ab 4505 Fr. z. B. auf velo-de-ville.com oder m-way.ch)
Antrieb DJI Avinox M1 Mittelmotor, Nennleistung 250 W, Spitzenleistung 1000 W, 105 Nm (Boost bis 120 Nm)
Batterie 600 Wh, Reichweite Alltag 80 bis 100 km, nicht herausnehmbar
Schaltung Shimano 11-Gang-Kettenschaltung
Gewicht 23,7 kg
Preis ab 4079 Franken (getestetes Modell ab 4505 Fr. z. B. auf velo-de-ville.com oder m-way.ch)
Mit einem Preis von knapp 4100 Franken (Testbike 4505 Fr.) ist das Revo-C aber klar unser Preis-Leistungs-Sieger im Test, denn es bietet nicht nur rund doppelt so viel Power wie das Scott, sondern mit 600 Wh auch einen um 50 Prozent grösseren Akku.
Steppenwolf Transterra Sport 9.1 Kette
Das teuerste ist klar das beste Bike im Test. Der Avinox-M1-Motor glänzt auch im Modell des bayrischen Herstellers mit wuchtigem Antritt – nur schade, dass ab 25 km/h die Unterstützung wegfällt. Grosser Pluspunkt im Vergleich zum Revo-C: Der Tretwiderstand ist ab 25 km/h deutlich geringer, womit auch mit Muskelkraft relativ mühelos weiter beschleunigt werden kann. Die Kettenschaltung arbeitet superpräzise, die breiteren Reifen sorgen für Stabilität und eignen sich auch gut für unasphaltierte Wege.
Antrieb DJI Avinox M1 Mittelmotor, Nennleistung 250 W, Spitzenleistung 1000 W, 105 Nm (Boost bis 120 Nm)
Batterie 800 Wh, Reichweite Alltag 80 bis 120 km, nicht herausnehmbar
Schaltung Shimano 10-Gang-Kettenschaltung
Gewicht ab 22,9 kg
Preis ab 4999 Franken (z. B. auf m-way.ch)
Antrieb DJI Avinox M1 Mittelmotor, Nennleistung 250 W, Spitzenleistung 1000 W, 105 Nm (Boost bis 120 Nm)
Batterie 800 Wh, Reichweite Alltag 80 bis 120 km, nicht herausnehmbar
Schaltung Shimano 10-Gang-Kettenschaltung
Gewicht ab 22,9 kg
Preis ab 4999 Franken (z. B. auf m-way.ch)
Die Positionierung des kleinen Touchscreens in der oberen Querstrebe ist für unseren Geschmack allerdings suboptimal. Zwar können Fahrmodi und Untermenüs auch über die kleinen Tasten am Lenker gewechselt werden, doch gerade bei sportlichen Modellen wie dem Transterra gehört für uns die Tempoanzeige ins direkte Sichtfeld. Erstaunlich hingegen: Weil Steppenwolf ebenfalls auf einen schlanken Karbonrahmen setzt, bringt das hochwertige Bike trotz riesigem 800-Wh-Akku nicht einmal 23 Kilo auf die Waage, was wiederum dem Fahrspass zugutekommt. Doch Qualität hat wie immer ihren Preis, der beim Transterra bei knapp 5000 Franken startet.