Testfahrt in VWs frischem Bestseller
Darum bleibt der Golf eine Klasse für sich

Jahrzehntelang war der VW Golf der Liebling der Schweizer Autofahrer. Doch der aufkommende Elektrotrend und Detailschwächen rüttelten am Legendenstatus des Wolfsburger Kompakt-Bestsellers. Die jüngste Modellpflege zeigt jetzt: Der Golf fährt immer noch ganz vorne mit.
Publiziert: 13.07.2024 um 12:00 Uhr
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Aktualisiert: 13.07.2024 um 13:35 Uhr
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Seit 50 Jahren setzt der VW Golf Massstäbe in der Kompaktklasse. Jetzt hat VW die achte Generation des Bestsellers überarbeitet.
Stefan Grundhoff

Es muss nicht immer ein GTI sein, um Autofahrer träumen zu lassen. Denn auch die Basisversionen des VW Golf setzen seit 50 Jahren Massstäbe – nicht umsonst prägte der Wolfsburger Dauerläufer den Begriff der Golf-Klasse.

Mittlerweile konkurriert der Golf im Klassenkampf aber längst nicht mehr nur mit Kompaktmodellen wie Ford Focus oder Opel Astra, sondern auch mit Elektrofahrzeugen wie dem Tesla Model 3, Peugeot e-3008 oder dem Konzern-Bruder ID.3.

Benziner wichtiger als Diesel

Dass mit der jüngsten Modellpflege keine bahnbrechenden Designsprünge einhergehen und man selbst die neuen LED-Scheinwerfer nur bei genauem Hinsehen erkennt, wird kaum eine Kundin stören. Der 4,28 Meter lange Golf bietet für fast jeden Autofahrer etwas: kompakt, komfortabel, agil und als Erst- genauso gut wie als Zweit- oder Drittwagen. Der beste Golf war für viele zumindest in Europa lange Zeit eine ebenso sparsame wie drehmomentstarke TDI-Variante. Mittlerweile spielen die Benziner die Hauptrolle; hier ist die stärkere der beiden mildhybridisierten 1,5-Liter-Varianten mit 150 PS (110 kW) wohl jene Version, die die meisten Kunden ansprechen dürfte – einen Zweiliter-Dieselmotor bietet VW dennoch weiterhin an.

Der VW Golf 1.5 eTSI gibts für den Schweizer Markt nur mit Siebengang-Automatikgetriebe – das Sechsgang-Schaltgetriebe bekommt man nur in der Basisversion mit dem schwächeren 1,5-Liter-Motor mit 116 PS (85 kW). Das Doppelkupplungsgetriebe (DSG) ist ohnehin die bessere Wahl, denn hier spart sich der Fahrer nicht nur die im Stau oft nervige Handarbeit, sondern bekommt auch nennenswerte Vorteile bei Komfort, Dynamik und Effizienz.

Königliches Fahrwerk

Der Turbobenziner macht den rund 1400 Kilo schweren Golf nicht zum Sportler; das maximale Drehmoment von 250 Nm kommt nicht an den Schub einstiger Dieselversionen heran. Doch auch im Drehzahlkeller schiebt der Golf dank Unterstützung des im Getriebe verbauten Elektromotors schon flott nach vorne. Aus dem Stand sprintet der eTSI in 8,4 Sekunden bis Tempo 100, die Spitze ist bei 224 km/h erreicht.

Was der Golf 1.5 eTSI mit 150 PS auch in seiner neuesten Überarbeitung mit zugegeben recht dünner Basisausstattung kann, ist jene geradezu perfekte Symbiose aus Komfort und Sportlichkeit. Die Abstimmung von Federn und Dämpfern ist gelungen, ebenfalls brilliert der Golf mit einer exzellenten Lenkung. Unangenehme Querfugen, zerborstene Fahrbahnen oder rauer Asphalt – die achte Golf-Generation ist in vielen Details nicht derart perfekt wie die siebte, doch im Bereich Fahrwerk und Abstimmung ist der König der Kompaktklasse eine wahre Schau.

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Die Ruhe selbst

Der Turbomotor ist nicht nur leise und drehfreudig, sondern auch sparsam: Ein Normverbrauch von 5,4 Litern auf 100 Kilometern ermöglicht mit vollem 50-Liter-Tank Reichweiten von 900 Kilometern. Dass solch lange Strecken auch in einem Modell der Kompaktklasse Laune machen können, dafür sorgen das geringe Geräuschniveau im Innern, ein griffiges Lenkrad und gut ablesbare Instrumente.

Keine Frage, dass es das grössere der beiden Bediensysteme sein sollte: Die 12,9 Zoll grosse Diagonale ist zwar nicht üppig, aber zeitgemässer als die kleine 10,4-Zoll-Variante. Das Display ist übersichtlich und die Software, mit der VW die letzten Jahre immer wieder haderte, endlich auf dem Stand der Technik. Erweitert wird der mittige Touchscreen um beleuchtete Slider für Lautstärke und Temperatur. Ebenfalls sinnvoll: Das reduzierte, aber übersichtliche Head-up-Display.

Qualität hat ihren Preis

Das Platzangebot passt für diese Klasse vorne wie hinten, die sehr bequemen Sitze schmiegen sich perfekt an. Auch der Laderaum mit seinen 381 Liter, die sich durch Umklappen der Rücksitze auf 1237 Liter erweitern, können sich bei der Grösse sehen lassen. Unterm Strich ist der VW Golf 1.5 eTSI der neuesten Generation das beste Volumenmodell, das man in dieser Klasse kaufen kann. Allein der edlere Audi A3 mit Premiumanspruch bietet hier noch mehr für mehr Geld.

Apropos: Ein Schnäppchen wird auch der aufgefrischte Golf nicht. Die Basisversion mit 116 PS und Handschalter startet ab 28'500 Franken, der von uns gefahrene eTSI ab 36'700 Franken. Für den 2.0 TDI mit 150 PS werden mindestens 42'600 Franken fällig, die beiden erhältlichen Plug-in-Hybride mit 204 oder 272 PS und bis zu 100 Kilometer elektrischer Reichweite starten ab 49'900 bzw. 55'100 Franken. Und für Sportfreunde ist auch eine GTI-Version mit Zweiliter-TSI, 265 PS und DSG ab 49'100 Franken zu haben.

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