Elektro-Flitzer R5 E-Tech nach 15'000 km Dauertest
Renaults König der Schweiz

Selten waren wir vor einem Dauertest so gespannt wie auf den elektrischen Retro-Flitzer Renault 5. Nach einem Jahr und 15’000 gefahrenen Kilometern können wir zu Recht sagen: Er hat uns nicht enttäuscht. Auch beim Publikum kommt der Ministromer an.
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Renault lässt – wie hier mit dem neuen R5 E-Tech Electric – seine früheren Kult-Autos wieder als Stromer neu aufleben.
Foto: Lorenzo Fulvi

Darum gehts

  • Renault 5 E-Tech Electric ein Jahr und 15'000 Kilometer im SonntagsBlick-Langzeittest
  • Retrodesign aussen und innen begeistert, aber hinten gibts relativ wenig Platz
  • WLTP-Reichweite von 411 Kilometern schmilzt bei Minusgraden auf unter 290 Kilometer
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Raoul SchwinnenRedaktor Auto & Mobilität

Selbst meine inzwischen erwachsenen Kids wussten es nicht: Renault war mal eine richtig coole Automarke. Und erfand neue Autos, die als Trendsetter den damaligen Fahrzeugbau revolutionierten. Da waren zum Beispiel ab 1961 der kantige Renault 4 als günstiger Familientransporter, ab 1965 die Schrägheck-Limousine Renault 16 mit grosser Heckklappe und dann ab 1972 der in vielen bunten Farben erhältliche und extrem handliche Stadtflitzer Renault 5. 

Retro-Optik begeistert Jung und Alt

Und diesen Cityflitzer bringt Renault Ende 2024 als elektrischen Renault 5 E-Tech Electric im kultigen Retrokleid, in knalligen Farben und mit modernster Technik zurück. Nachdem der Elektro-Kleinwagen sowohl zum Schweizer Auto des Jahres 2025 als auch zum europäischen Car of the Year 2025 gewählt wird, nimmt SonntagsBlick Anfang Februar 2025 den damals ab 33’900 Franken kostenden R5 E-Tech Iconic Five mit 150-PS-Motor und grösserem 52-kWh-Akku in den Dauertest. Um herauszufinden, ob der kleine Stromer seine diversen Auszeichnungen verdient und wie sich der smarte E-Flitzer im Alltag schlägt.

Optisch ist der neue R5 ein Knaller und sehr stylish – gerade in der auffällig gelben Lackierung. Renault-Chefdesigner Laurens van den Acker hat es ausgezeichnet verstanden, die Form des über 50-jährigen Urahns in die Neuzeit zu transferieren. Gut, ich bin nicht ganz unvoreingenommen. Mein erstes Auto war in den 1980er-Jahren ein R5, mit dem ich mich sogar als Rennfahrer auf der Rennstrecke versuchte.

Was mich jedoch erstaunt: Die pfiffige Retro-Form des aktuellen R5 kommt auch beim jungen Publikum, das den Urahn gar nie kannte, prima an. Das zeigt auch ein Blick auf die Verkaufszahlen: Mit 1629 Neuzulassungen war der Ministromer letztes Jahr der meistverkaufte Renault der Schweiz!

Shopping ja, lange Reisen nein

Mit nur 3,92 Metern Länge reiht sich der viertürige Fünfplätzer zwischen dem 13 Zentimeter kürzeren Twingo und dem 20 Zentimeter längeren Clio ein – beide kommen 2026 komplett neu auf den Markt. Der lange Radstand von 2,54 Metern und die nur sehr kurzen Karosserieüberhänge versprechen viel Platz im Innenraum.

Vorne mag das stimmen, und man sitzt für Kleinwagenverhältnisse sehr feudal, wenn auch etwas hoch. Aber hinten wirds im Fuss- und Knieraum sehr eng. Kindern kann man die Rückbank des R5 für längere Fahrten zumuten, grösseren Personen eher nicht. Kleiner Trick: Wenn Fahrer- und Beifahrersitz etwas nach oben verstellt werden, können die Passagiere hinten wenigstens ihre Füsse unter die Vordersitze schieben und sich so etwas mehr Platz verschaffen. Aber wirklich komfortabel ist auch das nicht.

Renault 5 E-Tech Iconic Five nach 15'000 km im Schnellcheck

Antrieb 1 Elektromotor, 150 PS (110 kW), 245 Nm, Frontantrieb, Akku 52 kWh, 400 V, Laden AC/DC 11/100 kW
Fahrleistungen 0–100 km/h in 8,0 s, Spitze 150 km/h, Reichweite WLTP/Test 411/340 km.
Masse L/B/H 3,92/1,74/1,50 m, Leergewicht 1524 kg, Kofferraum 326 bis 1106 l.
Verbrauch Werk WLTP/Test 14,9/17,3 kWh/100 km = 0 g/km CO₂, Energieeffizienz B
Preis ab 33’900 Franken (Testwagen mit Optionen 35'900 Fr.), Basis, 90 PS, 40 kWh-Akku, 300 km Reichweite, ab 25'000 Franken.

Antrieb 1 Elektromotor, 150 PS (110 kW), 245 Nm, Frontantrieb, Akku 52 kWh, 400 V, Laden AC/DC 11/100 kW
Fahrleistungen 0–100 km/h in 8,0 s, Spitze 150 km/h, Reichweite WLTP/Test 411/340 km.
Masse L/B/H 3,92/1,74/1,50 m, Leergewicht 1524 kg, Kofferraum 326 bis 1106 l.
Verbrauch Werk WLTP/Test 14,9/17,3 kWh/100 km = 0 g/km CO₂, Energieeffizienz B
Preis ab 33’900 Franken (Testwagen mit Optionen 35'900 Fr.), Basis, 90 PS, 40 kWh-Akku, 300 km Reichweite, ab 25'000 Franken.

Der Platz im Kofferraum ist dagegen für einen Kleinwagen überraschend geräumig. Zwei Bananenschachteln passen rein, ohne dass man die Rücksitze umklappen muss. Schade: Das Fach unter dem Kofferraumboden ist kaum zu gebrauchen. Da findet höchstens das Ladekabel mit dem Haushaltsstecker Platz (das man heutzutage sowieso kaum mehr braucht).

Ein praktisches Ablagefach fürs dickere Wallbox-Ladekabel, zum Beispiel unter der vorderen Haube, gibts dagegen nicht. Und so liegt das sperrige Kabel während unseres Tests halt meist im Kofferraum (oder bleibt zu Hause in der Garage). Praktisch dagegen, dass der kleine R5 mit einer optional erhältlichen Anhängerkupplung Lasten bis 500 Kilogramm ziehen darf. Das reicht für einen Kleinanhänger – oder wie in unserem Fall für die Montage eines ebenfalls optional erhältlichen Fahrradträgers.

Wendig, aber unübersichtlich

Beim Fahren zeigt sich schnell, dass der R5 nicht nur frech ausschaut, sondern auch so fährt. Die Fahrwerksabstimmung ist gut gelungen und passt mit ihrer gesunden Härte zur peppig-sportlichen Optik. Die Lenkung ist direkt und präzis, der Wendekreis erfreulich klein. Unser 1524 Kilogramm schwerer Testwagen sprintet flott in 8 Sekunden von 0 auf 100 km/h, bei 150 km/h Spitze wird abgeregelt. Bis Tempo 80 sind im Auto kaum Fahrgeräusche zu vernehmen, auf der Autobahn bei Tempi um 120 km/h entstehen dagegen im Bereich der Aussenspiegel hörbar Windgeräusche.

Und was mir beim Rangieren negativ aufgefallen ist – neben den drei unpraktischen Lenksäulenhebeln rechts für Gangwahl, Scheibenwischer und Radioverstellung –, ist das zu wenig sensible Bremspedal. Bei jedem Wechsel zwischen Vor- und Rückwärtsfahrt muss ich deutlich auf die Bremse tippen, andernfalls fährt der R5 im ursprünglichen Gang weiter. Apropos Rangieren: Das Heckfenster ist relativ klein, die Sicht zudem durch die Kopfstützen der Rücksitze eingeschränkt. Gut, gibts eine Rückfahrkamera. Allerdings verdreckt die ziemlich schnell, und auch die Bildqualität dürfte besser sein.

Reichweite schmilzt im Winter massiv

Dass der R5 kalte Temperaturen nicht mag, darüber haben wir in unseren Test-Zwischenberichten schon ausführlich geschrieben. Übertrafen wir im Hochsommer die versprochene WLTP-Reichweite von 411 Kilometern mit Kurzstreckenverbräuchen um 13 kWh/100 km öfters, stieg der Verbrauch zum Testende im Januar bei Minusgraden wieder auf über 21 kWh/100 km an.

Und so schmilzt dann die Reichweite mit vollem Akku auf unter 290 Kilometer, was für längere Fahrten auch mal einen Zwischenstopp am Schnelllader nötig macht – und da offenbart der R5 eine weitere kleine Schwäche. Er lädt mit maximal 100 kW, aber nicht sehr lange. Und so dauerts schon eine halbe Stunde, bis der Akku von 10 wieder auf 80 Prozent geladen ist. Doch wenn man den R5 meist an der Wallbox in der eigenen Garage lädt und ihn selten für lange Strecken nutzt, reichen Akku-Kapazität und Ladetempo völlig aus.

Und so fassen wir zum Abschluss unseres Dauertests zusammen: Der Renault 5 fährt sich tatsächlich so flott, wie er ausschaut. Er ist ein moderner, sehr fahraktiver und handlicher Kleinwagen, geeignet für Singles oder kinderlose Paare, die nur ab und zu auch auf Langstrecken unterwegs sind. Der R5 lässt zudem dank seinen vielen Fahrassistenten keine Wünsche offen und navigiert dank Google-Anbindung stets sicher und auf der optimalsten Route ans gewünschte Ziel. Und spätestens nach diesem Dauertest weiss auch meine Jungmannschaft: Renault ist eine richtig coole Marke – und der R5 ihr neuer König der Schweiz.

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