Darum gehts
- TCS testete 14 Elektroautos bei 0 °C auf Langstreckentauglichkeit
- Audi A6 Avant E-Tron und Tesla Model Y überzeugen im Wintertest
- Volvo EX90 und BYD Sealion 7 schneiden wegen hohem Verbrauch schlecht ab
E-Autos sind in der Kälte ein zweischneidiges Schwert. Zwar lassen sie sich vor der Fahrt bequem aufheizen (und enteisen). Doch dafür leidet unter eisigen Bedingungen die Reichweite.
Besonders bei langen Fahrten – beispielsweise in die Winterferien – kann der Reichweitenverlust die Reisedauer stark beeinflussen. Der TCS wollte es deshalb ganz genau wissen und testete 14 familientaugliche Stromer bei einer Durchschnittstemperatur von 0 °C auf ihre Langstrecken-Tauglichkeit.
Audi vor Tesla an der Spitze
Konkret simulierten die Experten auf dem Prüfstand eine Autobahnfahrt über 580 Kilometer inklusive Topographie, Geschwindigkeitswechseln und Verkehrsbedingungen. Anschliessend wurden die Fahrzeuge aufgrund von drei Kriterien bewertet: erzielte Reichweite (50 % der Bewertung), in 20 Minuten gewonnene Reichweite am Schnelllader (25 %) sowie Energieverbrauch (25 %).
Resultat: Das beste Ergebnis erzielte der Audi A6 Avant E-Tron vor dem Tesla Model Y und dem VW ID.7 Tourer. In dem simulierten Langstrecken-Wintertest erreichte der A6 eine Reichweite von 441 Kilometern und war zusammen mit dem Smart #5 das einzige Fahrzeug, welches das Ziel mit nur einem 20-minütigen Ladestopp erreichen konnte. Punkto Effizienz muss sich Audis edler Familienkombi nur Teslas Model Y geschlagen geben, das mit 22,2 kWh/100 km den niedrigsten Verbrauch aller 14 getesteten E-Autos erzielte – trotz Allradantrieb und SUV-Format. Der Audi A6 als Zweitplatzierter erreichte 23,2 kWh/100 km, der VW ID.7 auf Platz 3 23,3 kWh/100 km.
Am unteren Ende des Rankings wirkte sich ein hoher Verbrauch stark negativ aus. Volvos Elektroflaggschiff EX90 kam im Test auf 31,6 kWh/100 km, der BYD Sealion 7 sogar auf mehr als 35 kWh/100 km! Das reduziert die nutzbare Reichweite unter Winterbedingungen massiv, auch wenn beide Modelle mit einem grossen Akkupaket ausgestattet sind (Volvo: 107 kWh, BYD: 91 kWh). So erzielte der Volvo EX90 nur 360, der BYD Sealion 7 sogar nur 293 Kilometer und damit das schwächste Resultat. Ausserdem konnten beide Modelle auch im Schnellladetest nicht überzeugen.
800-Volt-Technik bringt Vorteile
Doch genau das Schnellladen an einer DC-Station ist ein entscheidender Faktor auf langen Strecken. Der Testsieger Audi A6 E-Tron gewinnt dank seiner 800-Volt-Architektur 300 Kilometer Reichweite in 20 Minuten zurück. Einen ähnlich hohen Wert erzielte auch der Smart #5 mit 264 Kilometern. Doch es kommt nicht nur auf die maximale Ladeleistung an: Tesla und Volkswagen zeigen, dass hohe Effizienz und eine gute Ladeleistung ebenfalls sehr gute Resultate ermöglichen – auch ohne 800-Volt-Architektur.
Ebenfalls interessant: Nicht alle Premiummodelle schnitten gut ab. Enttäuschend sind etwa die Resultate des mindestens 91'000 Franken teuren Porsche Macan und des mindestens 101'300 Franken teuren Mercedes EQE SUV. Beide schafften im Test lediglich eine Reichweite von rund 330 Kilometern. Während beim Porsche trotz 800-Volt-Technik vor allem die relativ geringe Schnellladeleistung erstaunt, weist der Mercedes mit 30 kWh/100 km den dritthöchsten Verbrauch aller getesteten Modelle auf – und dies trotz der aerodynamisch vorteilhaften Tröpfchenform. Als positive Beispiele können hingegen das Tesla Model Y und der Smart #5 aufgezählt werden, die in der jeweils getesteten Variante ab 54'000 Franken losgehen.
Fazit: Top-Ergebnisse im Winter hängen nicht automatisch vom Marktsegment eines Fahrzeugs ab. Mehrere Modelle im oberen Bereich kombinieren einen kontrollierten Verbrauch mit effizientem Laden, während andere, grössere und schwerere Fahrzeuge trotz grosser Batteriekapazität durch mangelnde Effizienz zurückgeworfen werden.