Darum gehts
- VW erwägt, in Deutschland chinesische Modelle zu produzieren
- Fortschrittliche Elektronik dank Zusammenarbeit mit chinesischen Herstellern
- VW sucht nach Gewinneinbruch nach neuen Geschäftsmodellen
Das Auto der Zukunft wird in China entwickelt: Elektrisch, preiswert und vollgestopft mit modernster Technologie. Das erkennen inzwischen auch die deutschen Hersteller.
So setzt die VW-Gruppe seit kurzem aufs Motto «in China for China». Das bedeutet, dass Autos wie die ID.Unyx-Modelle oder der berühmte «Audi ohne Ringe» in China exklusiv für die chinesische Kundschaft entwickelt und nur dort verkauft werden. Doch Letzteres könnte sich bald ändern.
VW prüft Produktion in Deutschland
VW prüfe, in China entwickelte Modelle in Deutschland für den europäischen Markt zu bauen, sagte Gruppen-CEO Oliver Blume (57) laut der «Automobilwoche» kürzlich an einer Telefonkonferenz. Blume betonte jedoch, dass es sich dabei um «Optionen» handle. Es gebe noch «keine konkreten Pläne».
Trotzdem ist die Aussage bemerkenswert. Wenn VW-Modelle für den europäischen Markt bald im chinesischen Hefei statt in Wolfsburg entwickelt werden, beweist das, wie wichtig China inzwischen für die globale Autoindustrie ist.
Zusammenarbeit mit Xpeng
Die chinesischen VW-Modelle zeichnen sich dank der Zusammenarbeit mit Xpeng durch eine besonders fortschrittliche Elektronik aus. Diese schafft die Grundlage für KI-Cockpit-Funktionen, Assistenzsysteme und Over-the-Air-Updates für das gesamte Auto.
Preislich dürfen VW-Fans wohl keine grossen Sprünge erwarten. So startet der ID.Unyx 08 in China beispielsweise bei umgerechnet gut 26'000 Franken. Doch erfahrungsgemäss kosten chinesische E-Autos in Europa mindestens doppelt so viel wie im Heimatmarkt. Dazu kommt, dass VW die Modelle in Deutschland bauen würde, wo die Lohnkosten weit höher liegen.
Interessant wäre die Submarke Jetta für den europäischen Markt, wo bisher teure Stromer dominieren. VW zielt damit auf das Einstiegssegment und einen Preis von unter 100'000 Yuan (umgerechnet rund 11'000 Franken) ab. Solche E-Autos sind in Europa aktuell noch Mangelware.
Deutsche Fabriken auslasten
Für VW geht es bei den Erwägungen um viel Geld. Der deutsche Autobauer steckt in einer tiefen Krise: 2025 brach der Gewinn um fast die Hälfte ein. Im Zuge eines grossen Sparprogramms wollen die Deutschen die Zahl der Modelle senken, Stellen abbauen und die Fabriken besser auslasten.
Chinesisch entwickelte VW-Modelle könnten helfen, deutsche Fabriken auszulasten und Arbeitsplätze zu sichern, schreibt die «Automobilwoche». Dazu kommt, dass VW bisher mit E-Autos weniger Geld verdient als mit vergleichbaren Verbrennern. Ein wichtiger Grund dafür sind die Entwicklungskosten. Eine künftige Entwicklung in China wäre also auch eine Sparmassnahme.