Darum gehts
- Der Mission S ist keine Sonderserie, sondern Basis einer Mittelmotor-Reihe oberhalb des 911
- Porsche nennt keine Antriebsdaten; Hinweise sprechen für acht Zylinder und 750 PS oder mehr
- Im Cockpit gibt es fünf Rundinstrumente, linkes Zündschloss und kein festes Center-Display
Porsche-Chef Michael Leiters (55) stellt klar, dass der Mission S die Basis für eine dauerhafte Mittelmotor-Supersportwagenplattform bildet, die oberhalb der Ikone 911 positioniert wird: «Mit dem Mission S geben wir einen Ausblick auf die Ideen und die gestalterischen Merkmale, die Porsche in den kommenden Jahren prägen werden.» Es handelt sich ausdrücklich nicht um eine limitierte Sonderserie, sondern um die Ankündigung einer künftigen Modellreihe für eine besonders anspruchsvolle Klientel der Stuttgarter.
Stilistisch ist das von Porsche-Designchef Tobias Sühlmann verantwortete Showcar eine Wohltat und ein längst überfälliger Schritt zurück zu den unverfälschten Kernwerten der Marke. Die aufgeräumte und sehr reduzierte Linienführung tut dem Auge gut, nachdem die jüngsten Facelifts und Modellüberarbeitungen von 911, Panamera und Co. mit oft überladenen, zerklüfteten Details nicht immer den Nerv der treuen Kundschaft trafen.
Achtzylinder im Anmarsch?
Der Mission S setzt stattdessen auf klassische Proportionen mit prägnanten Torpedo-Kotflügeln, einer flachen Frontpartie in GT1-Anlehnung sowie fein gezeichneten Fugen, die an das historische G-Modell erinnern. Die geschwungene Dachlinie zieht sich wie beim Porsche 959 bis tief ins Heck durch, während die prägnanten Leichtbau-Felgen das unvergessene Wählscheiben-Design des 928 aufgreifen. So selbstbewusst Porsche das Design präsentiert, so auffällig in Schweigen hüllen sich die Stuttgarter bei den konkreten technischen Daten des Antriebs. Wer die Studie jedoch genau analysiert, stösst auf verräterische Details. Ein technisches Highlight der Mittelmotor-Architektur ist das horizontal positionierte Lüfterrad zur Kühlung. Eine solche Anordnung gab es in der Porsche-Historie eigentlich nur bei reinrassigen Rennsport-Prototypen mit acht oder zwölf Zylindern wie dem legendären Porsche 917.
Das Lüfterrad verrät den Anspruch des Mission S: Ein normaler Sechszylinder-Boxer reicht nicht aus, um Abstand zum 911 zu halten. Die Serienversion braucht mindestens acht Zylinder. Ins Bild passt dazu auch das offizielle Preview-Video von Porsche: Im digitalen Instrumentencluster ist eine Drehzahlgrenze von 7500 Umdrehungen pro Minute zu erkennen. Dieses Drehzahlband spricht für ein aufgeladenes Turbo-Setup und schliesst gleichzeitig aus, dass das Triebwerk aus dem künftigen 992.2 GT3 RS im Mission S Einzug hält, denn dessen Erlkönige jubeln trotz aller Gerüchte weiterhin bis zu 9000 Touren. Die Leistung des serienmässigen Topmodells dürfte weit über allen 911-Varianten liegen – wohl bei üppigen 750 PS oder mehr.
Radikale Absage an den Bildschirm-Wahn
Im Innenraum servieren die Zuffenhausener eine erfrischende Absage an den Branchentrend zur totalen Bildschirm-Überfrachtung. Die Cockpit-Architektur orientiert sich an Ikonen wie dem 356 und rückt den Piloten radikal in den Mittelpunkt. Hinter dem Lenkrad blickt der Fahrer auf fünf charakteristische Rundinstrumente mit einem zentralen, analogen Drehzahlmesser, der sich je nach gewähltem Fahrmodus dynamisch an den Fahrer annähert. Der Zündschlüssel sitzt Porsche-typisch links, ergänzt durch haptische Push-Pull-Schalter in der Armaturentafel. Auf ein fest verbautes Center-Display oder einen Bildschirm für den Beifahrer verzichtet der Mission S komplett. Stattdessen wird das eigene Smartphone über eine ausfahrbare Magsafe-Halterung zur flexiblen Steuerungszentrale für Navigation und Infotainment eingebunden.
Mit dem Mission S zeigt Porsche eindrucksvoll, wie die Synthese aus historischer DNA und zukunftssicherer Supersportwagen-Architektur aussehen kann. Wenn die Zuffenhausener den Mut besitzen, die gelungene, cleane Hülle tatsächlich mit einem faszinierenden Achtzylinder-Biturbo in Serie zu bringen, dürfte den etablierten Konkurrenten in Maranello und Woking ein gewaltiger Sturm bevorstehen. Auch die Aktionäre freut es: Ein Super-Porsche für 500'000 Franken spült ordentlich Geld in die Kasse.