Darum gehts
- Hyundai lanciert den Ioniq 3 im Segment der Kompaktstromer ab Herbst 2026
- Preis ab circa 30'000 Franken, Reichweite bis 496 km, moderner Innenraum
- Mit 441 Liter Kofferraumvolumen bietet er einen der grössten Stauräume seiner Fahrzeugklasse
Der Kampf unter den Kompaktstromern ist lanciert: VW hat mit dem lange angekündigten ID. Polo und dem SUV-Pendant ID. Cross den Fehdehandschuh geworfen. Beide Modelle sollen noch dieses Jahr zu Preisen ab rund 25'000 bis 30'000 Franken zu den Händlern rollen und den Elektroantrieb endlich auch einer preissensibleren Kundschaft schmackhaft machen. Auf Volkswagens MEB+-Plattform folgen 2026 zudem der Cupra Raval und der Skoda Epiq. Aus Europa ist ausserdem Renault mit seinen Retromodellen 4 und 5 schon länger im Segment der bezahlbaren Stromer vertreten.
Dort will nun auch Hyundai angreifen: Konzerntochter Kia hat erst kürzlich den bei uns Ende Monat startenden Elektro-SUV EV2 enthüllt, der mit einer Länge von 4,06 Metern ebenfalls bei rund 25'000 Franken beginnen soll. Auf gleicher Plattform folgt im Herbst der nun in Mailand enthüllte Hyundai Ioniq 3, der mit 4,16 Meter wiederum die quasi identischen Aussenmasse von VW ID. Cross und Skoda Epiq übernimmt. Welche Konkurrenten Hyundai mit dem Ioniq 3 anpeilt, der ebenfalls bei knapp unter 30'000 Franken starten soll, ist also kein Geheimnis. Der Konkurrenzkampf der Hersteller bringt für die Kunden viele Vorteile. Denn die neuen Produkte sind keine Schnellschüsse, sondern wirken durchdacht, solide und vor allem realistisch bepreist.
Hyundais Konkurrenten im Kompaktsegment:
| Marke/Modell | Länge | Batteriegrösse | Reichweite WLTP | Preis |
| Hyundai Ioniq 3 | 4,16 m | 42/61 kWh | 355/496 km | ab ca. 30'000 Fr. |
| Kia EV2 | 4,06 m | 42/61 kWh | 317/453 km | ab ca. 25'000 Fr. |
| Renault 4 | 4,14 m | 40/52 kWh | 308/409 km | ab 29'500 Fr. |
| Cupra Raval | 4,05 m | 37/52 kWh | 300/450 km | ab 26'700 Fr. |
| Skoda Epiq | 4,17 m | 37/52 kWh | 315/430 km | ab ca. 25'000 Fr. |
| VW ID. Cross | 4,16 m | 37/52 kWh | 300/420 km | ab ca. 30'000 Fr. |
| VW ID. Polo | 4,06 m | 37/52 kWh | 300/450 km | ab ca. 25'000 Fr. |
Optisch tritt der Ioniq 3 allerdings deutlich progressiver als seine europäischen Gegenspieler auf. Grundsätzlich wirkt die Silhouette sehr modern und erfrischend kompakt. Doch die Designer haben es besonders in sportlicher N-Line-Ausstattung fast schon etwas übertrieben: Schwarze Kontrastelemente, üppige Spoilerlippen und massive 19-Zoll-Räder lassen das an sich klare Fliessheck-Design überladen wirken. Denn eines ist der Hyundai Ioniq 3 sicher nicht: ein Sportwagen.
Solide Elektrotechnik
Unterm Blech regiert die kühle Strenge der Buchhalter. Um den Preis von unter 30'000 Franken zu realisieren, nutzt der Ioniq 3 die E-GMP-Plattform nur mit einer 400-Volt-Architektur anstelle des teuren 800-Volt-Systems der grösseren und teureren Modelle. Das bedeutet: Laden von 10 auf 80 Prozent dauert unterwegs knapp 30 Minuten. Doch in dieser Klasse ist das Schnellladen eher zweitrangig. Der Einsatzradius dürfte sich grösstenteils in Stadt und Agglo, nicht der Langstrecke abspielen. An der heimischen Wallbox und der öffentlichen Supermarkt-Ladesäule zieht der Ioniq 3 aber einen Trumpf: Er lädt gegen Aufpreis mit 22 kW am Wechselstrom, was im Alltag ein echtes Plus darstellt.
Die Batterien mit 42 kWh oder 61 kWh Kapazität teilt sich der Ioniq 3 mit dem Kia EV2. Die kleinere Batterie greift auf robustes Lithium-Eisenphosphat zurück, während das Topmodell die leistungsfähigeren Nickel-Kobalt-Mangan-Zellen spendiert bekommt. Bei der Motorleistung gibts ein Kuriosum: Die kleine Batterie bekommt mit 147 PS (108 kW) den stärkeren Motor, während es das Long-Range-Modell mit 135 PS (100 kW) bewenden lassen muss. Dank aerodynamischer Fliessheck-Form holt der Hyundai mehr Reichweite aus den Zellen als der boxige Kia EV2. Mit dem grossen Akku sollen über 490 Kilometer möglich sein, mit dem kleinen noch 335 Kilometer. Damit schlägt er auch die vorläufigen Werte der kommenden VW-Kompaktstromer.
Modernes Digitalcockpit
Der wirkliche Trumpf des Ioniq 3 offenbart sich jedoch, wenn man hinter dem Steuer Platz nimmt. Hier feiert das neue Pleos Connect-System basierend auf Android Automotive OS seine Premiere. Auf wahlweise 12,9 oder 14,6 Zoll grossen Screens macht Hyundai in Sachen Bedienbarkeit, Reaktionsschnelligkeit und Menüführung einen gigantischen Sprung. Das digitale Cockpit wirkt modern, logisch strukturiert und aufgeräumt. Spannend ist die neue Infotainment-Architektur vor allem deshalb, weil sie dem Kia EV2, der prinzipiell ein 1:1-Zwilling in Sachen Technik ist, verwehrt bleibt.
Dank eines Radstands von 2,65 Metern erlebt man in Sachen Platzangebot ebenfalls eine echte Überraschung. Die Bewegungsfreiheit vorne ist auf Golf-Niveau und die Kniefreiheit im Fond ist für diese Fahrzeugklasse exzellent. Doch es gibt auch Raum für Kritik: Die nach hinten abfallende Dachlinie fordert ihren Tribut beim Kopfraum in der zweiten Reihe. Gepaart mit den schmal zulaufenden Fensterlinien entsteht auf der Rückbank dadurch ein umschlossener Kokon-Effekt.
Doch auf der anderen Seite birgt das relativ lange Heck Platz für den grössten Kofferraum der Klasse. Insgesamt 441 Liter Stauraum sind eine Ansage. Dieser Wert setzt sich zusammen aus 322 Litern regulärem Ladeabteil und cleveren 119 Litern in der sogenannten Megabox im Unterboden. Das schlägt die Konkurrenz im Alltag und reicht locker für den grossen Familien-Wocheneinkauf.