Horrorunfälle befeuern Diskussionen
Braucht es ein PS-Limit für Junglenker?

Horrorunfälle befeuern die Diskussion um eine PS-Beschränkung für junge Autofahrer. Der Leasinganbieter Gowago vergibt schon heute keine hochmotorisierten Autos an Leute unter 25. Welche Überlegungen stecken dahinter?
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In Glattbrugg ZH starben im September bei einem Unfall eines 19-jährigen Rasers zwei Menschen.
Foto: BRK News

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Gowago lehnt Leasing hochmotorisierter Autos für unter 25-Jährige ab
  • Die Grenze von Gowago liegt bei 300 PS für Verbrenner und 400 PS für E-Autos
  • Road Cross Schweiz fordert gesetzliche PS-Beschränkung für Junglenker
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Gabriel KnupferRedaktor News

Mehrere schwere Raserunfälle sorgten in den letzten Monaten bei uns für Schlagzeilen. Beim schlimmsten Vorfall im September in Glattbrugg ZH raste ein 19-Jähriger mit seinem BMW X5 in eine Gruppe von fünf Personen auf dem Trottoir. Eine Mutter (†70) und ihr Sohn (†29) starben noch auf der Unfallstelle.

Solche Horrorunfälle befeuern die Diskussion um ein PS-Limit für junge Autofahrer. Kroatien und Italien haben schon länger Begrenzungen für Neulenker. So dürfen italienische Fahranfänger in den ersten drei Jahren nur Autos mit einer beschränkten Leistung fahren.

Kein Leasing für Junglenker

Eine ähnliche Regel setzt der Leasinganbieter Gowago in der Schweiz bei seinen Kunden durch. «Wir vergeben keine hochmotorisierten Autos an Fahrer unter 25», sagt Chief Experience Officer Simon Smit (46) zu Blick. Die Grenze von Gowago liegt bei 300 PS für Verbrenner und 400 PS für E-Autos.

Man orientiere sich dabei an den Herstellern. Dazu muss man wissen: Bei Audi, BMW und Co. fangen Sportvarianten oft bei rund 300 PS an. Die höhere Limite für E-Autos sei gerechtfertigt, weil diese wegen der Batterie schwerer sind und über bessere Assistenzsysteme verfügen. So lässt sich zum Beispiel das ESP bei vielen Stromern nicht ausschalten.

«Mit 25 ein anderes Risikoverhalten»

Für Smit ist klar: «Mit 25 ist man reifer und hat ein anderes Risikoverhalten als mit 18.» Aber ist die Regel fair für alle Neulenkenden, die keine Raser sind? «Eine fixe Altersgrenze ist transparenter und gerechter als andere Kriterien, die schnell diskriminierend wären», meint der Gowago-Manager.

Ähnlich sieht es Willi Wismer (60), Fahrlehrer und Stiftungsratspräsident von Road Cross Schweiz: «Wir wissen aus der Gehirnforschung, dass der jugendliche Leichtsinn mit 25 bei den meisten Menschen vorbei ist.» Vor diesem Alter brauche es eine Leistungsbeschränkung wie bei Motorrädern.

«Es braucht ein Gesetz»

Natürlich wäre es schön, wenn Händler oder Leasinganbieter Junglenkern keine hochmotorisierten Boliden verkaufen, sagt Wismer. «Doch es braucht ein Gesetz, um das wirklich flächendeckend umsetzen zu können. Sonst finden die Jungen immer einen Anbieter.»

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Solche Erfahrungen macht auch Smit. «Viele, die wir ablehnen, gehen einfach zu einem anderen Anbieter.» Die Gowago-Verkäufer würden aber immer versuchen, die Interessenten von einem anderen Auto zu überzeugen. «Manchmal gelingt das und manchmal gibt es halt eine schlechte Bewertung bei Google.»

Bundesrat ist gegen PS-Beschränkung

2022 lehnte der Nationalrat eine Motion von SP-Politikerin Gabriela Suter (53) ab, die eine PS-Beschränkung für Junglenker verlangte. Der Bundesrat beantragte die Ablehnung. Die Regierung verwies darauf, dass nur 3,6 Prozent der 1524 Unfälle im Jahr 2019 mit Getöteten oder Schwerverletzten von Neulenkern mit einem Fahrzeug mit über 136 PS verursacht wurden.

Für Wismer ist aber klar: Jeder Raserunfall ist einer zu viel. «Dabei geht es nicht nur um die Person am Steuer, oft verlieren Menschen unverschuldet ihr Leben durch Raser.» Es sei nicht nachvollziehbar, dass der Bundesrat offenbar bereit sei, eine bestimmte Zahl von Opfern in Kauf zu nehmen.

Auch für Smit ist die geringe Zahl kein Grund, die Vergabepolitik zu ändern. Die Zahl des Bundesrates entspreche etwa einem schweren Unfall pro Woche. «Wenn wir das verhindern können, dann kann ich gut damit leben, dass sich einige junge Fahrer ungerecht behandelt fühlen.»

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