Mega-Abschreiber wegen E-Autos
Der 73-Milliarden-Fehler der Autoindustrie

Eben schrieben General Motors, Ford, Stellantis, Honda und Porsche total rund 73 Milliarden für Elektro-Investitionen ab. Ironie des Schicksals: Bringt jetzt der Iran-Konflikt die endgültige Elektro-Wende in der Autoindustrie?
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Weil die Weltgeschichte immer wieder kaum vorhersehbare Wendungen bereithält, zuletzt der Angriff von US-Präsident Donald Trump auf den Iran, sind überhastete und einseitige Reaktionen stets ein Fehler.
Foto: imago/UPI Photo

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Autoindustrie kämpft mit Elektro-Strategie: Verluste und Kurswechsel prägen die Branche
  • 73 Milliarden Dollar Abschreibungen bei Elektro-Investitionen der grossen Hersteller
  • Technologieoffenheit bleibt entscheidend, Batterielebensdauer ein Risikofaktor für Käufer
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Arthur Konrad

In den letzten Jahren gleicht die Fahrt der Autoindustrie einem orientierungslosen Öltanker bei stürmischer See. Erst das Dieselhoch, dann der Dieselskandal, der in einer «Alles auf Elektro»-Strategie mündete. Hier spielte global gesehen der Grossteil der Kunden nicht mit, worauf in letzter Zeit wieder heftig Richtung Verbrenner zurückgerudert wurde. Jetzt gehen anlässlich des Iran-Konflikts die Treibstoffpreise durch die Decke, und jeder denkt über den Kauf eines Elektroautos nach.

Was lässt sich daraus lernen? Dass die Weltgeschichte immer wieder kaum vorhersehbare Wendungen bereithält und deshalb überhastete, zu einseitige Reaktionen stets ein Fehler sind. Richtig ist, dass Europa seine Abhängigkeit von fossilen Energiequellen drastisch verringern muss. Andererseits gefährdet eine zunehmende Deindustrialisierung den Wohlstand. Und Wohlstand ist die Basis für einen Neuwagenkauf. Egal, ob Elektro oder Verbrenner.

Abschreiber in Höhe der aktuellen US-Mondmission

Es ist also wie bei fast allem im Leben eine Frage der Gewichtung. Womit wir bei den Fehlern der Autohersteller wären, die es in Zukunft besser zu vermeiden gilt. Jüngste Bilanz-Veröffentlichungen zeigten, dass General Motors (6 Milliarden Dollar), Ford (19,5 Milliarden Dollar), Stellantis (26,5 Milliarden Dollar), Honda (15,7 Milliarden Dollar) und Porsche (4,7 Milliarden Euro) gewaltige Abschreibungen für Elektroinvestitionen vorgenommen haben. Total ergibt das 73 Milliarden Dollar – was fast den Kosten der aktuellen US-Mondmission Artemis 2 entspricht.

Und da sind die Gewinneinbussen noch nicht dabei, die der VW-Konzern und Mercedes zweifellos erlitten haben, weil Verbrenner die Elektroproduktion quersubventionieren. Die genauen Zahlen werden wir vermutlich nie erfahren. Die Gewinneinbrüche sind aber klar ersichtlich. Toyota und BMW haben nicht alles auf eine Karte gesetzt und damit vieles richtiger gemacht.

Nun könnte man anmerken, dass Donald Trump die E-Förderung gestrichen hat und China zu einem unlösbaren Problem für die europäische Autoindustrie geworden ist. Ein furchtbarer, vorhersehbarer Fehler der EU-Politik. Wurde man von den Chinesen auf ein Schlachtfeld geführt, wo sie enorm im Vorteil sind – von der Verfügbarkeit von Batterie-Rohstoffen bis zur undogmatischen, möglichst billigen Stromproduktion. Und was das Wegbrechen der Subventionen betrifft: Keiner der grossen Technologiesprünge der Menschheit hat staatliche Hilfsmassnahmen gebraucht. Pferde wurden nicht höher besteuert, um dem Automobil bessere Chancen zu geben. Dem Siegeszug des Internets ging kein Verbot von Fax-Geräten voraus.

Das Rechenmodell der E-Mobilität muss sich bewähren

Die Ölpreis-Krisen von 1973, 1979 und 2022 waren jeweils nach wenigen Monaten beendet. Und alle dazwischenliegenden Endzeit-Szenarien haben sich bisher nicht bewahrheitet. Hoffen wir also, dass es auch diesmal so läuft. Im Alltag muss sich jenseits von ideologischen Präferenzen vor allem das Rechenmodell der E-Mobilität bewähren. Durch sinkende Kaufpreise und die bessere Ladesituation sieht es heute schon deutlich günstiger aus als noch vor ein paar Jahren.

Es kommt aber immer stark auf die individuelle Lebenssituation an. Einfamilienhäusler mit PV-Anlage sind klar im Vorteil gegenüber Menschen, die zu 100 Prozent auf die öffentliche Ladesituation angewiesen sind. Und solange es keine mehrheitlichen Erfahrungen von E-Autos mit Kilometerleistungen jenseits der 300'000 Kilometer gibt (was von einem Verbrenner heute verlangt wird), bleibt die Lebensdauer der Batterie ein ernst zu nehmender Risikofaktor. Für die Hersteller wird also Technologieoffenheit und ein möglichst breites Angebot auch in den nächsten Jahren die entscheidende Überlebensfrage sein.

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