Härtere Kontrollen gefordert
Handy-Problem am Steuer grösser als gedacht

Gefährlicher Trend: Jährlich soll es in Deutschland bis zu einer Milliarde Handyverstösse am Steuer geben! Der ADAC fordert härtere Kontrollen, um schwere Unfälle durch Ablenkung zu verhindern. Der Bundesrat sieht keinen Handlungsbedarf.
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In Deutschland werden jährlich 400'000 Handy-Sünder gebüsst.
Foto: Bastian Fischer

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • ADAC schätzt jährlich eine Milliarde Handyverstösse am Steuer in Deutschland.
  • 262 Autofahrer und 125 Radfahrer in fünf Städten bei Handyverstoss ertappt.
  • 70 Prozent der Deutschen unterstützen Einführung automatisierter Handy-Blitzer.
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Lorenzo FulviRedaktor Auto&Mobilität

Offiziell werden in Deutschland jährlich 400'000 Handy-Sünder am Steuer erwischt. Doch die Dunkelziffer soll gigantisch sein: Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club ADAC schätzt die Zahl der heimlichen Verstösse auf rund eine Milliarde.

Eine aktuelle Verkehrsbeobachtung in den fünf deutschen Grossstädten Berlin, Hamburg, München, Köln und Frankfurt am Main liefert erschreckende Zahlen. Der ADAC kontrollierte während 50 Stunden 9573 Autofahrer und 9239 Velofahrer. Das Resultat: 262 Handyverstösse im Auto und 125 auf dem Velo. Das entspricht einer Quote von 2,7 Prozent bei den Auto- und 1,4 Prozent bei Velofahrern. In den meisten Fällen wurde das Smartphone nicht zum Telefonieren ans Ohr gehalten, sondern für das Lesen und Schreiben von Nachrichten oder andere Funktionen genutzt.

Mehr als 50 Prozent nutzen Handy während Fahrt

Rechnet man diese Zahlen auf den Gesamtverkehr in Deutschland hoch, ergibt das eine Grössenordnung von etwa einer Milliarde Handyverstösse am Steuer pro Jahr. Das Ablenkungsrisiko kann mörderisch sein: Wer bei Tempo 50 nur zwei Sekunden lang auf sein Smartphone starrt, fährt 28 Meter weit im absoluten Blindflug über die Strasse. Besonders im Stadtverkehr kann dies lebensgefährlich sein, etwa wenn plötzlich Fussgängerinnen auftauchen.

Eine Umfrage des ADAC zeigt das Ausmass des Problems: Mehr als die Hälfte der Autofahrer gab zu, das Smartphone schon während der Fahrt benutzt zu haben. Zudem berichteten 41 Prozent der Befragten von gefährlichen Situationen im Strassenverkehr, die durch die Handynutzung anderer Verkehrsteilnehmenden verursacht wurden. «Die Ablenkung durch moderne Smartphones ist eine der grössten Herausforderungen für die Verkehrssicherheit», so der ADAC.

Um gegen diese massive Gefahr vorzugehen, werden automatisierte Kontrollen wie sogenannte Handy-Blitzer diskutiert. Laut dem Automobilclub befürworten rund 70 Prozent der Befragten die Einführung solcher Systeme. Die Technik, die bereits in einigen Ländern getestet wird, erkennt mit speziellen Kameras, ob Autolenker während der Fahrt ihr Smartphone in der Hand halten. Der ADAC fordert daher eine rechtliche Grundlage für den flächendeckenden Einsatz solcher Systeme.

In der Schweiz droht 100-Franken-Busse

Auch die Schweiz diskutiert seit längerem über diese Blitzer. So forderte SP-Nationalrätin Gabriela Suter (53, AG) bereits 2023, dass Kantone Pilotprojekte für die Einführung von Handy-Blitzern durchführen dürfen. Der Bundesrat sah dafür jedoch keine Dringlichkeit. In seiner Antwort auf Suters Vorstoss schrieb er, die Fokussierung auf Handy-Blitzer erachtet er als nicht zielführend.

In Deutschland drohen Handy-Sündern neben Bussgeldern auch Punkte in Flensburg. In der Schweiz ist die Strafe ähnlich: Wer am Steuer mit dem Telefon in der Hand erwischt wird, zahlt 100 Franken Ordnungsbusse – bei Unfällen aufgrund dieser Ablenkung droht sogar der Ausweiszug.

Trotz Verboten bleibt das Handy am Steuer ein Riesenproblem. Expertinnen fordern deshalb schärfere Kontrollen, um die Unfallgefahr zu senken. Wie viele Handy-Sünder die Schweizer Polizei jährlich büsst, ist unklar – Ordnungsbussen werden statistisch zwar erfasst, jedoch nicht nach Vergehen unterschieden. Im Jahr 2025 wurden in der Schweiz 5154 Verwarnungen und 9427 Ausweisentzüge aufgrund von Unaufmerksamkeit und/oder Ablenkung festgestellt. Dazu zählt auch die Nutzung eines Mobiltelefons während der Fahrt. Es ist jedoch nicht klar, wie viele davon genau aufgrund der Handynutzung zurückzuführen sind. Klar ist nur: Im Jahr 2025 krachte es hierzulande 205-mal, weil das Telefon den Fahrer ablenkte.

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