Darum gehts
- Im Südtirol wird das Grödner Joch testweise ab 1. September gesperrt
- Bis zu 11'000 Fahrzeuge fahren täglich über den Pass im Sommer
- Ab 2027 könnte der Pass von Mai bis Oktober dauerhaft für den Durchfahrtsverkehr gesperrt sein
Pfingsten und dann die Sommerferien rücken näher und damit an vielen schönen Orten in den Alpen die jährliche Besucherinvasion. Das Südtirol kämpft besonders mit den Touristenmassen. Mit immer neuen Beschränkungen versuchen die italienischen Behörden den Ansturm in geordnete Bahnen zu lenken.
Jüngstes Beispiel: Ab 1. September 2026 gilt ein Fahrverbot für das Grödner Joch. Die berühmte Passstrasse zwischen dem Grödnertal (Val Gardena) und dem Gadertal (Val Badia) wird für zwei Monate für den Durchfahrtsverkehr gesperrt.
Bis zu 11'000 Fahrzeuge pro Tag
Die Sperre ist ein Testlauf: Falls sie sich bewährt, soll der Pass ab 2027 zwischen Mai und Oktober dauerhaft für den motorisierten Verkehr gesperrt werden. Der Hintergrund: An Sommertagen fahren laut dem deutschen Automobilclub ADAC bis zu 11'000 Fahrzeuge über das Grödner Joch.
Ausgenommen sind Anwohner, Übernachtungsgäste und Lieferanten. Freuen dürfen sich neben den Bewohnern der beiden Täler auch die zahlreichen Velofahrer, die den Pass jeden Sommer in Angriff nehmen. Diese werden das wunderbare Panorama in Zukunft möglicherweise gefahrloser geniessen können.
Kampf an vielen Fronten
Bereits im letzten Jahr verbot die Gemeinde Wolkenstein in Gröden jegliches Übernachten im Fahrzeug oder im Freien. Damit sollte den Wildcampern ein Riegel geschoben werden, die in der Vergangenheit oft Müllberge hinterliessen und kaum etwas vor Ort konsumierten.
Auch andere Tourismus-Hotspots im Südtirol haben auf den Massentourismus reagiert: So ist die Zufahrt zum Pragser Wildsee seit 2022 kontingentiert. Wer im Sommer mit dem eigenen Auto zur Traumkulisse will, muss vorher online einen Parkplatz reservieren oder eine Durchfahrtsgenehmigung beantragen. Für die Durchfahrtsgenehmigung werden 20 Euro fällig, die mit einem Einkauf oder einem Restaurantbesuch gegenverrechnet werden können, wie der «Münchner Merkur» berichtete.
Strenge Regel im Tirol
Im benachbarten Tirol in Österreich gelten ebenfalls strenge Verkehrsregeln für den Reiseverkehr. Dort ist es an bestimmten Tagen (Wochenenden, Feiertage) während der Sommer- und Wintersaison verboten, die Autobahnen und Hauptstrassen zu verlassen, wenn man kein regionales Ziel ansteuert. Erste Bilanz: In der letzten Wintersaison 2025/2026 registrierten die Behörden laut ADAC 411'000 Verstösse.
Klar ist: Solche Massnahmen sind umstritten. Kritiker sprechen von Abzockerei. Doch der Tourismus ist für viele Alpenbewohner ein zweischneidiges Schwert – auch in der Schweiz. Besonders bei Tagestouristen und Wildcampern ist die touristische Wertschöpfung gering. Die betroffenen Orte versuchen deshalb, die Zahl der Besuchenden zu reduzieren und gleichzeitig höhere Einnahmen pro Kopf zu generieren.