Darum gehts
- US-Autofahrer verklagt Toyota und Versicherer Progressive wegen Datennutzung
- Viele neue Autos erfassen und verkaufen Fahrerdaten
- TCS-Experte: Autokäufer können Weitergabe-Klauseln oft nicht ablehnen
Neue Autos sammeln Unmengen an Nutzerdaten. Ein Fall in den USA zeigt, welche finanziellen Folgen das haben kann.
Was ist passiert? Am Tag, bevor sich Philip Siefke nach einer neuen Auto-Versicherung umsehen wollte, trat er beim Fahren stark auf die Bremse seines Toyota RAV4. Als er keine 24 Stunden später beim Versicherer eine Offerte einholte, wusste dieser bereits von dem Vorfall, wie der Sender CNN berichtet.
«Viele Fahrzeuge übermitteln Daten»
Der Grund: Siefke hatte beim Kauf des Autos unwissentlich zugestimmt, dass Toyota Informationen über seine Fahrgewohnheiten erhebt und weiterverkauft. Seine Versicherungsprämie stieg in der Folge von 300 auf 400 Dollar pro Monat. Nun verklagt er den Autohersteller und den Versicherer Progressive.
Der Autofahrer fühlt sich über den Tisch gezogen, doch das Vorgehen von Toyota ist kein Einzelfall und wäre auch in der Schweiz möglich. «Viele Fahrzeuge übermitteln Daten an den Hersteller», sagt Experte Erich Schwizer von TCS Test & Technik. «Darunter hat es auch Daten, die dazu geeignet sind, den Fahrstil des Lenkers zu erkennen.»
Hinweise auf den Fahrstil
So lassen sich laut Schwizer anhand der Zahl der Gurtstraffungen beispielsweise starke Bremsmanöver erkennen, was Hinweise auf den Fahrstil gibt. Und die Zahl der Fahrersitz-Justierungen erlaubt Rückschlüsse auf die Anzahl Fahrer. Besonders viele Daten zeichnen dabei Elektroautos auf, wo unter anderem der Ladezustand der Batterie lückenlos aufgezeichnet wird.
Viele Daten dienen dem Hersteller zum Erkennen von Problemen. Er kann damit also sein Produkt verbessern. Doch Schwizer weiss: «Natürlich können Daten auch einen falschen Umgang mit dem Fahrzeug dokumentieren.»
Ablehnung ist schwierig
In den USA müssen Autokäufer rechtlich der Erfassung und dem Verkauf ihrer Daten zustimmen. Aber diese Zustimmung sei oft tief im Kleingedruckten der Dokumente verborgen, die man beim Autokauf unterschreibt, warnt das Beratungsunternehmen Telemetry.
Auch in der Schweiz sei es schwierig, der Datensammelei einen Riegel zu schieben, sagt Schwizer. «Die Kaufverträge für Neufahrzeuge enthalten in der Regel Klauseln, die die Weitergabe der Daten an den Hersteller und sein Netzwerk erlauben, ohne jedoch die verarbeiteten Daten und die Zweckbestimmungen detailliert zu nennen.»
Einfach ablehnen gehe nicht: «Wenn die Käufer diesen Klauseln nicht zustimmen, laufen sie Gefahr, keinen Zugang zu den angebotenen Diensten zu haben oder allenfalls sogar das Auto nicht zu bekommen.»
Lukratives Geschäft
Der gläserne Fahrer ist damit Realität. Dazu kommt: «Nebst der Autoindustrie sammeln auch IT-Unternehmen wie Apple oder Google Nutzerdaten, sobald das Smartphone mit dem Auto verbunden ist», erklärt Schwizer. Für die Firmen ist der Verkauf von Nutzerdaten ein lukratives Geschäft.
Am Wandel der Autos zu fahrenden Datenkraken sind aber auch die Kunden selbst mitschuldig. Denn neue Autos werden unter anderem auf Wunsch der Konsumenten zunehmend mit drahtlosen Kommunikationsmitteln und vernetzten Services ausgerüstet. «Wer zum Beispiel Stauinformationen empfangen möchte, muss tolerieren, dass sein Standort verfolgt werden kann», sagt der Experte.