Darum gehts
- Die EU plant ab 2030 Tempolimit-Technologie in Neuwagen verpflichtend einzuführen
- System greift automatisch ein, wenn Fahrer das Tempolimit überschreitet
- 95 Prozent der in der Schweiz verkauften Autos sind nach EU-Regeln gebaut
Die EU will Raser endgültig ausbremsen: Nun prüft sie eine Technologie, die Temposünden automatisch einen Riegel schiebt. Laut der Zeitung «The Mail on Sunday» könnten Geräte, die das Tempolimit durchsetzen, ab 2030 Pflicht in allen Neuwagen werden.
Die EU-Kommission hat noch nicht definitiv über die Verordnung entschieden. Aktuell führt sie Gespräche mit der Autoindustrie. Doch die Stossrichtung ist bekannt: Mit dem Programm «Vision Zero» will Brüssel die Verkehrstoten bis 2050 auf null senken. Dafür werden immer mehr Assistenten zur Pflicht. Schon heute brauchen neue Autos unter anderem Notbrems- und Spurhalteassistenten.
Satelliten bestimmen Position
Beim neuen System orten Satelliten das Auto. Fährt es zu schnell, regelt das System die Geschwindigkeit automatisch auf das erlaubte Tempo herunter, etwa durch eine Reduktion der Motorleistung. Der Fahrer soll die Beschränkung nur noch für kurze Zeit überschreiten können – etwa zum Überholen oder um einer Gefahr auszuweichen.
Kritiker zweifeln an der Zuverlässigkeit. Sie verweisen auf den Tempowarner ISA (Intelligent Speed Assistance), der seit Juli 2024 in EU-Neuwagen Pflicht ist. Dieser soll bei Tempoüberschreitungen piepsen – erkennt das geltende Tempolimit aber häufig falsch.
Fatale Systemfehler
Und dann kann es unter Umständen brandgefährlich werden. Etwa dann, wenn der Assistent das Fahrzeug auf der Autobahn plötzlich von 120 auf 40 abbremsen will, weil er ein Verkehrsschild falsch zuordnet. Die neue Technologie müsste absolut zuverlässig sein – aus heutiger Sicht ist das unrealistisch.
Schon jetzt gibt es ISA-Systeme, die die Kraftstoffzufuhr des Fahrzeugs drosseln, wenn es zu schnell unterwegs ist. Aufgrund der starken Lobbyarbeit der Autokonzerne ist die Technologie bisher aber freiwillig. Die Hersteller können selber entscheiden, welches ISA-System sie einbauen.
Sollte die EU die technische Durchsetzung des Tempolimits beschliessen, betrifft das auch Schweizer Autofahrer. Weil 95 Prozent der hierzulande verkauften Autos nach EU-Vorschriften gebaut sind, werden diese über die neue Ausrüstung verfügen. Einen Trost gibt es aber: Tempobussen dürften dann der Vergangenheit angehören.