Clevere Kooperationen
Das Erfolgsgeheimnis von Leapmotor

Um wieder erfolgreich zu sein, konzentriert sich Stellantis auf die vier Kernmarken Jeep, Ram, Peugeot und Fiat. Und auf die Kooperation mit Chinahersteller Leapmotor, der aktuell wohl interessantesten Marke im Stellantis-Konstrukt.
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Die junge, erst 2015 gegründete Marke Leapmotor agiert äusserst erfolgreich und will in diesem Jahr weltweit über eine Million Autos verkaufen.
Foto: ZVG.

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Leapmotor will 2026 weltweit über eine Million Autos verkaufen
  • Ziel: 4 Mio. jährlich bis 2036 und Vorstoss in die Top Ten der grössten Autobauer
  • CEO Zhu Jiangming setzt auf günstige Autos und strategische Partnerschaften
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Raoul SchwinnenRedaktor Auto & Mobilität

Alles begann 2015 mit einem Geistesblitz in den Ferien. Zhu Jiangming, Mitgründer des Sicherheitskamera-Unternehmens Dahua Technology, sah in Spanien einen elektrischen Renault Twizzy – und schmiss sein Leben um. Über Nacht stoppte der 58-jährige Elektronik-Ingenieur seine Kamera-Produktion. Der vom US-Magazin «Forbes» auf 1,2 Milliarden schwer eingeschätzte Unternehmer wollte nur noch eines: Autos bauen. Nur vier Jahre später rollte der erste Leapmotor vom Band. 

Anfangs müde belächelt, wurde Leapmotor praktisch über Nacht zur Erfolgsmarke mit Potenzial. Zehn Jahre nach der Gründung erreichte der Absatz weltweit fast 600’000 Fahrzeuge – eine Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr. Und 2026 will man global bereits mehr als eine Million Fahrzeuge absetzen. Langfristig sind die Ziele noch ambitionierter: Innerhalb eines Jahrzehnts will Leapmotor vier Millionen Autos pro Jahr verkaufen und so in die Top Ten der grössten Hersteller aufsteigen.

Klar, wer eine gute Produktidee mit einer Zielgruppe von über 1,3 Milliarden potenziellen Kunden hat, hat in China bessere Erfolgschancen als in einem kleinen Land. Doch die Lage in China ist aktuell alles andere als einfach. Über 140 Autohersteller liefern sich einen heissen Preiskampf. Und obwohl dort derzeit wohl nur Branchenriese BYD und im kleinen Rahmen Li Auto überhaupt Geld verdienen, ist Leapmotor-CEO Zhu Jiangming zuversichtlich. Sein Erfolgsrezept: Radikal tiefe Kosten, alles aus einer Hand und schicke Autos, die sich die Leute leisten können. So will er das Feld von hinten aufrollen.

Mithilfe von Stellantis nach Europa

Dazu hatte der Leapmotor-Gründer die Weitsicht, einen internationalen Partner von der Grösse der Stellantis-Gruppe ins Boot zu holen. Er versilberte vor knapp drei Jahren für 1,5 Milliarden Euro 20 Prozent der Unternehmensanteile und gründete die Firma Leapmotor International, an der Stellantis 51 Prozent hält. Denn ohne Hilfe wäre der Sprung in den Westen zu teuer geworden. Doch mit dem mächtigen Stellantis-Konzern im Rücken nutzen die Chinesen einfach das dichte Händlernetz der Europäer. Ein genialer Schachzug: Stellantis liefert die Verkaufsräume, Leapmotor die günstigen Autos.

Leapmotor: Attraktive Modellpalette

Das Leapmotor-Angebot in China umfasst die Modelle T03, Lafa 5 (bei uns B05), B01, C01, A10 (bei uns B03X), B10, C10, C11 und C16 und deckt damit die Segmente Cityflitzer, Kompaktwagen und SUVs verschiedener Grössen ab. In den kommenden Monaten kommen noch der Top-SUV D19 und der erste Minivan D99 dazu.

In der Schweiz gibts aktuell nebst dem rein elektrischen Kleinwagen T03 (ab 16’990 Fr.) auch die qualitativ überraschend hochstehenden, aber dennoch preisgünstigen SUVs B10 (ab 29’900 Fr.) und C10 (ab 37’900 Fr.) mit E-Antrieb oder Range Extender. Neu dazugekommen ist die fünftürige E-Limousine B05 (ab 25’900 Fr.). Und ebenfalls noch 2026 dürfte der in China Ende März lancierte vier Meter lange Crossover A10 (bei uns B03X) starten. Zwar nicht zum China-Hammerpreis von umgerechnet zwischen 9000 und 12’000 Franken, sondern wohl für knapp unter 20’000 Franken – was immer noch sehr attraktiv ist.

Der in China im März als A10 lancierte Crossover soll bei uns noch in diesem Jahr als Leapmotor B03X starten.
Raoul Schwinnen

Das Leapmotor-Angebot in China umfasst die Modelle T03, Lafa 5 (bei uns B05), B01, C01, A10 (bei uns B03X), B10, C10, C11 und C16 und deckt damit die Segmente Cityflitzer, Kompaktwagen und SUVs verschiedener Grössen ab. In den kommenden Monaten kommen noch der Top-SUV D19 und der erste Minivan D99 dazu.

In der Schweiz gibts aktuell nebst dem rein elektrischen Kleinwagen T03 (ab 16’990 Fr.) auch die qualitativ überraschend hochstehenden, aber dennoch preisgünstigen SUVs B10 (ab 29’900 Fr.) und C10 (ab 37’900 Fr.) mit E-Antrieb oder Range Extender. Neu dazugekommen ist die fünftürige E-Limousine B05 (ab 25’900 Fr.). Und ebenfalls noch 2026 dürfte der in China Ende März lancierte vier Meter lange Crossover A10 (bei uns B03X) starten. Zwar nicht zum China-Hammerpreis von umgerechnet zwischen 9000 und 12’000 Franken, sondern wohl für knapp unter 20’000 Franken – was immer noch sehr attraktiv ist.

Doch damit nicht genug. Um seine Position bei den chinesischen Aufsichtsbehörden zu stärken, ging Jiangming Ende 2025 eine weitere Partnerschaft ein. Und zwar mit dem staatlichen Hersteller FAW, an den er fünf Prozent seines Aktienkapitals im Wert von 500 Millionen Euro abgab. Und so schreitet die Expansion zügig voran. Leapmotor verfügt bereits über 950 Vertriebs- und Servicestellen in 300 chinesischen Städten, wo aktuell der Grossteil des Umsatzes erzielt wird. 

In Europa ist Leapmotor aktuell die viertmeistverkaufte Chinamarke – hinter MG, BYD und Chery. Doch auch auf unserem Kontinent hat Jiangming mit seiner Marke grössere Pläne. In fünf Monaten geht der Angriff richtig los: Im spanischen Stellantis-Werk in Saragossa läuft dann der erste Leapmotor-SUV B10 vom Band – direkt neben dem Opel Corsa. Kurz darauf folgt der kompakte B05. Damit schlägt der clevere Leapmotor-Gründer zwei Fliegen auf einen Schlag: Er nutzt die freien Produktionskapazitäten im Stellantis-Werk und trickst gleichzeitig die EU aus. Denn um die hohen Strafzölle auf China-Importe zu umgehen, baut er seine Modelle einfach direkt in Europa. Das drückt trotz der höheren Lohnkosten im Vergleich zu China den Preis.

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