Preise für Klassiker der 50er- und 60er-Jahre sinken
Die Oldtimerblase ist geplatzt

Jahrelang kannten die Preise für Oldtimer nur eine Richtung – nach oben. Doch seit diesem Jahr sind Klassiker aus den 50er- und 60er-Jahren plötzlich weniger gefragt. Dafür boomt das Geschäft mit Youngtimern. Warum?
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Die Preise solcher Porsche-Ur-911er sind in den letzten zwei Jahrzehnten förmlich explodiert und stetig in die Höhe geklettert.
Foto: zvg.

Darum gehts

  • Oldtimermarkt erlebt Preisrückgang und Nachfrageveränderung bei klassischen Fahrzeugen
  • Jüngere Käufer bevorzugen Youngtimer aus den 1990er- und 2000er-Jahren
  • Hagi Top Index fiel um 2,7 %, Ferrari-Index sogar um 5,5 %
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.

Noch vor fünf Jahren waren 200'000 Franken für einen Porsche 911 aus den 1970er-Jahren keine Seltenheit. Und heute? Bei unserer Suche auf dem Online-Marktplatz AutoScout24 finden wir einen Porsche 911 aus dem Jahr 1974 schon ab 125'000 Franken. Weiteres Beispiel gefällig? Gut erhaltene Veteranenmodelle des britischen Klassikers Austin Healey Mk 2 oder Mk 3 aus den frühen 1960er-Jahren waren bis vor kurzem – wenn überhaupt – kaum unter 90'000 Franken zu finden. Heute entdecken wir auf AutoScout allein zehn gepflegte Modelle, meist zu Preisen zwischen 65'000 und 75'000 Franken. Wir könnten weitere Beispiele mit Fahrzeugen aus dieser Ära wie Mercedes Pagode, Jaguar E-Type, Alfa Spider Duetto oder Lancia Fulvia aufzählen.

Seit letztem Winter scheint also die Oldtimerblase geplatzt, und es findet eine Marktbereinigung statt. Das ist nicht nur an den oben aufgezählten Beispielen oder den verschiedenen grossen internationalen Auktionen in Amerika, Frankreich, England und auch in der Schweiz zu sehen, sondern dokumentiert sich auch in messbaren Werten. «Unser Hauptindex, der Hagi Top mit seinen 19 Marken und 50 Modellen, ist in diesem Jahr bis Ende Oktober um 2,7 Prozent gefallen, unser Ferrari-Index gar um 5,5 Prozent», sagt Klassik-Experte Dietrich Hatlapa von der Historic Automobile Group, die seit Jahrzehnten offizielle Oldtimer-Marktpreise erhebt. «Das bedeutet», so Hatlapa weiter, «dass wir vor allem bei Modellen mit hohen Produktionszahlen wie etwa Mercedes SL Pagoden, Porsche 911 oder Jaguar E-Type derzeit Preisrückgänge im zweistelligen Bereich verzeichnen.»

Bis 30 Prozent Wertverlust

So haben also einige Klassikfahrzeuge seit dem letzten Jahreswechsel um 20 bis 30 Prozent an Wert verloren. Für Fachmann Hatlapa die überfällige Preisbereinigung eines überhitzten Markts. Gerade vermeintliche Volumenmodelle verloren jedoch nicht nur an Wert, auch ihre Nachfrage ging spürbar zurück. «Aufgrund des grossen Angebots kann der interessierte Käufer es sich heute leisten, nur die besten Exemplare auszuwählen. Nur wenige gefahrene Kilometer sind dabei nach wie vor einer der wichtigsten Parameter. Aktuell erzielen nur noch absolute Spitzenmodelle mit Alleinstellungsmerkmalen weiterhin Höchstpreise.»

Nachdem in den Jahren zuvor bereits der Markt für Vorkriegsmodelle eingebrochen ist (und die Preise weiter fallen werden), sind jetzt also auch Modelle aus den 50er- und 60er-Jahren deutlich weniger gefragt. Für Klassikexperten keine Überraschung. Dietrich Hatlapa: «Jüngere Käufergruppen aus der Generation X und Z, die jetzt zu den guten Verdienern gehören, fehlt oft der Bezug zu den Modellen oder Marken aus den 50er- und 60er-Jahren. Sie konzentrieren sich viel eher auf Modelle der vergangenen vier Dekaden.»

Jüngere, günstigere Oldtimer im Trend

Und bei genauerer Marktanalyse der laufend begehrter werdenden jungen Old- sowie Youngtimern stellen wir fest, dass heute Fahrzeuge aus den 1990er- oder frühen 2000er-Jahren, denen einst kaum ein Klassikerpotenzial vorausgesagt wurde, auf dem Gebrauchtwagenmarkt plötzlich sehr gefragt sind. Und zwar nicht nur besonders sportliche Modelle wie ein BMW M3 oder M5 oder die Mercedes-AMG-Varianten der C- und E-Klasse. Sondern auch normalere Alltagsautos wie ein Mercedes SLK, Audi Coupé oder gar sogenannte Brot-und-Butter-Autos wie ein VW Polo, VW Golf, Opel Kadett oder Volvo 850.

Wann gilt ein Auto offiziell als Oldtimer?

Oldtimer ist ein Sammelbegriff für historische Fahrzeuge. In der Regel gilt ein Auto, das 30 Jahre und älter ist, als echter Oldtimer. Als Youngtimer werden ältere Autos bezeichnet, die noch keine 30 Jahre alt sind.

In der Schweiz gibts seit 2008 den sogenannten Veteranenstatus. Als Veteranen stufen Strassenverkehrsämter nur Fahrzeuge ein, deren erste Einlösung mindestens 30 Jahre zurückliegt. Wichtig: Das Auto muss dazu in der originalen, ursprünglichen Ausführung und in optisch und technisch einwandfreiem Zustand vorgeführt werden. Toleriert werden nur Gebrauchsspuren, die sich trotz Pflege nicht vermeiden lassen. Wurde bei Reparaturen gebastelt oder das Auto gar getunt, wirds schwierig mit der Veteranen-Zulassung. Zur Beurteilung von Authentizität und Allgemeinzustand kann das Strassenverkehrsamt eine FIVA-ID-Card verlangen (Informationen dazu gibts bei der Swiss Historic Vehicle Federation).

Für Veteranenfahrzeuge gelten Sonderregeln. Sie sollten nicht als Alltagsfahrzeuge eingesetzt werden, nur private Fahrten werden akzeptiert und mehr als 2000 bis 3000 Kilometer im Jahr sollten es nicht werden. Dafür werden die Nachprüfungsintervalle auf bis zu sechs Jahre ausgedehnt. Und: Je nach Kanton lassen sich sechs bis beliebig viele Veteranenfahrzeuge mit nur einem Wechsel-Kontrollschild einlösen.

Oldtimer ist ein Sammelbegriff für historische Fahrzeuge. In der Regel gilt ein Auto, das 30 Jahre und älter ist, als echter Oldtimer. Als Youngtimer werden ältere Autos bezeichnet, die noch keine 30 Jahre alt sind.

In der Schweiz gibts seit 2008 den sogenannten Veteranenstatus. Als Veteranen stufen Strassenverkehrsämter nur Fahrzeuge ein, deren erste Einlösung mindestens 30 Jahre zurückliegt. Wichtig: Das Auto muss dazu in der originalen, ursprünglichen Ausführung und in optisch und technisch einwandfreiem Zustand vorgeführt werden. Toleriert werden nur Gebrauchsspuren, die sich trotz Pflege nicht vermeiden lassen. Wurde bei Reparaturen gebastelt oder das Auto gar getunt, wirds schwierig mit der Veteranen-Zulassung. Zur Beurteilung von Authentizität und Allgemeinzustand kann das Strassenverkehrsamt eine FIVA-ID-Card verlangen (Informationen dazu gibts bei der Swiss Historic Vehicle Federation).

Für Veteranenfahrzeuge gelten Sonderregeln. Sie sollten nicht als Alltagsfahrzeuge eingesetzt werden, nur private Fahrten werden akzeptiert und mehr als 2000 bis 3000 Kilometer im Jahr sollten es nicht werden. Dafür werden die Nachprüfungsintervalle auf bis zu sechs Jahre ausgedehnt. Und: Je nach Kanton lassen sich sechs bis beliebig viele Veteranenfahrzeuge mit nur einem Wechsel-Kontrollschild einlösen.

Die Gründe für das deutlich gestiegene Interesse an solchen Youngtimern durch eine oft jüngere Käuferschaft sind nicht allein die vergleichsweise günstigen Kaufpreise, sondern auch eine solide Verfügbarkeit von Ersatzteilen und eine besonders grosse Identifikation mit der Marke und Modellen aus der eigenen Jugend. Zudem lassen sich häufig solche Fahrzeuge mit Jahrgang 1990 und jünger auch problemlos als Alltagsauto bewegen.

Ein Segment bei den historischen Fahrzeugen erfreut sich allerdings weiterhin einer starken Nachfrage. Besonders hochpreisige und seltene Klassiker und Rennwagen wie etwa der kürzlich an einer Auktion im Zürcher Hotel Dolder für 5,18 Millionen Franken versteigerte Jaguar D-Type aus dem Jahr 1956 oder der gleichenorts für 2,31 Millionen Franken verkaufte Ferrari 275 GTB Alloy. Wer ein solches Fahrzeug sucht, dem geht Qualität und Historie über alles. Ein Grund, dass sich gerade renommierte Oldtimerhändler und die Klassikabteilung von Mercedes, Porsche oder Ferrari weiterhin über eine gute Nachfrage von finanzstarken Kunden freuen können. Allerdings: Der ebenfalls bei der Auktion im Dolder zum Verkauf stehende Lamborghini Miura von 1967 fand keinen neuen Besitzer.

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