Darum gehts
- Grossbritannien legte Linksverkehr 1835 fest – nie geändert
- 2025 wurden nur noch 700’000 Autos im Land gebaut
- E-Autos kosten dank Förderung im Schnitt 850 Franken weniger als Verbrenner
Die Briten machen viele Dinge ein bisschen anders als der Rest des Kontinents – auch im Strassenverkehr. Zweifellos die bekannteste britische Eigenart ist der Linksverkehr. Heute fährt man noch in rund 60 Ländern auf der linken Strassenseite. Fast alle gehörten einst zum britischen Imperium. Denn der Rechtsverkehr, der sich im Zuge der Französischen Revolution (damals für Kutschen) durchsetzte, schaffte es nie über den Ärmelkanal. Stattdessen legte England 1835 den Linksverkehr fest – und blieb dabei.
Gleich verhält es sich mit dem metrischen System. Auch dieses Kind der Französischen Revolution wurde in Grossbritannien nicht übernommen. Die Geschwindigkeit wird bis heute in Meilen pro Stunde (mph) statt km/h gerechnet. Die Tempolimits betragen innerorts 30 mph, ausserorts 60 mph und auf der Autobahn 70 mph, was umgerechnet 48 km/h, 96 km/h und 112 km/h ergibt.
City-Maut in London
Keine Aussenseiter, sondern Vorreiter sind die Briten bei der City-Maut. Schon seit 2003 wird in Londons Innenstadt eine «Congestion Charge» (Staugebühr) fällig. Wer tagsüber in die Londoner City fahren will, muss sich registrieren und 18 Pfund (19 Franken) bezahlen. Die Gebühr gilt auch für Anwohner, doch die überwiegende Mehrheit der neun Millionen Einwohner der Metropole leben ausserhalb der betroffenen Zone.
Dazu kommen in vielen britischen Städten – wie auch in Europa üblich – die Niedrigemissionszonen. Wer ein Fahrzeug mit höherem Schadstoffausstoss fährt, muss dort eine Gebühr entrichten. Die Gebühren sollen die Leute in den öffentlichen Verkehr oder aufs Velo lenken.
Amphibienfahrzeug und Dreirad
Erstaunlich relaxt sind die Behörden hingegen beim Thema Tuning. Davon zeugten nicht nur die skurrilen Konstruktionen in der bekannten Autosendung «Top Gear». So stoppt beispielsweise auch die deutsche Polizei immer wieder in Grossbritannien zugelassene Autos wegen in Deutschland illegaler Umbauten.
Die britische Autoindustrie brachte in der Vergangenheit selbst einige der bizarrsten Fahrzeuge hervor. Dazu gehören etwa das Amphibienfahrzeug Gibbs Aquada oder der dreirädrige Reliant Regal, der in der Comedyserie «Mr. Bean» vorkommt.
Niedergang der Autoindustrie
Bekannt ist das Land aber vor allem für seine Luxusmarken wie Aston Martin, McLaren, Bentley, Rolls-Royce, Jaguar, Land Rover, Mini und Lotus. In britischen Händen sind die meisten Hersteller heute aber nicht mehr. Bentley (VW), Rolls-Royce und Mini (BMW), Jaguar und Land Rover (Tata), sowie Lotus (Geely) gehören deutschen, indischen und chinesischen Herstellern.
Der Niedergang der stolzen Industrie ist offensichtlich: 2025 liefen im Vereinigten Königreich nur noch gut 700’000 Autos vom Band. Zum Vergleich: Deutschland produzierte letztes Jahr über 4 Millionen Autos und China über 34 Millionen.
Verbrenner-Aus verschoben
Und was ist mit der E-Mobilität? Nach dem Austritt aus der EU kann London selbst über ein mögliches Verbrenner-Aus entscheiden. Letztes Jahr verschob die Regierung das Ende des Verbrenners von 2030 auf 2035. Hybride bleiben in der Übergangszeit erlaubt. Ob dies das letzte Wort ist, muss sich aber noch zeigen.
Der Staat unterstützt den Kauf von günstigen Stromern mit bis zu 10 Prozent des Verkaufspreises. Dazu kommen teils hohe Rabatte der Hersteller, die Zero-Emission-Vorgaben erfüllen müssen. Die Folge: Kürzlich berichtete der «Guardian», dass E-Autos in Grossbritannien im Schnitt inzwischen umgerechnet rund 850 Franken günstiger sind als Verbrenner. Dennoch machten Stromer in den ersten drei Monaten des Jahres erst 22 Prozent der Neuwagenverkäufe aus. Zumindest hier unterscheiden sich die Briten kaum von den Festlandeuropäern.
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